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SRF-Reportage will den Teufel nicht sehen

05.01.2022

Ilona Stämpfli und Robin Rehmann im Reporter-Fahrzeug. Foto: Printscreen srf.ch
Ilona Stämpfli und Robin Rehmann im Reporter-Fahrzeug. Foto: Printscreen srf.ch

(IDEA/dg) - Die SRF-Sendung „rec.“ vom 14. Dezember schlägt hohe Wellen. Unter dem Titel „Der Teufel mitten unter uns“ wollte das Reporterteam Robin Rehmann und Ilona Stämpfli aufzeigen, dass Erzählungen über satanistischen rituellen Missbrauch in den Bereich der Verschwörungserzählungen gehörten und jeglicher Grundlage entbehrten. Ihrer Meinung nach sind die Opfer Betroffene, die in einem aufgezwungenen Gedankenkonstrukt von satanisch ritueller Gewalt leben müssten.

Für die Sendung interviewte Rehmann – nebst dem Sektenexperten Georg Otto Schmid und dem Soziologen Marko Kovic – unter anderem mehrere Personen, die potenziell Betroffene ritueller Gewalt auf verschiedenen Ebenen begleiten oder sich juristisch oder politisch mit dem Thema auseinandersetzen. Im Visier von Rehmann stand insbesondere der Verein CARA, eine Interessenvereinigung zur Aufklärung und Vernetzung gegen rituellen Missbrauch und organisierte Gewalt.

Die Interviewten wehren sich

Nach Ausstrahlung der Sendung distanzierten sich verschiedene interviewte Personen und Organisationen von der Darstellung des Themas. So zum Beispiel Castagna, eine Beratungs- und Informationsstelle für sexuell ausgebeutete Kinder, Jugendliche und in der Kindheit ausgebeutete Frauen und Männer. „Leider entsprach das Interview weder in Form noch Inhalt den zuvor mit SRF getroffenen Vereinbarungen noch jeglichen medienethischen Gepflogenheiten“, erklärt Castagna. Mit dem Erkennen der Absicht der Filmemacher habe man noch auf dem Platz das Interview zurückgezogen und nicht freigegeben. Aussagen von Castagna-Co-Leiterin Regula Schwager seien ohne Freigabe in der Sendung zitiert und aus dem Kontext gerissen wiedergegeben worden. Laut dem Verein Fairmedia ist der Vorwurf von Castagna zurzeit beim Rechtsdienst von SRF hängig. Fairmedia – in Kontakt mit mehreren im Film vorkommenden Protagonisten – erwähnt, dass von satanistischer ritueller Gewalt und damit dem Fokus der Sendung in keiner der eingesehenen SRF-Mails die Rede gewesen sei.

Auch der in der Sendung zitierte EDU-Grossrat Samuel Kullmann erklärt, er sei nicht im Bild darüber gewesen, dass der Fokus des Films auf satanistischer ritueller Gewalt liegen würde. „Alle meine Äusserungen im Interview beziehen sich auf rituelle Gewalt im Allgemeinen, nicht spezifisch auf satanistische Misshandlungen.“ Der Verein CARA veröffentlicht auf seiner Homepage ebenfalls eine kritische Stellungnahme.

In der Nachfolgesendung „Q & A“ rechtfertigen Robin Rehmann und Ilona Stämpfli ihr Vorgehen und ihre Terminologie. Zwar würden die Interviewten von allgemeinem organisiertem Missbrauch sprechen. Regula Schwager schliesse aber nicht aus, dass es Menschenopfer, Tieropfer, brennende Kreuze und eine im Untergrund Kinder misshandelnde Elite gäbe. Genau da liege das Problem. Denn einer Verschwörungserzählung, wie sie in der Reportage geschildert werde, unvoreingenommen und objektiv zu begegnen, wäre gefährlich, meinen die Filmemacher. Es sei wichtig, dass die Polizei wahre Täter suche, statt Verschwörungs­erzählungen nachzujagen.

Die Sendung differenziert nicht und ordnet nicht fachlich ein. Die ungewöhnlich emotionale Herangehensweise im Film rechtfertigt Rehmann. Dies sei Teil des Formats „rec.“. Ilona Stämpfli kündigte weitere Recherchen zum Thema an.

Wellen schlug die Sendung auch in der psychiatrischen Privatklinik Clienia in Littenheid TG. Laut „20min.ch“ werden die vor der Kamera gemachten Aussagen ihres Oberarztes Matthias Kollmann nun unter die Lupe genommen. Der Arzt ist zurzeit freigestellt. 
verein-cara.ch
srf.ch

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