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Kolumne

Kraft von oben

13.09.2022

Daniel Rehfeld
Daniel Rehfeld

Nach einem glühend heissen Sommer scheint uns nun ein frostig kalter Winter bevorzustehen. Allerdings stammt die Prognose nicht von den Muotathaler Wetterschmöckern, sondern von den Stromexperten. Wenn man Bundesrat und Fachleuten glaubt, wird die Energie in den kommenden Monaten knapp. Energie, die es braucht, um Wohnungen zu heizen, Einkaufszentren zu beleuchten, den öffentlichen Verkehr sicherzustellen oder lebenswichtige medizinische Geräte in Spitälern zu betreiben. Die Medienkonferenzen der Regierung erinnern ein bisschen an die Pandemiezeiten. Jede Woche gibt’s ein Update, Bürgerinnen und Bürger werden in die Pflicht genommen. Und kein Tag vergeht, an dem nicht über die drohende Versorgungskrise debattiert wird. Da ist die Berner Regierung, die dem Münster das Licht ausknipsen will, die Bundesbahn, die sich auf einen allfälligen Stillstand vorbereitet, der Stromkonzern Axpo, der in finanziellen Schwierigkeiten ist, bis hin zu Bestrebungen, eine Temperaturgrenze für Privathaushalte einzuführen und Verstösse zu bestrafen. Ganz zu schweigen von der politischen Grundsatzdis­kussion um die künftige Energiestrategie. Eines ist jetzt schon klar: Die Energiefrage geht ans Lebendige.

Nicht ganz zufällig, so denke ich, begehen wir nächsten Sonntag den Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag. Ein Feiertag, der nicht von der Kirche, sondern von der Politik eingeführt wurde. Der 1832 von der Tagsatzung terminierte Tag hat einen interessanten Beweggrund. Er entstand nämlich in Zeiten von Verfolgung, Seuchen und Erdbeben. Das zeigt, dass schon unsere Vorfahren wussten, woher sie Energie beziehen konnten; was ihnen Kraft verleiht. Sie waren sich bewusst, dass Bewahrung, Wohlstand und Friede nicht selbstverständlich sind, sondern von Gottes Güte abhängen. Und sie waren bereit, Gott den Platz einzuräumen, der ihm zusteht. Im Gegensatz zu heute. Eine letzte Woche veröffentlichte Studie des Schweizerischen Pastoral­soziologischen Instituts (SPI) kommt zum Schluss, dass Schweizer ihre Religionslosigkeit vererben. Will heissen, dass jede Generation weniger religiös ist. Als ehemaliger Bahnbetriebsdisponent bin ich mit den Gesetzen des Starkstroms vertraut. Sie besagen, dass die stärkste Lok keinen Schritt vorwärtskommt, wenn sie nicht „Kraft von oben“ bezieht. Der bevorstehende Bettag fordert uns heraus, darüber nachzudenken, woher wir unsere Energie beziehen. An welche Kraftquelle wir angeschlossen sind. 

Daniel Rehfeld, Chefredaktor

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