Samstag • 25. März
ChristNet
16. März 2017

Fasten gegen Krieg und Armut

Remo Wiegand Foto: zvg
Remo Wiegand Foto: zvg
Das christliche Politforum ChristNet organisiert ein „Fasten in der politischen Krise“. Man will zu Armut, Krieg, Terror und zur Flüchtlingsthematik nicht schweigen. idea sprach mit Remo Wiegand von ChristNet.

Remo Wiegand, warum sollen Menschen fasten, was bewirkt dieser Verzicht?

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Fasten ist ein Vorgang, der dem Körper Ruhe und Regeneration schenkt. Es ist ein Innehalten in der schnelllebigen Zeit. Fasten lässt den Menschen achtsam und solidarisch werden. Beim Fasten gibt es drei Dimensionen: die körperliche, die spirituelle und die soziale. Augustinus schreibt, dass das Gebet und die tätige Nächstenliebe die zwei Flügel des Fastens sind, ohne die es nicht abheben kann.

Was hat Fasten mit Politik zu tun?

Wer fastet, anerkennt seine eigene Beschränktheit – gerade angesichts einschneidender politischer Entwicklungen. Wer fastet, anerkennt seine Bedürftigkeit und vertraut darauf, dass ihm Hilfe entgegenkommt. Es ist deshalb ein Mut machendes Zeichen, wenn politisch aktive Menschen fasten. Das Fasten zeigt eine Bescheidenheit, eine Nachdenklichkeit an, die in der parteipolitischen Rechthaberei oft keinen Platz mehr zu haben scheint. Im Fasten werden wir gegenüber Mitmenschen dünnhäutiger und begegnen einander authentischer und empathischer. Es sind diese Begegnungen, die die besten politischen Lösungen ergeben.

Was für Erfahrungen haben Sie beim Fasten schon gemacht?

Ich komme immer in Aufräumstimmung. Da kann ich plötzlich mit grosser Lust Fenster putzen, Kleiderschränke entschlacken, aber auch lange aufgeschobene Entscheide fällen. Es fällt mir in dieser Zeit leicht, Altes loszulassen und Raum für Neues zu schaffen.

Was erwarten Sie persönlich von der kommenden Fastenzeit?

Ich hoffe und erwarte, dass ich meine Möglichkeiten bewusster wahrnehme. Oft durchbricht das Fasten festgefahrene Verhaltensmuster. Der freiwillige Verzicht stärkt das Bewusstsein, selbst entscheiden zu können etwas zu tun oder zu lassen. Im Hinblick auf das Weltgeschehen kann es gelassener machen und Ohnmachtsgefühle vertreiben.

Welche Erwartungen haben Sie bezüglich politischer Aufbrüche durch die Fastenaktion?

Kürzlich sagte ein Pfarrer zu mir: „Man kann die Menschen nicht verändern.“ Das stimmt. Diese Erkenntnis ist ebenso desillusionierend wie befreiend. Sie macht frei für ein Engagement, das keine schnellen Resultate sucht und nicht verzagt. Frei für ein Vertrauen, dass wir am geheimnisvollen Handeln Gottes teilhaben. Hin zum Weltfrieden, zur Gerechtigkeit und zur Liebe – hin zum Reich Gottes.

(Interview: Helena Gysin)

Das Initiativkomitee des Fastens besteht aus Vertreterinnen und Vertretern von ChristNet und der Evangelischen Mennoniten-Gemeinde (Alttäufer) Bern. Die Initianten werden vom 19. bis 25. März in Bern zusammen mit anderen Fastenden ihre Anliegen hoffnungsvoll Gott hinhalten. 

www.christnet.ch

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