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EU-Gerichtshof
30. Oktober 2018

Mohammed darf nicht pädophil genannt werden

Die Journalistin und ehemalige Muslima Sabatina James kritisierte das Urteil auf Facebook. Foto: Sabatina e. V.
Die Journalistin und ehemalige Muslima Sabatina James kritisierte das Urteil auf Facebook. Foto: Sabatina e. V.

Straßburg (idea) – Der islamische Prophet Mohammed darf nicht pädophil genannt werden. Das hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) im französischen Straßburg entschieden. Mit seiner Entscheidung bekräftigte er ein Urteil des Oberlandesgerichtes in Wien aus dem Jahr 2011. Es hatte in dieser Aussage eine Herabwürdigung religiöser Lehren gesehen und eine Österreicherin zu einer Geldstrafe von 480 Euro verurteilt, weil sie 2009 in zwei Vorträgen zum Thema „Grundlage des Islam“ sagte, Mohammed „mochte es, es mit Kindern zu machen“ und „Ein 56-Jähriger und eine 6-Jährige? ... Wie nennen wir das, wenn es nicht Pädophilie ist?“. Unter Berufung auf ihr Recht auf Meinungsäußerung (Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention) zog die Wienerin vor den Europäischen Gerichtshof. Dieser stellte nun fest, „dass die österreichischen Gerichte sorgfältig das Recht der Antragstellerin auf freie Meinungsäußerung gegen das Recht anderer auf Schutz ihrer religiösen Gefühle abgewogen“ hätten. Die Frau habe ihre Zuhörerschaft nicht neutral über die historischen Tatsachen aufgeklärt und es so dargestellt, als wäre die Pädophilie eine grundsätzliche sexuelle Vorliebe Mohammeds, was nicht zu einer objektiven Debatte habe führen können. Das Recht auf Meinungsäußerung ende dort, wo Kritik zu religiöser Intoleranz verleiten könnte.

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Islamwissenschaftler: Urteil ist zweischneidig

Der Politologe und Islamwissenschaftler Ralph Ghadban (Berlin) hält dieses Urteil für zweischneidig. Auf Nachfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte er, dass es aus historischer Sicht falsch sei, Mohammed pädophil zu nennen. Die Heirat junger Mädchen sei zwar aus heutiger Sicht verwerflich, aber im 6. und 7. Jahrhundert zu Lebzeiten des Religionsstifters gängige Praxis gewesen. Das Problem sei, dass das Urteil die unter manchen Muslimen immer noch existierende Vorstellung eines Eheverständnisses aus archaischer Zeit als rechtens bestätige. So sei es auch heute noch im Iran üblich, Mädchen mit neun Jahren zu verheiraten. In Saudi-Arabien gebe es zwar eine Bewegung, die das Mindestheiratsalter auf 16 Jahre hochsetzen wolle, es sei jedoch noch nicht Gesetz: „Im Islam hat es bislang keine Anpassung seiner Traditionen an die Werte und das Moralverständnis der heutigen Zeit gegeben.“

Sabatina James: „Wir werden von Barbaren regiert“

Die Journalistin und ehemalige Muslima Sabatina James kritisierte das Urteil auf Facebook: „Wer immer noch Zweifel daran hegt, dass der Westen kapituliert hat, sollte sich den Entscheid des Europäischen Gerichtshofs zu Gemüte ziehen.“ Wenn man heute in Europa die Heirat eines 50-Jährigen mit einer 6-Jährigen nicht mehr kritisieren dürfe, müsse man ernsthaft feststellen: „Die westliche Zivilisation ist an ihrem Ende angelangt. Wir werden von Barbaren regiert“, so James. Sie wuchs in Pakistan auf und kam als Zehnjährige nach Österreich. Ihr Vater wollte sie mit einem muslimischen Cousin verheiraten, der sie wiederholt sexuell missbrauchte. Sie tauchte unter und entschied sich mit 18 Jahren, zum christlichen Glauben überzutreten. Daraufhin wurde sie von ihrer eigenen Familie mit dem Tod bedroht. Seit 2004 lebt sie in einem Opferschutzprogramm der Polizei. Die Publizistin gründete 2006 das Hilfswerk „Sabatina“, das zwangsverheirateten und unterdrückten muslimischen Frauen beisteht. Sie setzt sich aufgrund ihrer persönlichen Geschichte gegen Ehen zwischen minderjährigen Mädchen und erwachsenen Männern ein.

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