Mittwoch • 19. September
Ägypten
05. September 2018

Muslime stecken Häuser von Kopten in Brand

In Ägypten bilden die schätzungsweise bis zu zehn Millionen orthodoxen Kopten die größte Kirche. Foto: pixabay.com
In Ägypten bilden die schätzungsweise bis zu zehn Millionen orthodoxen Kopten die größte Kirche. Foto: pixabay.com

Göttingen/Kairo (idea) – In Oberägypten soll eine Gruppe muslimischer Anwohner vier Häuser von koptischen Christen im Dorf Demshaw Hachem (Provinz al-Minya) geplündert und in Brand gesteckt haben. Dabei wurden zwei Kopten und ein Feuerwehrmann verletzt. Laut der Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen) vermuteten die Islamisten, dass die Kopten in den privaten Räumen Gottesdienste feierten. Der Angriff sei eine Folge der diskriminierenden Vorschriften zum Neubau von Kirchen, so der Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker, Ulrich Delius. In vielen Dörfern gebe es keine Kirchen. Deswegen träfen sich die Kopten in ihren Wohnungen. Das sähen Islamisten als Missbrauch der Religionsfreiheit an und gingen mit Gewalt gegen die Christen vor. Es habe zwar in dem konkreten Fall Festnahmen gegeben, sagte Delius. Er bezweifle aber, dass die Verhafteten tatsächlich vor Gericht zur Verantwortung gezogen werden. Meistens würden sie nach wenigen Tagen ohne Verfahren wieder freigelassen: „Die Kopten in Oberägypten sind verärgert und tief verunsichert über den mangelnden Schutz durch die Polizei.“

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Muslimischer Mob greift wiederholt Kirche an

Laut dem Nachrichtendienst World Watch Monitor griffen zudem Muslime zum vierten Mal in sieben Wochen eine Kirche im Dorf Ezbet Sultan Pasha (Provinz al-Minya) an. Der bislang letzte Zwischenfall habe sich am 24. August nach dem islamischen Abendgebet ereignet. Muslime sollen die Kirche mit Steinen beworfen, anschließend die Fassaden privater Häuser von Kopten beschädigt und dabei „Allahu Akbar“ (Gott ist größer) gerufen haben. Weiter hätten sie skandiert „Wir wollen keine Kirche in unserem Dorf“ und „Wir erlauben euch Unreinen nicht, in unserem Dorf zu beten“. Drei Personen seien inhaftiert, jedoch am nächsten Tag wieder freigelassen worden. Auslöser für die wiederholten Attacken sollen Gerüchte gewesen sein, die koptische Gemeinschaft habe einen Antrag auf eine offizielle Registrierung ihrer Kirche gestellt. In Ägypten bilden die schätzungsweise bis zu zehn Millionen orthodoxen Kopten die größte Kirche. Hinzu kommen etwa 300.000 Mitglieder der koptisch-evangelischen Kirche, 200.000 Katholiken, mehr als 100.000 Mitglieder von Pfingstgemeinden, Brüdergemeinden und anglikanischen Gemeinden sowie 40.000 Griechisch-Orthodoxe. Rund 90 Prozent der 94,8 Millionen Einwohner Ägyptens sind Muslime.

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