11. Juni 2019

12. Juni: Internationaler Tag gegen Kinderarbeit

Kinder werden zu Arbeit und Prostitution gezwungen

Symbolbild: Iva Balk/Pixabay
Symbolbild: Iva Balk/Pixabay

Der Internationale Tag gegen Kinderarbeit erinnert jedes Jahr am 12. Juni daran, dass Kinder in geringerer Zahl in der Schweiz, weltweit jedoch zu Millionen in die Fänge von Kinderhändlern geraten. Langsam nehmen Medien und Politik wahr, was zum Beispiel sogenannte Loverboys auch in der Schweiz vor allem Teenagermädchen antun. „Leider haben wir bereits 26 Meldungen von betroffenen Personen bekommen. Die meisten sind minderjährige Schweizermädchen, ab zwölf Jahre, wir sprechen hier klar von Kinder- und Menschenhandel“, erklärt Irene Hirzel von der nationalen Meldestelle gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung ACT212 in einem Livenet-Interview zum Thema Loverboys. Die Meldestelle wurde im Oktober 2015 eröffnet. „Die 26 Meldungen, die wir bekommen haben, sind erst die Spitze des Eisbergs.“ Loverboys sind junge Männer, die Mädchen eine Liebesbeziehung vorgaukeln und sie dann heimlich zur Prostitution zwingen. Meist entdecken die Eltern dies erst nach einiger Zeit. Das Bundesamt für Polizei hatte bereits 2011 auf dieses Phänomen aufmerksam gemacht.

Die Rolle der Medien

Irene Hirzel beschäftigte sich kürzlich mit einem Loverboy-Fall, der im Mai von verschiedenen Medien aufgenommen wurde. „Ich habe mit der betroffen Mutter, die bei uns eine Meldung gemacht hat, gesprochen und das hat mich bewegt.“ Die Eltern seien selber traumatisiert, weil sie sich von Behörden und Fachstellen nicht ernstgenommen fühlen. „Der einzige Weg etwas zu bewirken war für sie die Geschichte ihrer Tochter öffentlich zu machen.“ Zu anschliessenden Rolle der Medien meint Irene Hirzel dann kritisch: „Leider hat mich die unsensible Berichterstattung enttäuscht, viel zu viele Details wurden preisgegeben, die das Mädchen und die Eltern gefährden könnte.“

Die Schweiz hat sich im Jahr 2000 in einem internationalen Übereinkommen verpflichtet, „wirksame Massnahmen zu treffen, um sicherzustellen, dass die schlimmsten Formen der Kinderarbeit vordringlich verboten und beseitigt werden“. Dazu gehören „das Heranziehen, Vermitteln oder Anbieten eines Kindes zur Prostitution, zur Herstellung von Pornographie oder zu pornographischen Darbietungen“.