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Glaube

Theologische Einordnungen der Corona-Pandemie

18.05.2021

Warten vor dem Corona-Testzentrum vor der Uni Zürich. Foto: Shutterstock/Michael Derrer Fuchs
Warten vor dem Corona-Testzentrum vor der Uni Zürich. Foto: Shutterstock/Michael Derrer Fuchs

(IDEA/rh) - Neben der medizinischen und wirtschaftlichen Bewältigung der Corona-Pandemie stehen auch Glaubensfragen im Raum: Wo ist Gott? Was sollen wir für unser Welt- und Lebensverständnis lernen? Wie ist die Pandemie aus christlicher Sicht zu deuten? Auf der Internetseite des Landeskirchenforums wagen sechs Theologinnen und Theologen kurze Einordnungen.

Wer sich zur Corona-Krise theologisch äussern möchte, sollte zwei Fehler vermeiden, schreibt Ivan Walther-Tschudi, Pfarrer in Urdorf ZH: „Erstens behaupten, Gott habe mit dem Virus und der Pandemie nichts zu tun. Und zweitens sich anmassen, Gottes Gründe und Absicht umfassend erklären zu wollen.“ Pfarrer Walther- Tschudi deutet die Pandemie einerseits als „göttlichen Anstoss zur menschlichen Besinnung und als Gelegenheit zur Umkehr“ und anderseits als „Zeichen eines  endzeitlichen Prozesses“.

Paul Bernhard Rothen, Pfarrer in Hundwil AR, beobachtet, dass „säkulare Organisationen mit Allmachtsfantasien den Hirtendienst Jesu Christi an sich gezogen haben“. Sie würden sich „allen Ernstes dafür verantwortlich fühlen, die Menschheit zu retten“. Die Kirchen hätten „dieser Gotteslästerung den Lauf gelassen“. Jetzt demonstriere Gott aller Welt, wie ohnmächtig diese „selbst ernannten Heilsanstalten“ sind.

Für Martin Hohl, pensionierter Pfarrer, Wenslingen BL, macht die Corona-Zeit drei Dinge deutlich: 1. Menschliches Leben ist zerbrechlich. 2. Menschen suchen Sicherheit durch Macht und Kontrolle. 3. Der dreieinige Gott hat alles in der Hand. „Mit Christus verbündet dürfen wir wissen: Nichts und niemand kann uns von der Liebe Gottes trennen“, bekräftigt Martin Hohl die Gnade Gottes.

Sabine Aschmann, Pfarrerin in Schlatt TG, unterstreicht die in Christus durch den Glauben gefundene Freiheit (vgl. Galater 5,1). Unter anderem schreibt sie, „die obrigkeitliche Einschränkung persönlicher Freiheit und das Verhaltensdiktat, welches das Verantwortungsgefühl und das Gewissen der Menschen unter Druck setze, um Leben zu retten“, seien zu relativieren.

Andreas Ladner, Pfarrer in Staufberg AG, schreibt, weder Gesundheit noch Geld seien das Wichtigste im Leben, sondern „unsere Verbindung, unsere Beziehung zu Gott“. Und Benjamin Kilchör, Professor für Altes Testament an der STH Basel, mahnt, es sei nicht die Aufgabe der Kirche, zu beantworten, ob das Virus etwas gefährlicher oder etwas weniger gefährlich sei. Sondern: „Die Kirche muss eine Stimme dazu finden, welchen Stellenwert eine Krankheit – auch eine schwere  Krankheit – einnehmen darf, ohne dass ein Kult, ein Götzendienst daraus wird.“ Kilchör warnt: „Aus dem Krieg gegen das Virus wird schnell ein Krieg gegen den Viruswirt.“ 

landeskirchenforum.ch

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