Donnerstag • 19. Oktober
„Denkfest“
09. Oktober 2017

Freidenker erhalten Geld von der Kirche

Das Denkfest 2014. Foto: www.denkfest.ch
Das Denkfest 2014. Foto: www.denkfest.ch

Der dreitägige Freidenker-Kongress „Denkfest“ in Zürich steht in diesem Jahr unter dem Motto: „Reformation des Denkens“. Die Veranstaltung erhält als Beitrag zum Reformationsjubiläum 80.000 Franken vom Verein „500 Jahre Zürcher Reformation“.

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(idea) - „Wir bieten Ihnen einen Standardbrief an. Jede erwachsene Person kann damit für sich und allfällige minderjährige Kinder per sofort den Austritt erklären.“ So direkt lädt der Freidenkerverband auf seiner Webseite zum Kirchenaustritt ein und verrät: „Der Austritt ist formal schnell erfolgt. Es braucht nur einen eingeschriebenen Brief.“ Freidenker sind auf Distanz zu allem, was mit Kirche und Glaube zu tun hat. Erst kürzlich forderten sie, christliche Feiertage entweder einzuschränken oder mit säkularen Ferientagen zu ergänzen. Das hindert sie aber nicht, eine ihrer Veranstaltungen mit Kirchengeld durchzuführen.

„Vom Prediger zum Atheisten“

Anfangs November findet im Zürcher Volkshaus das 3. Denkfest statt. Unter dem Titel „Reformation des Denkens“ treten Redner auf wie Michael Schmidt-Salomon (Thema: „Humanist(innen) aller Konfessionen, vereinigt euch!“) oder Raphael Dorigo, der als Jugendarbeiter und Prediger in der evangelischen Kirche wirkte und sich heute davon distanziert (Thema: „Vom Prediger zum Atheisten: Wie läuft eine Reformation des Denkens bei einem tief religiösen Menschen ab?“).

„Zu wenig bewusst“, dass es sich um kirchliche Mittel handelt

Finanziell unterstützt wird der dreitägige Freidenker-Kongress vom Verein „500 Jahre Zürcher Reformation“. Dahinter stehen Kanton und Stadt Zürich sowie die Reformierte Kirche. Wie der Präsident der Freidenker, Andreas Kyriacou der „NZZ am Sonntag“ preisgab, erhalte man 80.000 Franken aus dem Topf des Vereins. Das ist beinahe die Hälfte des Budgets.

Dass die Freidenker diesen Umstand unter dem Deckel halten wollten, zeige ihr Zögern, das Kirchen-Logo unter die Sponsorenliste zu setzen. Darauf verwies das Magazin „bref“. Gemäss Andreas Kyriacou seien arbeitstechnische Gründe dafür verantwortlich gewesen. „Wenn die Teilnehmer des Festivals die Logos von kirchlichen Organisationen auf unserer Seite sehen, löst das natürlich Irritationen aus“, wird er in „bref“ zitiert. Inzwischen ist das Logo sichtbar. Man sei sich bei der Bewerbung um die Fördergelder zu wenig bewusst gewesen, dass es sich auch um kirchliche Mittel handle, ergänzt Kyriacou.

Auf der Website des Denkfestes wird die Zürcher Reformationsseite verlinkt. Dazu heisst es: „Die dritten Ausgabe des Denkfests ist unser wissenschaftlich-humanistischer Beitrag zum Reformationsjubiläum. Das Denkfest ist deshalb eingebettet ins Programm zh-reformation.ch.“ Der Verein „500 Jahre Zürcher Reformation“ verfügt über ein Budget von 13,8 Mio.  Zur Trägerschaft gehören der Kanton Zürich, die Stadt Zürich, Zürich Tourismus, die Reformierte Kirche im Kanton und der Reformierte Stadtverband Zürich.

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