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Nach Militärputsch in Myanmar
03. Februar 2021

Gefahr für Demokratie und Christen in Myanmar?

Myanmar stand bis 2011 50 Jahre lang unter der Kontrolle der Armee. Auch nach den demokratische Reformen behielt sie eine starke Stellung im Land. Foto: pixabay.com
Myanmar stand bis 2011 50 Jahre lang unter der Kontrolle der Armee. Auch nach den demokratische Reformen behielt sie eine starke Stellung im Land. Foto: pixabay.com

Naypyidaw (IDEA) – Der Militärputsch in Myanmar (früher Burma) könnte die Demokratie im Land gefährden und den Druck auf Christen erhöhen. Das befürchten Menschenrechtler und christliche Organisationen.

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Am 1. Februar hatte die Armee Regierungschefin Aung San Suu Kyi und weitere ranghohe Mitglieder der bislang regierenden Partei „Nationale Liga für Demokratie“ wegen „betrügerischer Wahlpraktiken“ inhaftiert. Anschließend verhängte das Militär einen einjährigen Ausnahmezustand, um die „Stabilität des Staates“ zu erhalten.

Das Land stand bis 2011 50 Jahre lang unter der Kontrolle der Armee. Auch nach den demokratische Reformen behielt sie eine starke Stellung im Land. Das überkonfessionelle Hilfswerk Open Doors Deutschland erklärte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA zum Putsch: „Die Militärregierung hat in der Vergangenheit immer ihre buddhistische Kultur und Tradition geschützt.

Das kann ernste Auswirkungen auf die Kirche haben. Wir erwarten, dass es erneut zu Einschränkungen für die Kirche kommen wird, obwohl wir noch nicht wissen, in welchem Ausmaß und in welcher Form dies geschehen wird.“

HMK: Für Myanmar beten

Auch der Leiter des Werks „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ (HMK), Manfred Müller (Wetzlar), sieht besorgt auf Myanmar und ermutigt zum Gebet für das Land und seine Christen. Die evangelikale Organisation arbeitet dort seit zehn Jahren. Wie Müller IDEA berichtete, war die Lage der Christen schon vor dem Putsch schwierig.

Vor allem christliche Konvertiten müssten mit Verfolgung seitens ihrer buddhistischen, muslimischen oder auch in traditionellen Stammesreligionen verwurzelten Familien rechnen. In den westlichen Bundesstaaten Myanmars komme es außerdem immer wieder zu Zusammenstößen zwischen dem Militär und islamistisch-seperatistischen Rohingya-Rebellen. Viele Christen seien aus diesem Grund geflohen und lebten unter schwierigen Umständen.

CSW befürchtet Verschlechterung der Menschenrechtssituation

Der Projektleiter für die Region Ostasien des christlichen Hilfswerks „Christian Solidarity Worldwide“ (CSW), Benedict Rogers, rief gegenüber der christlichen Nachrichtenplattform Premier (London) ebenfalls zum Gebet auf.

„Es ist wahrscheinlich, dass wir weitere Verhaftungen sehen werden und sicherlich eine Verschlechterung der Menschenrechtssituation“, befürchtet er. Besonders wichtig sei das Gebet für die religiösen Leiter in dieser Situation. Das Militär habe über viele Jahre den ethnischen und religiösen Nationalismus als Waffe für sich eingesetzt.

„Beten Sie also, dass dies nicht geschieht und dass die Rechte aller Menschen, besonders aber die der religiösen und ethnischen Minderheiten respektiert werden,“ sagte er. Rogers zeigte sich jedoch hoffnungsvoll, dass sich die gegenwärtige Situation ändern könne, wenn die internationale Gemeinschaft Druck auf das Militär ausübe – etwa durch zielgerichtete Sanktionen.

Gesellschaft für bedrohte Völker: EU-Sanktionen gegen Militär verhängen

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen) rief die Europäische Union dazu auf, Sanktionen gegen die Wirtschaftsinteressen der putschenden Generäle zu verhängen. Dabei mahnte sie an, dass die Maßnahmen nicht die Bevölkerung treffen dürften.

Der Direktor der Organisation, Ulrich Delius, forderte: „Die EU sollte alle Geschäfte mit vom Militär kontrollierten Firmen und ihren Tochtergesellschaften unterbinden.“ Myanmars Militär habe in seiner mehr als 50-jährigen Herrschaft ein Wirtschaftsimperium geschaffen.

Hier gebe es genügend Möglichkeiten, um anzusetzen. Von den 55 Millionen Einwohnern Myanmars sind 76 Prozent Buddhisten, acht Prozent gehören Volksreligionen an, weitere acht Prozent sind Christen, vier Prozent Muslime sowie zwei Prozent Hinduisten.