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Nach Wahlniederlage von Nationalrat Philipp Hadorn
19. November 2019

„Dieses Stürmchen wird mich nicht hinwegfegen“

Philipp Hadorn beim Gespräch im Bundeshaus. Bild: Fritz Imhof
Philipp Hadorn beim Gespräch im Bundeshaus. Bild: Fritz Imhof

Philipp Hadorn (52) präsidiert das Blaue Kreuz Schweiz und wurde 2011 in den Nationalrat gewählt
(SP, SO). Seinen Platz nimmt nun eine Frau ein.

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Philipp Hadorn, viele idea-Leser werden Ihre Abwahl als Nationalrat bedauern. Wie gross war der Schock oder der Frust für Sie selbst?
Es war kein Schock, sondern eine Option. Persönlich bin ich zwar enttäuscht, ich hätte gerne im Parlament weitergearbeitet, besonders in der neuen Zusammensetzung. Wer sich aber einer Wahl stellt, muss auch bereit sein zu verlieren.

Wie sind Sie als Christ geistlich mit diesem Bruch und dieser Enttäuschung umgegangen?
Einerseits gibt es den Aspekt der Gerechtigkeit. Wir werden sie nie ganz verstehen. Es war weder gerecht noch ungerecht, dass ich gewählt wurde – und jetzt abgewählt wurde. Wie auch schon in anderen Lebenssituationen verstehe ich dies trotz aufrichtigem Suchen nicht. Ich empfinde für mich einfach Gottes Aufforderung: Gehe deinen Weg weiter. Ich habe diese Neuorientierung wirklich nicht gesucht. Als Christ habe ich aber ein tragendes Fundament, sodass mich dieses Stürmchen nicht wegfegen wird. Es ist ja nur meine eigene kleine Welt, die jetzt für einen Moment zusammengebrochen ist.

Haben Sie sich vor den Wahlen Gedanken über eine mögliche Abwahl gemacht und wie die Zeit danach gestaltet werden soll?
Ich rechnete zwar mit der Möglichkeit einer Abwahl, hoffte aber, durch eine Mobilisierung – auch im christlichen Raum – die Wiederwahl zu schaffen. Jetzt wurde eine Frau gewählt. Ich habe keinen Plan B. Ich werde mir dazu Zeit nehmen. Da ich aber ein echter Milizparlamentarier war, habe ich ein zweites Standbein. Ich werde mir jetzt überlegen müssen, wofür ich mich in den nächsten 13 Jahren meines Berufslebens einsetzen will. Ich werde das vor Gott und Menschen bewegen.

Werden Sie in vier Jahren wieder zur Wahl antreten?
Man soll nie „nie“ sagen. Ich kann es mir aber im Moment nicht vorstellen. Es müsste schon eine besondere Konstellation geben, die für mich persönlich und für die Partei – und die Bevölkerung – stimmt. Ein nationaler Parlamentssitz muss sich aus einer besonderen Konstellation heraus ergeben. Viele warten ein Leben lang darauf. Ich durfte acht Jahre im Nationalrat mitgestalten. Das war hochspannend und dafür bin ich dankbar.

Das vollständige Interview, wie die Anliegen des Blauen Kreuzes in Zukunft im Parlament zum Tragen kommen und was Philipp Hadorn denkt über einen allfälligen Zusammenhang zwischen seinem christlichen Bekenntnis und seiner Wahlniederlage, finden Sie im ideaSpektrum 47.2019.

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