Grüezi

Grüezi

Vor dem Cheminéeofen

Von: Christian und Esther Stricker

Sonntagabend, Jugendgottesdienst «Godi» in Amriswil. Der junge Moderator, den ich einst mutig mit 16 Jahren nachnahm, hält seinen ersten Input vor 200 jungen Leuten. Ich juble innerlich über der Kraft, der Spontanität, der Tiefe und Lockerheit, mit der er sein Herz sprechen lässt. Der Abbau nach dem Event läuft zügig. Verhältnismässig früh im Bett. Am Montag erwache ich so, dass es fürs Frühgebet reicht. Büromorgen. Irgendwo dazwischen das Mail von «idea»-Chefredaktor Andrea Vonlanthen: «Schreibst du mir ein Grüezi?» Langweilig ist es mir nicht. Aber das Thema ist wertvoll: «Heiraten». Wir sind gerne verheiratet. Wir erachten es als ein Geschenk, dass wir einander früh gefunden haben, ergänzen können, lieben, viel Spannendes und Verrücktes miteinander bewegen können. Meine Antwort: «Ja, aber ich will es zusammen mit meiner Frau Esther schreiben.» Nach dem Mittagessen ein gemeinsamer Spaziergang zusammen mit unserer Hündin Nora. Mein Schatz ist dabei für dieses «Grüezi» ... und es dauert ja noch so lange bis zum Abgabetermin vom nächsten Montag um 8 Uhr.

Und dann ging es einmal mehr schnell. Die Zeit lief. Wir hatten Zeit dazwischen für einen Eheabend mit dem Film «Die Dame in rosa». Da waren wichtige Ausgleichszeiten mit Lesen, mit einer OL-Runde im Bischofszeller Wald. Aber da war auch viel anderes: Putzen und Kochen, Gespräche und Sitzungen, zwei Nachmittage, während denen Esther im christlichen Buchladen arbeitete, eine Predigt, die geboren sein wollte und nicht ohne weiteres aufs Papier floss, gute Zeiten mit den Kindern mit Puzzles, Fussball und Herumtollen, schwierige Zeiten mit den Kindern mit Streit schlichten, Französisch abfragen, Durchsetzen des Aufräumens der Zimmer. Sicher verstehen uns viele der Leser. Es lief einfach. Am Samstagabend fragte ich (Esther) so nebenbei: «Du, wann schreiben wir eigentlich das Grüezi?» «Stimmt, aber die Predigt hat Vorrang, am Sonntag dann.» Der Sonntag kam. Nach dem Mittagessen war es wichtiger, der Hirtin, die direkt neben unserm Haus ihre Schafe grasen liess, ein Mittagessen zu bringen, auszuruhen, zu «verlüften». Der Besuch war auf 15 Uhr abgemacht. Schlussendlich kochten wir beiden Familien zusammen das Nachtessen.

Abends um 21 Uhr begannen wir vor dem Cheminéeofen mit Schreiben. Was bin ich (Christian) doch dankbar für meine unkomplizierte Frau! Was bin ich (Esther) doch dankbar, dass mein Schatz den entworfenen Text in den Computer tippt! Unsere Bilanz: «Grüezis» fallen einem nicht in den Schoss. Herzensnahe Ehen auch nicht! Aber eine lebendige Ehe ist wesentlich schöner, faszinierender, spannender, herausfordernder, sensibler als ein «Grüezi», das oft überlesen wird. Im kommenden April sind wir 20 Jahre verheiratet! Die Ehe gehört zum grössten Segen, den Gott uns geschenkt hat.

Christian Stricker ist Pastor der Chrischona-Gemeinde Amriswil, Esther ist Familienfrau und führt einen christlichen Buchladen.

Biblisch

Biblisch

Von: Beat Müller

«Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.» (Johannes 6,68)

«Kennen Sie auch Momente, in denen Sie Gottes Handeln oder Nicht-Handeln nicht verstehen, oder es Ihnen schwer fällt, Gottes Wort zu folgen? Simon Petrus antwortete Jesus: 'Herr, zu wem sollten wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.' Ab Ende Januar darf ich mit 'FischAugä' auf Tour gehen. Das Stück eröffnet einen humorvollen Blick hinter die Kulissen des 'Jünger-Seins'. Es macht deutlich, dass es den Jüngern, die das Ende der Geschichte ja noch nicht kannten, wohl ähnlich ging wie uns heute. Obwohl sie so nah dran waren, konnten sie bestimmt vieles, was Jesus sagte oder tat, nicht nachvollziehen. Die Ermutigung: Sie sind dennoch bei ihm geblieben, denn zu Jesus gibt es keine Alternative!»

Ein Lieblingsbibelwort von Beat Müller, Kabarettist, Theaterschaffender und Leiter der «Schauspiel GmbH» aus Rorbas. www.fischaugä.ch

Wörtlich

Wörtlich

Von: Urs Bieri

«Religiöse Werte - auch wenn sie heute oft entkoppelt sind von einem Glauben an Gott, die Bibel oder an die Kirche - prägen unser Wertesystem. So gilt der Sonntag immer noch als Ruhetag, den man mit der Familie verbringt, um gemeinsam zu spazieren oder sich im Hallenbad zu vergnügen.»

Urs Bieri, Senior-Projektleiter am Forschungsinstitut GfS Bern, in der «NZZ am Sonntag». Unter dem Titel «Der Sonntag ist heilig» stellt das Blatt in einem Report fest, in die Kirche gingen nur noch wenige Schweizer, trotzdem bleibe der konsumfreie Tag derzeit «unantastbar».

Äxgüsi

Äxgüsi

Untergänge

Von: Thomas Prelicz

Zwei Untergänge sorgen in diesen Tagen für Schlagzeilen: die Hava­rie der «Costa Concordia» und - in etwas kleinerem Rahmen - der Untergang des Fussballclubs Neuchâtel Xamax. Es ist interessant, wie viele Theorien in die Welt gesetzt werden. Dass die Frage nach dem beziehungsweise den Schuldigen im Vordergrund steht, erstaunt nicht. Es wäre aber sicherlich etwas zu einfach, die Schuld einzig und allein beim Kapitän oder dem zugegebenermassen etwas «speziellen» Xamax-Besitzer zu suchen. Da spielen noch andere Faktoren mit, die auch in die Überlegungen miteinbezogen werden müssen. Wer hat zum Beispiel die zwei Hauptpersonen überhaupt eingesetzt? Welches sind die Kriterien, damit jemand einen solchen Posten oder einen solchen Beruf ausüben kann?

Wohl kaum einer der Passagiere hat sich vor der Kreuzfahrt die Überlegung gemacht, dass er sein Leben quasi einem unbekannten Kapitän anvertraut. Keiner hat sich vor dem Einchecken die Frage gestellt, welche Charaktereigenschaften der Kapitän mit sich bringt. Die Passagiere sind ins Schiff eingestiegen, weil sie sich auf eine schöne Kreuzfahrt und eine gute Zeit freuten. Sie konnten sich wohl das Produkt aussuchen. Doch auf die Persönlichkeit des Kapitäns hatten sie keinen Einfluss. Für einige Passagiere wurde diese Kreuzfahrt zur Todesfahrt. Für die vielen anderen wurde sie zu einem unsagbaren Albtraum.

Im Blick auf unser Lebensschiff sieht das anders aus: Wir selber sind herausgefordert, uns zu fragen, welchem «Kapitän» wir uns anvertrauen wollen. Jesus Christus lädt uns ein, ihm unser ganzes Leben anzubefehlen. Wer das tut, wird auch Lebensstürme erleben. Doch auf diesen Kapitän ist voll Verlass. Er kommt mit allen ans Ziel, die ihm vertrauen! Keiner wird verlorengehen.

Thomas Prelicz ist Pfarrer in Arth.

Synergie

Synergie

Sein und Schein

Von: Dieter Bösser

Wie perfekt muss man sein als Bundespräsident oder als Präsident der Nationalbank? Wer entscheidet das? Nach welchen Kriterien? «Nobody is perfect» sagt man umgangssprachlich. Diese Erkenntnis ist banal. Aber welche Fehler kann man sich in Führungsfunktionen leisten: als Grossrat, als Bundesrätin, als CEO eines börsenkotierten Unternehmens, als Geschäftsführerin eines Hilfswerkes oder als Pastor einer (Kirch-)Gemeinde? Aktuell wird diese Frage nach eher diffusen Kriterien beantwortet. In Philipp Hildebrands Rücktrittserklärung waren weniger seine Taten, sondern seine in der Öffentlichkeit wahrgenommene Glaubwürdigkeit ausschlaggebend. Dahinter steht implizit ein mediales Paradigma. Zentral darin ist: Wie präsentiert sich eine Person in den Medien beziehungsweise wie wird sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen? Das schliesst neuerdings Facebook, Twitter und Co. ein. Deswegen engagiert man Kommunikationsberater, speziell für das mediale Reputations- und Krisenmanagement. «Gelöst» ist ein Problem, wenn eine ins mediale Visier genommene Person die kritische Situation weitgehend unbeschadet überstanden hat und sich das öffentliche Interesse anderen Themen zuwendet.

Über die Problematik von Sein und Schein wurde viel geschrieben: Wer bist Du - wie erscheinst Du nach aussen? Schein ist medial betrachtet wichtiger als Sein. In diesem Paradigma werden Probleme aber nicht gelöst, sondern nur vorübergehend entschärft - bis das nächste Detail einer Affäre publik wird. So wird Glaubwürdigkeit wertmässig volatil wie Aktien und Wechselkurse, täglich schwankend. Das führt zu einer grossen Unsicherheit für Führungspersonen und für deren Aufsichtsgremien: Wie lange ist ein in die Kritik geratener Exponent noch tragbar? Die vergangenen Wochen haben das eindrücklich gezeigt.

Das medial dominierte Paradigma mit der einseitigen Betonung der Erscheinung muss dringend relativiert werden. Im Blick auf das menschliche Sein sind anthropologische Dimensionen explizit zu berücksichtigen. Was in den letzten Wochen eher diffus als «Moral» bezeichnet wurde, muss in ethischer Hinsicht verlässlich geklärt werden. Im Kontext christlicher Organisationen und Kirchen ist ein christozentrisches Paradigma relevant. Entscheidend für die Bewertung von Sein und Handeln einer Führungsperson ist Jesus Christus, sind seine Person und seine Botschaft. Von ihm her sind jeweils konkrete Massnahmen abzuleiten. Wir brauchen offensichtlich einen Paradigmenwechsel!

Dieter Bösser, lic. theol. und lic. phil. I, ist Studienleiter der Akademie für christliche Führungskräfte (AcF) Schweiz in Basel und Geschäftsleiter des Fachkreises Psychologie und Glaube bei den Vereinigten Bibelgruppen (VBG).

Podium

Podium

Wer ist perfekt?

Von: Jean-Pierre Graber

Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand und viele andere vor ihm mussten ihr angesehenes Mandat aufgeben, weil die Medien ihre vermeintlichen oder tatsächlichen Verfehlungen breitgeschlagen haben. Affären dieser Art stimmen nachdenklich. Der Eindruck ist offensichtlich verbreitet, dass gerade wichtige politische Ämter von den Besten besetzt sein sollten. Auch in einer Zeit, in der wichtige ethische Grundsätze verloren gehen, verlangen die Bürger von den Politikern Transparenz und Korrektheit. Was sie im eigenen Leben oder in jenem der wirtschaftlichen oder kulturellen Elite durchaus zulassen, ist in ihren Augen bei Politikern ein Skandal.

Das kollektive Unterbewusstsein scheint mit folgenden, in den politischen Bereich übertragenen Worten der Heiligen Schrift übereinzustimmen: «Wer eine Gemeinde leiten will ... ist bereit, eine schöne und grosse Aufgabe zu übernehmen ... Allerdings muss ein solcher Mann ein vorbildliches Leben führen.» (1. Timotheus 3,1-4) Der Anspruch auf Fehlerlosigkeit gegenüber Politikern jedoch scheint mir übertrieben. Wenn wir hohe Funktionsträger beurteilen, sollten wir uns daran erinnern, dass die Perfektion nicht von dieser Welt ist, was die Bibel zutreffend bestätigt: «Machen wir nicht alle immer wieder Fehler?» (Jakobus 3,2) Dazu kommt, dass die Beschuldigungen gegenüber Politikern oft instrumentalisiert werden, nur um den Gegner zu destabilisieren. Die starke Konzentration auf tatsächliche oder angebliche Verfehlungen wirkt auch häufig pervers, da sie von der Lösung grundsätzlicher Probleme ablenkt.

Schliesslich bedroht die Häufung solcher Angriffe auf Politiker den Fortbestand der Demokratie. Sie führt nämlich die Bevölkerung dazu, zu glauben, dass die Mehrheit der politischen Elite korrupt sei und es besser wäre, zu einer Staatsform mit freiheitsfeindlicher Ordnung zu wechseln.

Jean-Pierre Graber, Dr. rer. pol., war Nationalrat der SVP. Er wohnt in La Neuveville BE.

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Heft 04/2012

Aus dem Inhalt der aktuellen Ausgabe

Titelblatt 2012-04
  • Brennpunkt: Hansjörg Forster über Hochzeitsmessen, Ehevorbereitung und Scheidung unter Christen.
  • Prostitution: 400 Chrischona-Männer suche die Wurzeln ihrer Freiheit
  • Christsein: Warum ein Banker versucht, immer fröhlich zu sein
  • Gartenkultur: Drei Berner Frende bauen Gärten und das Reich Gottes

Titelstory

Familie & Bildung 25.01.12

«Scheidungen bei Christen bald gleich häufig»

Punkto Ehescheidung gibt es bei Christen bald keine Unterschiede mehr. Zu diesem Schluss kommt Hansjörg Forster, Leiter des Ehedienstes «FamilyLife» von Campus für Christus. Dabei hätten Christen bessere Möglichkeiten zur Konfliktbewältigung. Umso wichtiger wird die Ehevorbereitung. Chancen dazu bieten die Hochzeitsmessen. mehr...

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Aktuelles

Politik & Gesellschaft 25.01.12

Als Gemeinde mitten im Rotlichtviertel

Im Zürcher Quartier Niederdorf nimmt die Strassen-Prostitution immer mehr zu. In der Neujahrsnacht... mehr...

Familie & Bildung 25.01.12

Familien stabilisieren die Gesellschaft von morgen

200 kinderreiche Mütter und Väter folgten der Einladung der Interessengemeinschaft Familie 3plus zu... mehr...

Kongresse & Veranstaltungen 25.01.12

Der Appell an die Männer: «Lebt Jesus-mässig!»

400 Chrischona-Männer suchten am Samstag in der «Arche» in Winterthur nach Freiheit, Gerechtigkeit... mehr...

Mission & Evangelisation 18.01.12

Sie wollen Gedanken Gottes auf den Boden bringen

Wie können wir den Kopf im Himmel haben und trotzdem mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben? Das... mehr...

Kultur & Kunst 25.01.12

Gospels singen, glauben und leben

Sie singen begeistert Gospels und haben eine Vision: Sie wollen glauben und leben, was sie singen.... mehr...

Medien & Wirtschaft 25.01.12

Wenn die Sehnsucht nach Eden Gestalt annimmt

Sie sind Göttis, gute Freunde, Gemeindebauer und Gartenbauunternehmer: Drei Männer haben ihre... mehr...

Kirche & Konfessionen 18.01.12

Wie «Mann» die Einheit mit Jesus entdecken kann

«In Sachen Beziehungen sind wir Männer oft verarmt. Das ist eine tiefe Not.» So lautet eine... mehr...

Amtsträger & Persönlichkeiten 14.12.11

Wilf Gasser: «Nicht von Angst und Pessimismus bestimmt sein»

«Zeugen (in) einer multireligiösen Welt» war das Thema des Leiterforums. Was wollen Sie denn in... mehr...

Theologie & Glaubensleben 25.01.12

Er versucht als Banker, stets fröhlich zu sein

Christsein hat nicht nur mit dem Sonntagsgottesdienst zu tun. Der Glaube bewährt sich im Alltag.... mehr...

Religionsfreiheit & Menschenrechte 18.01.12

Gemeinsam gegen Christenverfolgung

Die weltweite Christenverfolgung hat im letzten Jahr weiter zugenommen. In der Schweiz engagieren... mehr...

Dossiers

idea Schweiz vertieft bei interessanten Themengebieten die Informationen und bietet über die Dossiers die Möglichkeit, diese Themen gezielt nachzuverfolgen.

  

Schöpfung vs. Evolution

Seit Jahrzehnten erhitzt sie die Gemüter Tausender Christen, Forscher und Wissenschaftler: die Frage nach dem Ursprung der Welt und des Lebens. Im Dossier Schöpfung versus Evolution sammelt idea Schweiz Artikel und Dokumente zu dieser spannenden Diskussion. mehr...

  

Finanzkrise

Momentan ist sie in aller Munde: die Finanzkrise. idea Schweiz hält hier für Sie die Gedanken zur Krise in der Wirtschaft fest. mehr...

  

Nahostkonflikt

Der Nahostkonflikt beschäftigt seit Jahrzehnten die Weltöffentlichkeit. idea Schweiz fasst in diesem Dossier die Artikel zusammen, welche Israel und den Konflikt im Nahen Osten thematisieren. mehr...