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Weltweite Evangelische Allianz
23. Februar 2021

Kirchen in Algerien wieder öffnen!

Die algerische Staatsflagge. Symbolbild: pixabay.com
Die algerische Staatsflagge. Symbolbild: pixabay.com

Genf (IDEA) – Die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) hat die algerische Regierung erneut dazu aufgerufen, die geschlossenen Kirchen in ihrem Land wiederzueröffnen. Anlass dafür ist die 46. Sitzung des UN-Menschenrechtsrates vom 22. Februar bis 23. März in Genf. In der schriftlichen Eingabe an die UN heißt es dazu, dass nach wie vor 13 Kirchen geschlossen seien. Dabei habe Algerien die UN-Menschenrechte und damit die darin verankerte Glaubens- und Religionsfreiheit anerkannt.

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Zum Hintergrund: Seit 2017 kommt es zur Schließung evangelischer Gemeinden in Algerien. Die lokalen Behörden berufen sich dabei auf eine Verordnung vom März 2006, nach der alle nichtmuslimischen Gemeinden in dem islamischen Land eine Lizenz beantragen müssen. Gottesdienste in nichtregistrierten Kultstätten sind illegal. Seit 2006 wurde jedoch kein einziger eingereichter Antrag genehmigt. Die WEA hatte das Vorgehen der algerischen Regierung gegen die dortige Evangelische Allianz bereits im August 2019 kritisiert.

Im November verurteilten auch die US-Kommission für Internationale Religionsfreiheit (Washington), gefolgt vom Europäischen Parlament im Dezember, die Kirchenschließungen als Verstoß gegen die Religionsfreiheit. Wie es im aktuellen Appell heißt, hat sich seitdem für die evangelischen Kirchen in Algerien nichts verändert. Weiterhin seien 13 von 47 zur Allianz gehörenden Gemeinden geschlossen.

Auch gerichtliches Vorgehen habe daran nichts ändern können, heißt es weiter. Gleichzeitig kritisierte der internationale evangelikale Dachverband die ungleiche Behandlung der Protestanten durch die Regierung während der Corona-Krise. So dürften die Moscheen und die wenigen katholischen Kirchen mittlerweile wieder öffnen, die landesweit 50 evangelischen Kirchen hingegen nicht.

Kirchenleiter: Appelle verhinderten weitere Schließungen

Ein hochrangiger evangelischer Kirchenleiter – er will aus Sicherheitsgründen namentlich nicht genannt werden – in Algerien sieht darin den Versuch, die Kirchenschließungen trotz internationaler Kritik unter dem Deckmantel der Pandemiebekämpfung weiter voranzutreiben. Wie er gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA betonte, haben die Appelle in der Vergangenheit sieben weitere anstehende Schließungen verhindert.

Neben Appellen aus den USA und Europa seien es der Aufschrei und die Gebete vieler Christen – besonders aus Frankreich – gewesen, die Schlimmeres verhinderten. Ziel aller staatlicher Maßnahmen sei letztendlich die Zerstörung der evangelischen Gemeindebewegung in Algerien. Seine eigene Gemeinde sei seit Oktober 2019 geschlossen.

Vorgehen durch die Regierung, Solidarität aus der Bevölkerung

Während die Katholiken im Land fast ausschließlich Ausländer seien, seien die Protestanten alle einheimische Ex-Muslime. Das akzeptiere die Regierung nicht und gehe mit allen Mitteln gegen sie vor. Neben der Kirchenschließungen habe die Überwachung auf Facebook zugenommen: Religiöse Äußerungen seien sehr gefährlich geworden. Erst kürzlich sei ein Christ wegen einer solchen zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Auch die letzte Satzungsänderung der seit 1974 staatlich anerkannten Evangelischen Allianz sei nicht bestätigt worden.

Damit sei der Dachverband praktisch gesehen nun illegal. Während der Druck in anderen muslimischen Ländern besonders von der Bevölkerung ausgehe, komme er in Algerien vor allem durch die Regierung: „Offiziell haben wir alle Rechte, trotzdem werden wir nicht anerkannt.“ Doch der Pastor beobachtet auch eine positive Entwicklung: „Als die Moscheen wieder öffneten, fragten viele Muslime warum wir Christen unsere Kirchen nicht öffnen dürfen.“ Eine ähnliche Solidarität hätten sie 2019 bei ihren Protesten gegen die Kirchenschließungen erlebt.

Digitale Hauskreise und Waldgottesdienste

Die Christen im Land hätten sich mit den erschwerten Bedingungen arrangiert. So würden sie sich derzeit digital austauschen. Gottesdienste hielten sie in den Wäldern und Bergen ab. Gleichzeitig versuchten sie auch jetzt anderen, ihren Glauben vorzuleben: „Jeder Muslim ist auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Wir wollen unseren Mitmenschen das zeigen, was Jesus in unserem Leben bewirkt hat“, so der Kirchenleiter. Dafür dürften sie sich aber trotz Verstoßes gegen ihre Menschenrechte nicht aus dem Land drängen lassen, sondern müssten durchhalten.

Für die Unterstützung von internationaler Seite sei man daher äußerst dankbar. Sie zeige den algerischen Christen, dass sie nicht allein seien. Der Anteil der Christen unter den 43 Millionen Einwohnern Algeriens – fast ausschließlich Muslime – liegt bei unter einem Prozent. Die Regierung schätzt die Zahl der Evangelikalen auf etwa 73.000 – die Evangelische Allianz hält diese Zahl für zu gering.