Freitag • 25. Mai
Bayern
09. Mai 2018

„Wir sagen ja zum Kreuz“

20 Theologieprofessoren haben sich hinter den Kreuzerlass des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (Bild) gestellt. Foto: picture-alliance/Peter Kneffel
20 Theologieprofessoren haben sich hinter den Kreuzerlass des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (Bild) gestellt. Foto: picture-alliance/Peter Kneffel

München (idea) – 20 Theologieprofessoren aus Bayern haben sich in einer Erklärung hinter den Erlass der bayerischen Staatsregierung gestellt, im Eingangsbereich aller Landesbehörden ein Kreuz aufzuhängen. Darin schreiben die Erstunterzeichner, sie freuten sich über Kreuze in öffentlichen und staatlichen Räumen. Sie hätten auch „dem säkularen Menschen“ Wichtiges zu sagen: „Wer auf das Kreuz blickt, sieht sich dabei gleichermaßen konfrontiert mit einem wesentlichen Werteanker unserer humanistischen Toleranzkultur wie mit Jesus Christus als dem Sohn Gottes.“ Auch wenn dies manche als anstößig empfänden, so dürften dennoch Christen niemals Kreuze entfernen oder abhängen.

ANZEIGE

„Unverständlich“: Kirchenvertreter solidarisieren sich mit Laizisten

Zu der Kritik aus Teilen der Kirchen an dem Kreuzerlass schreiben die Theologen: „Für uns unverständlich ist die jetzt öffentlich zur Schau gestellte Solidarisierung kirchlicher Stimmen und Organisationen mit den Laizisten, die die Kreuze schon lange zumindest aus öffentlichen Gebäuden verbannen wollen.“ Eine solche Haltung grenze an Selbstaufgabe, „was gerade die Menschen anderer Religionen nicht schätzen und viele Christgläubige befremdet.“ Die Theologen weisen den Vorwurf zurück, mit dem Kreuzerlass werde die christliche Religion instrumentalisiert. Sie entgegnen, dass der Einsatz von Symbolen ein legitimes Mittel demokratischer Politik sei. Wenn sich beispielsweise die Partei „Die Linke“ am „Tag der Arbeit“ (1. Mai) in Demonstrationen einreihe oder „Grüne“ gegen Lebensschützer solidarisierten, „wittert keiner die Instrumentalisierung der Arbeiter oder der Genderisten“. Man glaube ihnen, dass das ihrer ehrlichen Überzeugung entspreche. „Wenn aber christliche Politiker sich mit dem Kreuz solidarisieren, wird suggeriert, es müsse selbstverständlich reine Parteitaktik sein. Wir sagen nein dazu, dass hier offenbar mit zweierlei Maß gemessen wird. Wir sagen ja zum Kreuz“, so die Theologieprofessoren.

Zwei evangelische Erstunterzeichner: Jürgen Henkel und Hermann Schoenauer

Zu den Erstunterzeichnern gehören neben 18 katholischen Hochschullehrern auch zwei evangelische: Pfarrer Prof. Jürgen Henkel (Selb) – er ist auch Bezirksvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CSU Oberfranken – und der Diakoniewissenschaftler Pfarrer Prof. Hermann Schoenauer (Nürnberg). Er war von 1990 bis 2015 Rektor und Vorstandsvorsitzender der Diakonie Neuendettelsau. Erstunterzeichner von katholischer Seite sind unter anderen der Dogmatiker Prof. Christoph Binninger, der Kirchenrechtler Prof. Christoph Ohly (beide Regensburg), der Sozialethiker Prof. Elmar Nass (Fürth) und der Professor für Theologie des geistlichen Lebens, Wolfgang Vogl (Augsburg). Weitere Theologieprofessoren, die sich der Erklärung (www.kreuzerlass.de) anschließen wollen, können dies gegenüber Prof. Vogl erklären (wolfgang.vogl@kthf.uni-augsburg.de).

Auch Evangelikale unterstützen den Kreuzerlass

Zu den Unterstützern gehören auch Evangelikale. Darunter sind der Professor für Ethik und Soziallehre an der Internationalen Hochschule Liebenzell, Harald Jung (Bad Liebenzell), sowie die Wirtschaftswissenschaftler Werner Lachmann (Roth bei Nürnberg) und Hermann Sautter (Göttingen). Lachmann war langjähriger Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung von Wirtschaftswissenschaften und Ethik, Sautter amtierte neun Jahre als Vorsitzender der SMD (Studentenmission in Deutschland).

Online-Petition gegen das Vorhaben: Bisher über 48.000 Unterschriften

Gegen den Kreuzerlass hat sich unter anderen der Vorsitzende der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (München), gewandt. Er hatte dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) vorgehalten, mit der Entscheidung „Spaltung, Unruhe, Gegeneinander“ ausgelöst zu haben: „Wenn das Kreuz nur als kulturelles Symbol gesehen wird, hat man es nicht verstanden.“ Auf Widerspruch stößt das Vorhaben vor allem auch bei der FDP, Bündnis 90/Die Grünen und der Linkspartei. Studenten der Universität Regensburg sammeln in einer Online-Petition Unterschriften gegen das Vorhaben. Bisher sind über 48.000 (Stand 9. Mai) eingegangen. Initiator ist Tarek Carls, studentischer Sprecher der Universität Regensburg und Mitglied der FDP-Jugendorganisation Junge Liberale. Nach seinen Worten missachtet der Beschluss „das Gebot der weltanschaulichen Neutralität des Staates“.

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser fünf Tage kommentiert werden.

13 Kommentare
Kommentare sind ausgeblendet.
Zum Einblenden der Kommentare hier klicken.