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Eingeschränkte Religionsfreiheit in Italien
01. November 2019

Demonstration nach Freikirchenschliessung in Mailand

Protest vor der
Protest vor der "Punto Luce"-Gemeinde in Mailand. Bild: Evangelical Focus/Damaris Marletta

Mailand (Livenet/idea) - Am 26. Oktober demonstrierten in Mailand rund 200 Personen, weil Behörden eine Freikirche geschlossen hatten. Am 26. Juni 2019 hatte die Gemeinde „Punto Luce“ (Ort des Lichts) eine Anweisung von der Gemeindebehörde von San Giuliano Milanese (Mailand) erhalten, die ihnen Versammlungen in dem Gebäude, das sie bisher gemietet hatten, verbot. Seitdem haben die rund 60 Mitglieder der Gemeinde keinen Versammlungsort mehr. Sie dürfen die Räume nicht mehr für „Gottesdienste, kulturelle Anlässe und als soziales Zentrum“ nutzen.
Nachdem sich die Gemeinde mehrere Jahre in den Räumen getroffen hatte, hatten die lokalen Behörden im Dezember 2018 das Gebäude von aussen besichtigt und beschlossen, dass die Gemeinde keine Bewilligung vor ihren Treffen eingeholt habe. Die Gemeinde gehört der Unione delle Chiese Bibliche Cristiane (UCBC) an, dessen Präsident der pensionierte VFMG-Missionar Paul Minder ist. Ausserdem ist sie Mitglied der Italienischen Evangelischen Allianz (AIE).

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„Gottesdienstfreiheit für alle“

Als Reaktion auf die Schliessung organisierten die Punto Luce-Gemeinde und die AIE am 26. Oktober eine friedliche Demonstration von den Gemeinderäumen zur Stadthalle von San Giuliano Milanese und verlangten „Gottesdienstfreiheit für alle“. Der Pastor der Gemeinde, Michael Schaafsma, erklärte zu Anfang die Gründe, die die Behörden zur Schliessung der Gemeinderäume bewogen hatten. Dann erinnerte der Präsident der AIE, Giacomo Ciccone, an die Rolle und die Präsenz der Evangelikalen bei der Vereinigung des Landes und in der Zeit des Faschismus; er kritisierte ebenfalls das ungelöste Problem der Anerkennung von Pastoren von Freikirchen und das Fehlen eines Gesetzes über die Religionsfreiheit.

Meldung an die UNO

Die Schliessung der Kirche wurde auch anlässlich der „weltweiten periodischen Überprüfung“ (UPR) am 30. September 2019 vor die UNO gebracht. Dieser Prozess verpflichtet jedes UN-Mitglied, alle vier Jahre den Status der Menschenrechte in seinem Land zu untersuchen.
Wissam al-Saliby (Anwalt der Weltweiten Ev. Allianz WEA), Damaris Marletta (Anwältin der AEI), Michael Mutzner (permanenter Vertreter der WEA bei den Vereinten Nationen), Marje Davidsdochter (Verteidiger der Menschenrechte, WEA) und Pastor Schaafsma erklärten dort, dass die Religionsfreiheit in Italien bedroht sei und die Punto Luce-Gemeinde ernsthaften Schaden erlitten habe.
AEI-Präsident Ciccone erwähnte auch die überwältigende Präsenz der katholischen Kirche im öffentlichen Dienst, die zu einer deutlichen Ungleichheit der Behandlung von Seiten der Mehrheitsreligion führe. Fabrizio Petri schliesslich, Präsident des denominationsübergreifenden Komitees für Menschenrechte in Italien, machte sich zu einem Gespräch in Rom verfügbar, um die angesprochenen Themen besser zu untersuchen.
(Quelle: Evangelical Focus / Italienische Ev. Allianz / Livenet, ergänzt von idea/dg)