Samstag • 23. Juni
Gesundheitsprojekte
24. Mai 2018

„TearFund“ hilft den Rohingya

Nasima mit ihrem Onkel Foto: Tearfund
Nasima mit ihrem Onkel Foto: Tearfund

Die Armee von Birma (auch Myanmar) reagierte im vergangenen August mit brutaler Gewalt auf die Angriffe von Rohingya-Rebellen auf Polizei- und Militärposten. Beim Gegenschlag wurde über eine halbe Million Menschen dieser ethnischen Minderheit vertrieben. Das Schweizer Werk „TearFund“ reagiert nun gemeinsam mit Partnern mit einem Gesundheitsprojekt.

ANZEIGE

Bereits der Landesname zeugt vom Konflikt: Birma (in der Schweiz teils unter seinem englischen Namen Burma bekannt) wurde vom Militärregime in Myanmar umbenannt, dies mit der Begründung, damit die nationale Einheit zu stärken und die Vielfalt der Bevölkerung abzubilden. Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi kritisierte, dass damit genau das Gegenteil geschehe.

Ein Beispiel ist die ethnische Minderheit der Rohingya, die gar nicht als eigenständige Bevölkerungsgruppe angesehen wird. Sie besteht vorwiegend aus sunnitischen Muslimen. Ihnen wird seit 1982 die Staatsbürgerschaft verweigert, ins Ausland reisen dürfen sie nicht.

Seit der Unabhängigkeit Birmas im Jahr 1948 wurden zwanzig militärische Operationen gegen diese Minderheit durchgeführt, die letzte im August und September 2017, nachdem Rohingya-Rebellen zeitgleich mehrere Ziele in Birma angegriffen hatten.

„TearFund“ reagiert mit Gesundheitsprojekt

„Wir waren sieben Familienmitglieder. Doch das Fischerboot kenterte. Sechs von uns sind ertrunken“, flüstert Nasima (8). Das Mädchen hat es an Land geschafft, berichtet das Hilfswerk „TearFund“. Damit Nasima auch die Monsunzeit im Flüchtlingscamp überlebt, startet das Werk mit Sitz in Zürich mit seinen Partnern ein Gesundheitsprojekt.

Nasima habe gleich mehrere Ereignisse überlebt, berichtet „TearFund“ in einer Mitteilung: „Zuerst die Massaker in ihrem Heimatdorf in Myanmar, dann das Unglück bei der Überfahrt nach Bangladesch. Sie hatte auch grosses Glück, dass ihr Onkel die Familie erwartet hatte und das Mädchen zu sich nehmen konnte. Nasima lebt nun wie 600.000 weitere Rohingya im Südwesten Bangladeschs in einer Notunterkunft.“

Erneut durch Wasser bedroht

Im Mai beginnt nun die Monsunzeit und das Wasser wird erneut zur Bedrohung: Massive Regenfälle werden über die Flüchtlingscamps hereinbrechen. Hütten werden weggeschwemmt oder durch Erdrutsche verschüttet werden. Zugangsstrassen für die Versorgung der Menschen werden im Schlamm versinken.

Doch die grösste Gefahr droht den Flüchtlingen durch gefährliche Krankheiten: Überschwemmte Latrinen verseuchen Wohngebiete und Trinkwasser mit Fäkalien. Gemeinsam mit Partnern aus der Integral-Alliance erstellt TearFund deshalb dringend notwendige medizinische Einrichtungen. Gebaut auf stabilem Untergrund, sind diese Gesundheitszentren ein Zufluchtsort für kranke und geschwächte Menschen. Zudem beraten geschulte Gesundheitshelfer die Geflüchteten, wie sie übertragbare Krankheiten vermeiden können.

Ende 2017 versorgte das Werk rund 18.000 Rohingya für drei Monate mit Nahrungsmitteln. Nun muss die Hilfe weitergehen. Tausende von ihnen in Bangladesch sind schutzlos. Sie brauchen dringend Menschen, die ihnen zur Seite stehen.

Tearfund-Projekt

(Daniel Gerber, Georg Rettenbacher/Livenet, TearFund)

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser fünf Tage kommentiert werden.