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Kolumne

Was machen all die Leute hier?

19.06.2022

Daniela Baumann
Daniela Baumann

Sonntagmorgen am Bahnhof einer grossen Schweizer Stadt: Es wimmelt von Menschen, wie ich es sonst nur vom Pendeln unter der Woche gewohnt bin. Was machen all die Leute hier – während zeitgleich in den Kirchen der Stadt (vermutlich deutlich weniger) Menschen Gottesdienst feiern? So geht es mir plötzlich durch den Kopf und der Gedanke stimmt mich seltsam traurig. Zudem meldet sich mein Gewissen. Weshalb bist du jetzt nicht im Gottesdienst und förderst zusätzlich die Sonntagsarbeit, indem du dir obendrauf noch einen Kaffee kaufst?

Beim Nachdenken über diese Situation und die unvermittelte Gefühls­regung merke ich, dass es eigentlich um die Frage geht, wie ich als Christin in einer säkularen Gesellschaft lebe. Die Antwort liegt für mich irgendwo zwischen zwei Extremen. Einerseits die totale Beliebigkeit: Der Gottesdienstbesuch am Sonntag ist eine unter vielen Optionen, die sich mir bieten. Und andererseits die totale Gesetzlichkeit: Der Gottesdienstbesuch am Sonntag ist heilig, ja fast schon entscheidend für mein Heil.

Also schüttle ich mein drohendes schlechtes Gewissen ab, geniesse Kaffee und Zugfahrt und staune beim Wandern gemeinsam mit meinem – nicht gläubigen – Begleiter über die unfassbare Schönheit und wohltuende Stille der Bergwelt.

Genauso jedoch wie das sonntägliche Gewusel am Bahnhof stimmt mich ebenfalls nachdenklich, wenn wir Christinnen und Christen auf der Seite der Beliebigkeit oder auf der Seite der Gesetzlichkeit vom Pferd fallen. Mit anderen Worten: wenn unser Christsein gar nicht in der kirchlichen Gemeinschaft verankert ist oder wenn es ausschliesslich dort gelebt wird.

Daniela Baumann ist Kommunikationsbeauftragte der Schweizerischen Evangelischen Allianz.

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