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Landeskirchen Aargau
01. Dezember 2017

Rekord bei der Ausbildung in Palliative Care

Zertifikatsfeier von über 100 Palliative und Spiritual Care Fachpersonen am 29. November 2017 im Kultur und Kongresshaus Aarau Foto: Fabion Baranzini
Zertifikatsfeier von über 100 Palliative und Spiritual Care Fachpersonen am 29. November 2017 im Kultur und Kongresshaus Aarau Foto: Fabion Baranzini

108 Absolventinnen und Absolventen erhielten am Mittwoch ihre Auszeichnungen für den erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung in Palliative und Spiritual Care der Aargauer Landeskirchen – ein Rekordjahr für diese Dienstleistung der Kirchen im Aargau. An der gleichzeitig stattfindenden Fachtagung für Palliative Care referierten drei renommierte Fachpersonen zum Thema „Leben um jeden Preis“.

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Noch nie gab es so viele Absolventen der verschiedenen Aus- und Weiterbildungen der Aargauer Landeskirchen im Bereich Palliative Care wie 2017. 108 Personen erhielten gestern Abend an der Abschlussfeier im Kultur und Kongresshaus Aarau ihr Zertifikat. Im letzten Jahr waren es 80, im Jahr davor 46. „Es ist grossartig, dass wir immer mehr Leute haben, die bei uns die Aus- und Weiterbildungen absolvieren und die sich für schwer kranke und sterbende Menschen einsetzen möchten“, freut sich Ausbildungsleiterin Karin Tschanz, die den mehrstufigen Lehrgang vor acht Jahren ins Leben gerufen hatte. 

8.200 Einsatzstunden in der Begleitung

Nicht nur hinsichtlich der Anzahl der Ausgebildeten war 2017 ein Rekordjahr für Palliative Care, sondern auch bei den geleisteten Einsatzstunden der Freiwilligen im Begleitdienst der Aargauer Landeskirchen. Laut Einsatzleiterin Claire Huwyler zeichnet sich eine Steigerung gegenüber dem Jahr 2016 ab, in dem ca. 150 Personen 8.200 Einsatzstunden in der Begleitung von schwer kranken und sterbenden Personen geleistet haben.

„In unserem Gesundheitssystem werden die Menschen zu Objekten“

Die jährliche Zertifikatsfeier findet immer im Rahmen einer Fachtagung statt, zu der eigens Andreas Heller, Professor für Palliative Care und Organisationsethik, aus Wien angereist war. Zum Thema Sorgekultur in der Leistungsgesellschaft hielt Heller gleich zu Beginn fest: „In unserem Gesundheitssystem werden die Menschen zu Objekten und Figuren, an denen wir Geld verdienen. Sie sind nur noch Mittel zum Zweck, und das ist eine bedrohliche Entwicklung.“ In der Folge skizzierte er verschiedene Möglichkeiten und Ansätze, wie man das Sterben und die Sterbenden in unsere Gesellschaft besser integrieren kann. Als Schlüssel dafür sieht er das Vertrauen und  die Verbundenheit zwischen den Menschen.

Bei der Sinnfindung unterstützen

Während Andreas Heller vor allem den gesellschaftlichen Kontext betrachtete, fokussierte der zweite Redner, der Theologe und Ethiker Dr. Heinz Rüegger, auf die Sinnfrage, die mit zunehmendem Alter immer relevanter werde. „Insbesondere in einer Gesellschaft, in der viele danach streben, nicht zu altern und möglichst lange jung zu bleiben.“ Ältere Menschen seien besser in der Lage, einen Sinn im Leben zu finden, als junge Leute, meinte Rüegger, der den Anwesenden einige Tipps gab, wie sie ältere Menschen bei der Sinnfindung unterstützen könnten: „Man muss akzeptieren, dass nicht jede einzelne Stunde des Lebens Sinn machen muss.“

„Es ist vermessen zu glauben, dass wir über den Tod verfügen können“

Die Theologin Ruth Baumann-Hölzle vom Institut Dialog Ethik in Zürich hielt in ihrem Referat „Leben um jeden Preis – sterben auf Abruf?“ fest: „Es ist vermessen zu glauben, dass wir über den Tod verfügen können, auch wenn die Medizin heute sehr viele Möglichkeiten bietet und die Zahl der natürlichen Todesfälle stetig abnimmt.“ Entsprechend wichtig sei es, dass die Patienten wieder vermehrt in den Entscheidungsprozess miteinbezogen werden, dass sie eine aktuelle Patientenverfügung haben und eine gut informierte Stellvertreterperson, die notfalls in ihrem Sinne entscheiden könne.

(ria)

www.palliative-begleitung.ch

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