Donnerstag • 19. Oktober
Ulrich Rüß
07. Oktober 2017

Ökumenische Beziehungen haben sich verschlechtert

Der Präsident der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften, Pastor Ulrich Rüß. Foto: Privat
Der Präsident der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften, Pastor Ulrich Rüß. Foto: Privat

Erfurt (idea) – Die ökumenischen Beziehungen zwischen evangelischer und römisch-katholischer Kirche haben sich verschlechtert. Diese Ansicht vertrat der Präsident der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften (IKBG), Pastor Ulrich Rüß (Hamburg), gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Er ist Mitausrichter des 7. Ökumenischen Bekenntniskongresses, der vom 6. bis 7. Oktober in Erfurt stattfindet. Das Tagungsthema lautet „Die Reformation als Grundlage einer evangelischen Katholizität“. Rüß widersprach damit einer Einschätzung des EKD-Ratsvorsitzenden, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München). Er hatte gesagt, das 500. Reformationsjubiläum habe „ökumenischen Rückenwind“ gebracht. Rüß zufolge hat es beim Amts-, Abendmahl- und Kirchenverständnis keine Annäherung gegeben. Zudem habe sich die evangelische Kirche mit ihren ethischen Positionen bei Themen wie Abtreibung, Sterbehilfe und der „Ehe für Alle“ von den „Grundlagen des Evangeliums, vom Erbe Martin Luthers und damit auch von den Positionen der römisch-katholischen Kirche“ entfernt. Zwar habe es in jüngster Zeit viele ökumenische Begegnungen gegeben, aber man sei in der Sache nicht weiter gekommen. Die Formel von der „versöhnten Verschiedenheit der Kirchen“ werde heute vielfach als „jede Kirche kann so bleiben wie sie ist“ gedeutet. Es reiche jedoch nicht aus, die Ökumene „bei Sekt und Häppchen“ zu pflegen. Die evangelische Kirche sollte weniger feiern und stattdessen mehr an den theologischen Themen arbeiten, die die Kirchen trennten.

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Glaubensbekenntnis wird im Sinne des Zeitgeistes uminterpretiert

Rüß zufolge sind in der evangelischen Kirche die Bekenntnisgrundlagen gefährdet. So sei der Glaube an die Jungfrauengeburt, die leibliche Auferstehung sowie die Wiederkehr Christi bei Pastoren nicht mehr selbstverständlich, sondern werde häufig im Sinne des Zeitgeistes uminterpretiert. Die Entwicklung reiche bis in die Kirchenleitungen. Auch bei Gemeindegliedern schwinden laut Rüß die Grundkenntnisse des Glaubens.

Christus kam nicht, um die Schöpfung zu bewahren

Ferner übte er Kritik an den Veranstaltungen zum 500. Reformationsjubiläum. Die Kernfragen lutherischer Theologie nach Heilsgewissheit, Freude am Glauben sowie der Bedeutung von Sünde, Tod und Teufel seien zu wenig zur Sprache gekommen. Während der Jubiläumsfeiern sei viel zur Weltverbesserung gesagt worden, aber wenig zur Erlösung des Menschen. Zwar sei der Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung wichtig. Jesus Christus sei jedoch nicht für die Themen auf die Erde gekommen, sondern um den Menschen zu retten. Der theologisch konservative Zusammenschluss umfasst Gemeinschaften in zehn Staaten.

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