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Pro und Kontra
01. April 2020

Ist die Corona-Pandemie eine Strafe Gottes?

Manche Menschen glauben, das Coronavirus ist eine Strafe Gottes. Symbolfoto: pixabay.com
Manche Menschen glauben, das Coronavirus ist eine Strafe Gottes. Symbolfoto: pixabay.com

Wetzlar (idea) – Das Coronavirus sorgt für eine globale Katastrophe: Hunderttausende sind infiziert, Tausende bereits gestorben. Die Ausbreitung des Virus legt zahlreiche Länder lahm. Manche Menschen fragen, wie Gott das zulassen konnte. Andere gehen noch weiter und nennen Gott als Urheber des Virus.

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Ist die Pandemie eine Strafe Gottes? Auf diese Frage antworten zwei Theologen in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

Pro: Gott kann Sünde nicht ungestraft lassen

Das Pro vertritt der Dekan am Bibelseminar Bonn, Prof. Friedhelm Jung. Nach seinen Worten werden sowohl im Alten wie im Neuen Testament Epidemien als Strafe Gottes für die Sünden der Menschen gesehen (5. Mose 28,58-61, Hesekiel 14,21 und Apostelgeschichte 12,23). Auch Jesus Christus bestätige dies (Lukas 21,20-24, Johannes 5,14). Jung: „Natürlich ist das für Menschen mit einem einseitigen Gottesbild (der liebe Gott, der keiner Fliege was zuleide tut) nicht nachvollziehbar.“

Doch wer am biblischen Gottesbild festhalte, wisse um die Heiligkeit des Schöpfers, „der (wie eine gerechte Regierung) Sünde nicht ungestraft lassen kann. Weil viele Menschen gottlos und in schweren Sünden leben (Stolz, Lüge, Pornografie, Diebstahl, Homosexualität usw.), schickt Gott Strafen.“ Tragisch sei, dass sich viele trotz der Strafen nicht zu Gott und seinen Geboten bekehrten (Offenbarung 9,20 f.).

Kontra: Das Virus hat keinen Strafauftrag

Gegen die Vorstellung, dass Gott mit dem Coronavirus den Abfall von einem gottgefälligen Lebenswandel bestraft, wendet sich der Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Wetzlar (Baptisten), Tilo Linthe. Er fragt: „Warum reduzieren wir alles auf Ethik?“ Diese Deutung gesellschaftlicher Ereignisse sei nicht neu. Schon vor 2.000 Jahren habe Jesus im Lukasevangelium (13,1-5) diese Vorstellung abgelehnt. Linthe: „Wir ertragen die Gleichgültigkeit und Willkür nicht, mit der Leid und Unglück unser Leben bedrohen, also suchen wir nach einem ‚roten Faden‘ Gottes.“

Die Wahrheit sei jedoch: „Dem Virus ist egal, wie viele es ansteckt und an ihm sterben. Es ist Teil der Natur und hat weder einen eigenen Willen noch einen Strafauftrag.“ Echten Halt gebe Liebe: „Wir sind einander nicht egal.“ Der Sinn des Lebens erschließe sich erst im Miteinander. Das Band der Liebe könne nicht einmal durch den Tod zerrissen werden. Gottes Liebe werde sichtbar, wenn Menschen sie einander zeigten: in Worten, Gesten und Berührungen.

Hier finden Sie auch das ausführliche Pro & Kontra.