Sonntag • 19. Mai
Störungen
09. Mai 2019

Aktivisten verhindern Veranstaltung von Christen in Göttingen

Der Gynäkologe Michael Kiworr. Foto: Privat
Der Gynäkologe Michael Kiworr. Foto: Privat

Göttingen (idea) – Aktivisten haben einen geplanten Vortrag des Gynäkologen Michael Kiworr (Mannheim) am 8. Mai in Göttingen durch massive Störungen verhindert. Kiworr, der Mitglied der Organisation „Ärzte für das Leben“ ist, sollte auf Einladung der christlichen Hochschulgruppe „Reformatio 21“ über das Thema „Ein Baby im Bauch – ein Recht auf Leben?“ sprechen. Wie ein Sprecher der Hochschulgruppe, Friedhelm Appel (Wienhausen bei Celle), der Evangelischen Nachrichtenagentur idea mitteilte, gab es bereits im Vorfeld Proteste gegen die Veranstaltung. Die Gruppe „Alternative Linke Liste Göttingen“ hatte die Universität aufgefordert, keinen Raum für den Vortrag zur Verfügung zu stellen. Die Linksaktivisten nannten die christliche Gruppe auf Facebook „sexistische Demagog*innen“, die „frauenfeindliche und rückständige Propaganda“ verbreiten wollten. Es gehe ihnen darum, Zuhörer „durch einseitige Argumentationen und Fehlinformationen mit einer rückständigen und tiefmisogynen [frauenfeindlichen, d. Red.] Ideologie zu indoktrinieren“. Eine derartige Veranstaltung habe in den Räumlichkeiten einer Universität nichts verloren.

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Aufruf zu Meinungsfreiheit an der Universität

Die Präsidentin der Göttinger Universität, Prof. Ulrike Beisiegel, lehnte eine Raumanfrage der christlichen Gruppe ab. Sie gehe davon aus, dass es bei der Veranstaltung „vornehmlich um persönliche Wertungen, Vorstellungen und Sichtweisen des Referenten“ gehe. Reformatio 21 schrieb daraufhin in einem offenen Brief, es sei problematisch, „wenn bestimmte Gruppen einer Universität auf dem einen oder anderen Auge blind sind und dann entsprechend ihrer Ideologieversessenheit Rundumschläge austeilen“. Eine Universität solle unvoreingenommen und offen sein. Reformatio 21 biete darüber hinaus Veranstaltungen zu vielen Themen an, etwa zu Flucht und Migration und zur Finanzwirtschaft. Referent Kiworr wandte sich ebenfalls mit einem offenen Brief an die Universitätspräsidentin. Er verwies darauf, dass „der Einsatz für einen besseren Lebensschutz noch nicht geborener Kinder Verfassungsauftrag ist und zukunftsgewandt“. Wer den Glauben an Jesus Christus und das Ernstnehmen des Gottesbezugs im Grundgesetz als „ideologisch “ darstelle, verkenne „die Grundlagen und Werte europäischer Kulturgeschichte“.

Telefonische Drohungen gegen muslimischen Wirt

Nach der Absage der Universität fand Reformatio 21 aufgrund des großen öffentlichen Drucks zunächst keinen Raum. Ein muslimischer Gastronom stellte schließlich seine Bar zur Verfügung. Der Ort wurde erst kurz vor Veranstaltungsbeginn bekanntgegeben. Etwa 80 Aktivisten hätten jedoch in und vor der Bar „blockiert, geschrien und randaliert“, so Appel. „Wir haben die Veranstaltung dann abgesagt, auch aus Rücksicht auf den Wirt.“ Der sei im Vorfeld mehrfach telefonisch bedroht worden. Ein Anrufer habe ihn gefragt, ob er „für oder gegen Abtreibung“ sei. Der Mann habe geantwortet, er sei dagegen. Daraufhin habe der Anrufer ihm gedroht, er werde „Schwierigkeiten“ bekommen. Auch bei vorigen Veranstaltungen von Reformatio 21 war es schon zu massiven Störungen gekommen. Mehrere linke Hochschulgruppen behinderten etwa den Vortrag des aramäischen Christen Abdul Memra im Dezember 2018.

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