Sonntag • 19. Mai
Ostermorgen
21. April 2019

Entsetzen nach Anschlägen auf Kirchen auf Sri Lanka

Zahlreiche Tote und Verletzte forderten Anschläge wie auf die St. Anthony Kirche in Colombo. Foto: picture-alliance/AA
Zahlreiche Tote und Verletzte forderten Anschläge wie auf die St. Anthony Kirche in Colombo. Foto: picture-alliance/AA

Colombo/Sri Lanka (idea) – Nach den tödlichen Anschlägen auf mehrere Kirchen und Hotels auf Sri Lanka haben Politiker und Kirchenvertreter ihre Anteilnahme ausgedrückt. Nach Angaben der Polizei des südasiatischen Inselstaats haben Attentäter am Ostermorgen bei acht Bombenanschlägen auf Kirchen und Hotels über 180 Menschen getötet und mindestens 400 weitere Personen verletzt. Zwischen 8.30 Uhr und 9 Uhr Ortszeit explodierten demnach zunächst während der Ostergottesdienste Sprengsätze in den katholischen Kirchen St. Antonius in der Hauptstadt Colombo und St. Sebastian in der etwa 20 Kilometer entfernten Stadt Negombo. Kurz nach diesen Explosionen gab es weitere Anschläge in drei Luxushotels in der Hauptstadt sowie in der Zionskirche in der Stadt Batticaloa an der Ostküste des Inselstaats. Etwas später kam es zu einem siebten Anschlag auf ein Hotel sowie einer achten Explosion in einer Wohngegend in Colombo. Nach Angaben der Behörden waren mindestens 35 Ausländer unter den Opfern.

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Verteidigungsminister: Täter sind identifiziert

Der Premierminister von Sri Lanka, Ranil Wickremesinghe, verurteilte auf dem Kurznachrichtendienst Twitter die „feigen Attacken“ und rief die rund 21 Millionen Einwohner des Inselstaates dazu auf, „vereint und stark“ zu bleiben. Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene sagte bei einer Pressekonferenz am Sonntag, dass die Schuldigen identifiziert worden seien. Er sprach von einem „terroristischen Vorfall“ und von „extremistischen Gruppen“, ohne sie näher zu benennen. Der Polizeichef von Sri Lanka, Pujuth Jayasundara, hatte nach Angaben der Agentur AFP zehn Tage zuvor davor gewarnt, dass Selbstmordattentäter Anschläge auf „prominente Kirchen“ planten. Ein ausländischer Geheimdienst habe berichtet, dass die radikale muslimische Gruppe „NTJ“ (National Tawhid Jama‘ath, etwa: „Nationale Versammlung des Einen“) Anschläge in Colombo vorhabe. Medienberichten zufolge waren Selbstmordattentäter an den Anschlägen beteiligt. Das Auswärtige Amt teilte mit, dass noch geprüft werde, ob unter den Opfern auch Deutsche sind. In anderen Kirchen in Colombo beendeten Christen ihre Ostergottesdienste nach den Attacken oder sagten sie ab.

Bedford-Strohm: Die Kraft von Ostern ist stärker

Der EKD-Ratsvorsitzende und bayerische Landesbischof, Heinrich Bedford-Strohm (München), äußerte auf Facebook seine Anteilnahme. Er denke an „die Menschen in Sri Lanka, die weinen, wie Maria am Grab Jesu“. Er denke an die Menschen, die Tränen der Verzweiflung vergießen. „Die Kraft von Ostern wird das nicht zerstören. Denn wer die Auferstehung Jesu Christi feiert, weiß um die Abgründe des Leidens.“ Ostern gehe durch den Karfreitag hindurch. „Auch die schlimmste Gewalt wird uns nicht dazu bringen, vor dem Hass zu kapitulieren. Gerade jetzt gilt: Christus ist auferstanden und nimmt alle Opfer von Hass und Gewalt mit ins neue Leben.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schrieb an den Präsidenten Sri Lankas, Maithripala Sirisena, dass sie über die Anschläge entsetzt sei: „Es ist schockierend, dass Menschen, die sich versammelt hatten, um gemeinsam das Osterfest zu begehen, ein bewusstes Ziel dieser hinterhältigen Angriffe waren. In dieser schweren Stunde trauern wir mit den Hinterbliebenen und beten für die schnelle Genesung der Verletzten.“ Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) schrieb, er sei „fassungslos“ über die Anschläge: „Am Osterfest so viel Hass zu erleben schmerzt. Ostern ist ein Fest der Liebe, das uns lehrt: Hass unsererseits kann nie die Lösung sein.“

Christen als „Bürger zweiter Klasse“

Das Hilfswerk für verfolgte Christen „Open Doors“ teilte der Evangelischen Nachrichtenagentur idea mit, dass Sprengstoff in weiteren Kirchen und Hotels gefunden worden sei. Das habe ein Mitarbeiter der Organisation in der Region erfahren, eine Prüfung dazu dauere noch an. „Dies ist eine sehr herzzerreißende Zeit für die Christen in diesem Land“, so der Mitarbeiter. „Wir wissen noch nicht, wer es getan hat oder warum.“ Die Zionskirche sei eine der größten Kirchen in Batticaloa. „Bitte betet für die Opfer und für die Familien der Opfer der Bombenanschläge in Sri Lanka. Betet auch, dass Gott den Familien Trost schenken möge, die so herzzerreißende Verluste erleiden mussten!“ Nach Angaben eines Sprechers von Open Doors sind etwa zwei Millionen der 21 Millionen Inselbewohner Christen, sie werden als Bürger zweiter Klasse behandelt. Von allen Angehörigen der Ethnie der Singhalesen werde erwartet, dass sie Buddhisten sind. „Wer sich vom Buddhismus oder Hinduismus abwendet und Jesus Christus nachfolgt, muss mit Angriffen seitens der Familie und dem sozialen Umfeld rechnen, denn Glaubenswechsel gilt als Verrat“, so der Sprecher. Rund 70 Prozent der Bevölkerung Sri Lankas sind Buddhisten, 13 Prozent sind Hindus, zehn Prozent Muslime und etwa sieben Prozent mehrheitlich katholische Christen.

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