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Porte Ouverte in Mulhouse
19. März 2020

Freikirche im Corona-Kreuzfeuer

Gottesdienst in der Gemeinde Porte Ouverte in Mulhouse. Bild: Livenet/Daniel Gerber
Gottesdienst in der Gemeinde Porte Ouverte in Mulhouse. Bild: Livenet/Daniel Gerber

Mulhouse (idea/dg) - Die zuständige Präfektin Josiane Chevalier prangerte in einem Interview die Freikirche Porte Ouverte in Mulhouse an, die Corona-Krise im Elsass leichtfertig ausgelöst zu haben. Ohne den Namen der Kirche zu nennen, spricht sie von „einer Versammlung von mehr als 3000 Personen“ in der Region. Es habe ein Durcheinander ohne Einhaltung von Regeln geherrscht. „Man zahlt jetzt den hohen Preis dafür, dass die grundlegenden Regeln nicht eingehalten worden sind“, meint die erst vor wenigen Wochen eingesetzte Präfektin auf Radio France Inter. Die Versammlung hatte vom 17. bis 21. Februar stattgefunden, umfasste aber laut verschiedener Quellen rund 2000 Personen. Auch mehrere Teilnehmer aus der Schweiz steckten sich vermutlich bei dieser Gelegenheit an.

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Evangelikale Leiter verteidigen Porte Ouverte

„So im Nachhinein anzuklagen ist wirklich zu leicht“, zitiert das Nachrichtenportal evangeliques.info eine Reaktion von Daniel Liechti. Liechti ist Mitglied des Vorstands des Rats der Evangelikalen in Frankreich CNEF. Eine Präfektin müsste sich an die Tatsachen halten, moniere er. Und der CNEF-Verantwortliche für Kommunikation, Romain Choisnet, sei überzeugt, dass die Kirche sogar die späteren Anordnungen antizipiert habe. Das Nachrichtenportal kommentiert, dass zum Zeitpunkt der mehrtägigen Versammlung noch keine Empfehlungen der Behörden herausgegeben worden seien. Danach habe in Paris sogar noch die Landwirtschaftsmesse stattgefunden. Erst am 29. Februar seien in Frankreich Versammlungen mit über 5000 Personen verboten worden.

Die Kirche wurde nach Bekanntwerden der ersten Corona-Infiszierungen gewisser Teilnehmer von den Medien überrannt. Nathalie Schnoebelen, Sprecherin von Porte Ouverte, erlebte dabei die Medien sehr kooperativ, mit zwei Ausnahmen: „Die zwei französischen Zeitungen, die einen Artikel geschrieben haben, der uns diskreditiert hat, waren die einzigen, die uns nicht angerufen haben oder sich nicht mit uns treffen wollten“, sagt sie gegenüber Livenet.