Donnerstag • 25. Mai
Mitgliederversammlung
17. Mai 2017

Die Schweizerische Bibelgesellschaft öffnet sich für die Orthodoxe Kirche

Die drei Referenten gaben Einblicke in die Orthodoxe Kirche: von links nach rechts:  Noël Ruffieux, Karl Johannes Klimmeck und Vr. Stanko Marković. Foto: zvg
Die drei Referenten gaben Einblicke in die Orthodoxe Kirche: von links nach rechts: Noël Ruffieux, Karl Johannes Klimmeck und Vr. Stanko Marković. Foto: zvg

An der Mitgliederversammlung der Schweizerischen Bibelgesellschaft (SB) am Dienstag in Biel wurden drei neue Kollektivmitglieder aufgenommen. Das Nachmittagsprogramm konzentrierte sich auf die Orthodoxe Kirche. Drei Referenten gaben aus unterschiedlichen Perspektiven Einblicke. 

ANZEIGE

Ehrenkodex der SEA soll beantragt werden

An der Mitgliederversammlung der SB im Kirchgemeindehaus Madretsch in Biel genehmigten die Mitglieder den Jahresbericht und die Jahresrechnung (die mit einem negativen Ergebnis in Höhe von 90.335 Franken abschloss) einstimmig. Die Jahresrechnung wurde in allen Teilen nach Swiss GAAP FER 21, einer Rechnungslegung speziell für gemeinnützige Nonprofit-Organisationen, erstellt. Die SB möchte mit dieser detaillierten Jahresrechnung nun den Ehrenkodex der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA beantragen. Reto Mayer, Präsident der SB, informierte über die Strategie der SB und stellte das neue Leitbild vor. Ziel der neuen Strategie ist, dass die SB näher zu den Zielgruppen gelangt und sichtbarer wird. Dies soll mit einer Buchhandlung an zentraler Lage in Biel realisiert werden. Deshalb ist nun mit der Suche nach neuen Räumlichkeiten begonnen worden.

Drei neue Kollektivmitglieder

Die Mitglieder nahmen die drei Anträge auf Mitgliedschaft in der SB einstimmig an. Neu gehören die Russisch-Orthodoxe Auferstehungskirche Zürich, das Bibel und Orient Museum in Freiburg und die Herrnhuter Brüdergemeine in der Schweiz zu den Kollektivmitgliedern der SB. Margun Welskopf wurde als Vorstandsmitglied verabschiedet. Sie hatte während zwölf Jahren engagiert im Vorstand mitgearbeitet, in den letzten Jahren als Vertreterin der reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn. Neu in den Vorstand gewählt wurde Regula Tanner als Vertreterin der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Zürich. Sie studierte Theologie und Judaistik in Basel, Zürich und Jerusalem. Sie ist Fachmitarbeiterin bei „Werkstatt – Theologie – Bildung“ wtb und bei der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Zürich.

Bibelübersetzung nach dem Byzantinischen Text

Das Nachmittagsprogramm bot Referate und Diskussionen rund um die Orthodoxe Kirche. Karl Klimmeck, stellvertretender Geschäftsführer der SB, stellte das Bibelübersetzungsprojekt der SB „Byzantinischer Text Deutsch BTD“ vor. Nächstes Jahr soll das Evangeliar erscheinen. Klimmeck erklärte die Differenzen zu den Standardübersetzungen: Die wichtigste ist, dass von unterschiedlichen Ausgangstexten übersetzt wird. Der BTD geht vom Mehrheitstext, dem Byzantinischen Text, aus. Die Einheitsübersetzung und die Lutherübersetzung gehen vom Kritischen Text, Nestlé-Aland, aus. Der Text von Nestlé-Aland war nie in einer Kirche lebendig im Gegensatz zum Byzantinischen Text. Ein Beispiel ist auch das verschiedene Wortverständnis: Das griechische Wort „psychä“ beispielsweise wird im BTD mit Seele übersetzt und nicht mit Leben (Matthäus 6,25).

300 Millionen Orthodoxe weltweit

Vr. Stanko Marković ist Bischofsvikar der Serbisch-Orthodoxen Diözese und Pfarrer in der Serbisch-Orthodoxen Kirche in Belp, Bern. Er gab einen kurzen Überblick über die Orthodoxe Kirche allgemein und einen Einblick in das Leben einer Orthodoxen Gemeinde. Die Orthodoxen Kirchen bilden mit ca. 300 Millionen Angehörigen die drittgrösste christliche Gemeinschaft der Welt. Es sind ökumenische Kirchen, die von der Liturgie her Ähnlichkeiten mit der Römisch-Katholischen Kirche haben. Aufgrund der Ablehnung des Papstamtes, der Synodalität und Konziliarität sind sie näher bei der Reformierten Kirche. Die Serbisch-Orthodoxe Kirche in der Schweiz zählt ca. 100.000 Gläubige. Zu ihren Aufgaben gehören die Führung der Gottesdienste und Sakramente, die Pflege der kirchlichen Traditionen, Religionsunterricht und Sozialarbeit. Die persönliche Frömmigkeit wird gelebt durch Ikonenverehrung, Kerzenanzünden, Fasten, Gebete und die Bibellesung.

Den „interchristlichen Dialog“ fördern

Noël Ruffieux, orthodoxer Laie des Patriarchats Konstantinopel, hielt sein Referat zum Thema „Die orthodoxe Kirche und der ökumenische Dialog: Die Einheit in der Kirche und die Einheit mit den anderen Kirchen“. Ruffieux ging darauf ein, dass jedes Wachstum in der Einheit in einer Kirche zur Einheit in der Kirche von Christus beiträgt. Von der Verwaltung her sind die 14 orthodoxen Kirchen, wie beispielsweise die Serbisch-Orthodoxe Kirche oder die Russisch-Orthodoxe Kirche, selbstständig und voneinander unabhängig. Was diese Kirchen aber eint, ist das Wesentliche des Glaubens wie die Anerkennung der Heiligen Schrift und die Tradition der Kirchen. Ruffieux sagte, dass er das Wort Ökumene nicht gerne verwendet, wenn es zum Beispiel als eine diplomatische Haltung verstanden wird, die ärgerliche Themen ausschliesst. Aber Ruffieux glaubt an den „interchristlichen Dialog“. Das Ziel dieses interchristlichen Dialogs sei die Wiederherstellung der Einheit im wahren Glauben und in der Liebe. Der Dialog muss aber auch von Taten des gegenseitigen Verstehens und der Liebe begleitet sein als Zeugnis gegenüber der Welt.

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser sieben Tage kommentiert werden.