Samstag • 23. Juni
Pro und Kontra
24. Mai 2018

Wohnen im Pfarrhaus: Die Residenzpflicht abschaffen?

Viele Pfarrer leben im Pfarrhaus, das an die Kirche angeschlossen ist. Foto: pixabay.com
Viele Pfarrer leben im Pfarrhaus, das an die Kirche angeschlossen ist. Foto: pixabay.com

Wetzlar (idea) – Gemeindepfarrer haben in der Regel die Pflicht, in einer Dienstwohnung bzw. im Pfarrhaus zu wohnen. Dies soll unter anderem eine jederzeit mögliche Seelsorge gewährleisten. Inzwischen wird darüber diskutiert, ob die Residenzpflicht abgeschafft werden sollte. Dazu äußern sich zwei Pfarrer in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

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Pro: Pfarrer sollen selbst entscheiden, wo und wie sie wohnen

Für den Vorsitzenden des Evangelischen Pfarrvereins im Rheinland, Pfarrer Friedhelm Maurer (Gemünden/Hunsrück), ist eine Residenz- und Dienstwohnungspflicht nicht mehr haltbar. Immer mehr notwendige Ausnahmen aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen und persönlicher Lebensumstände machten die Regel obsolet. So seien die Lebenspartner vielfach selbst berufstätig: „Die klassischen Pfarrfrauen wurden die Ausnahme.“ Gerade junge Pfarrer und Pfarrerinnen forderten heute mit Recht eine persönliche Freiheit. Dazu gehöre, „wen und wie man liebt, und eben auch: wo und wie man wohnt“. Wo Gemeinden immer größer werden, relativiere sich das Wohnen „vor Ort“. Geistliche hätten keine Allgegenwart wie der, den sie verkündigen. Ihre Erreichbarkeit stelle sich mit den modernen Medien anders dar als früher. Maurer: „Statt von Residenz- und Dienstwohnungspflicht zu reden, zu reglementieren und zu kontrollieren, sollte sich die Kirche um die Erfüllung der Pflicht kümmern, das Evangelium zu verkünden.“

Kontra: Für ständige Präsenz nahe bei den Menschen

Die Gegenposition vertritt der Vorsitzende der württembergischen „ChristusBewegung Lebendige Gemeinde“, Dekan Ralf Albrecht (Nagold). Nach seinen Worten braucht die Kirche Pfarrerinnen und Pfarrer, die „ganz nahe bei den Leuten“ sind. Die Ansage „Tag und Nacht ist der Anrufbeantworter für Sie geschaltet“ sei nicht der Weg des Evangeliums. Erforderlich seien Pfarrpersonen, „an deren ständiger Präsenz ich ablesen kann, wie Glaube zu Alltag wird. Nicht perfekt – sondern authentisch.“ Eine Umfrage unter der württembergischen Pfarrerschaft habe ergeben, dass die Mehrheit vor Ort leben wolle. Dazu benötige man gute finanzielle Bedingungen und eine Gemeinde, die ihrem Pfarrer auch Freiräume gönne. Albrecht: „An diesen Fragen sollten wir arbeiten, statt die Residenzpflicht abzuschaffen. Jesus Christus werde am Ende nicht nach den Wohnorten fragen, „sondern nach unserem Beitrag, sein Evangelium wahrhaftig und herzlich weiterzugeben. Das ist unsere höchste Pflicht im Pfarrberuf.“

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