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Betroffene in der Schweiz erhalten Hilfe
07. März 2019

Hilfe für Opfer von Zwangsheiraten

Sabatina James: Den Opfern von Verfolgung, Gewalt und Zwangsheiraten helfen.  Foto: idea/rh
Sabatina James: Den Opfern von Verfolgung, Gewalt und Zwangsheiraten helfen. Foto: idea/rh

(idea/rh) - Im Jahr 2017 wurden über hundert Kinder in der Schweiz zwangsverheiratet; 43 von ihnen waren unter 16 Jahre alt. Neben dieser von der Fachstelle "Zwangsheirat" gemeldeten Zahl muss mit einer hohen Dunkelziffer gerechnet werden. Die meisten betroffenen jungen Frauen stammen aus dem islamischen Kontext. Nach Schweizer Gesetz darf eine religiöse Hochzeit erst nach der Ziviltrauung und damit frühestens im Alter von 18 Jahren vollzogen werden.

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Auch Sabatina James, eine österreichisch-pakistanische Menschenrechtsaktivistin, sollte als Minderjährige mit einem unbekannten Cousin in Pakistan zwangsverheiratet werden. Sie konnte fliehen und konvertierte trotz Todesdrohung zum christlichen Glauben. Heute hilft sie mit ihrem Verein Sabatina in der Schweiz und in Deutschland muslimischen Frauen, die von Gewalt und Unterdrückung bedroht sind.

2016 Sabatina-Schweiz gegründet

Vor zwei Jahren wurde der Schweizer Zweig dieses Vereins gegründet. Neben der Aufklärung über die Situation mit Informationsmaterial und Vorträgen betreibt der Verein ein Beratungstelefon für Gefährdete, gewährt Opfern die Unterbringung an einem sicheren Ort. Er bietet Begleitung und Rechtsberatung an und unterstützt in Pakistan einen Zufluchtsort. "Mary's Refuge", so heisst das Projekt, bietet Mädchen aus besonders armen und benachteiligten christlichen Familien eine sichere, familienähnlich organisierte Unterkunft; auch der Schulbesuch wird ihnen ermöglicht. Da diese Mädchen oft in - auch sexuell - ausbeuterischen Haushälterinnenjobs gelitten haben, helfen ihnen erfahrene Therapeutinnen bei der Traumabewältigung. Im Jahr 2018 konnte mit Unterstützung aus Deutschland und der Schweiz 15 Mädchen geholfen werden. Im vergangenen Jahr erhielt Sabatina-Schweiz rund 115 000 Franken an Spendengeldern.

Wer für den Schweizer Opferhilfeverein arbeitet, bleibt anonym. "Wir haben keine Angst, trotzdem sind wir vorsichtig", erklärt ein Vorstandsmitglied gegenüber idea. Sie hätten auch schon ein Paket mit einer CD, bespielt mit islamischen Texten, von einem unbekannten Absender zugeschickt bekommen. Die Gründerin des Vereins, Sabatina James, lebt seit Jahren im Untergrund. In den vergangenen Monaten half Sabatina-Schweiz Frauen mit Kindern, die in ihrem Einreiseland im Asylverfahren waren, dann aber aufgrund von Gewalt und aus Angst in die Schweiz flüchteten, im Ausland eine sichere Bleibe zu finden. Einigen weiteren konnte beratend und praktisch geholfen werden.

Notwendigkeit nimmt weiter zu

Beim Verein ist man überzeugt, dass die Probleme durch Gewaltanwendung im Namen der Ehre oder durch Zwangsheirat hierzulande zunehmen werden. Deshalb will man die Öffentlichkeitsarbeit ausbauen, die Notruf-Nummer bekannter machen und sich mit ähnliche Ziele verfolgenden Stellen vernetzen. Bis Mitte März soll die neue Webseite aufgeschaltet sein. All diese Aktionen dienen dem Ziel, vermehrt bedrohten Menschen in der Schweiz, die unter Gewalt im Namen von Ehre und Religion leiden, zu helfen. 

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