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Theologieprofessor
19. April 2017

Nehmt die Bibel als Ganzes wahr!

Der Professor für Evangelisation und Apologetik an der Evangelischen Hochschule Tabor in Marburg, Matthias Clausen, während seiner Bibelarbeit. Foto: SPRING/Nicolai Deutsch
Der Professor für Evangelisation und Apologetik an der Evangelischen Hochschule Tabor in Marburg, Matthias Clausen, während seiner Bibelarbeit. Foto: SPRING/Nicolai Deutsch

Willingen (idea) – Christen sollten die ganze Bibel vor Augen haben und nicht nur einzelne Bibelstellen, wenn sie in ihr nach Orientierung suchen. Diese Ansicht vertrat der Professor für Evangelisation und Apologetik an der Evangelischen Hochschule Tabor in Marburg, Matthias Clausen, am 19. April in einer Bibelarbeit beim GemeindeFerienFestival SPRING im nordhessischen Willingen. Gerade zu brisanten und umstrittenen Themen sollten Christen „alle Stimmen zur Kenntnis nehmen, die es in der Bibel gibt“. Dabei müsse man sich auch mit den schwierigen und herausfordernden Weisungen der Bibel auseinandersetzen. Als Beispiel nannte Clausen Jesu Verbot der Ehescheidung, etwa in der Bergpredigt (Matthäus 5,32). Auch wenn viele Menschen das als Zumutung empfänden, dürfe man es nicht ausblenden. „Das Wort Gottes ist manchmal fremdartig und anstrengend, aber immer verlässlich“, so Clausen. Oft erschließe sich die biblische Antwort auf eine Frage erst in der Zusammenschau verschiedener Schriftworte. So werde die Aufforderung des Paulus, Christen müssten der Obrigkeit untertan sein (Römer 13), durch Jesu Gebot ergänzt, „dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist, aber Gott zu geben, was Gottes ist“. Christen sollten gute Bürger sein, aber ihr Gewissen gehöre nicht dem Staat oder der Gesellschaft. Die Deutung des Tieres im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes (Kapitel 13), als Symbol für das Römische Reich zeige, dass die Obrigkeit in Ausnahmefällen eine dämonische Macht sein könne, gegen die Christen Widerstand leisten müssten. Der Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, Ansgar Hörsting (Witten) plädierte in der Bibelarbeit dafür, die Bibel sorgfältig zu lesen. Bei der Suche nach Orientierung in der Heiligen Schrift bestehe immer die Gefahr, eigene Meinungen und Vorstellungen „in die Bibel hineinzulesen“. Für das Vergleichen verschiedener Bibelübersetzungen warb die Pastorin Astrid Eichler (Dallgow-Döberitz/Brandenburg). Oft sei die Wortwahl der Übersetzer durch bestimmte kulturelle Vorstellungen geprägt.

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Über 3.400 Personen nehmen teil

Der Vorsitzende des Arbeitskreises SPRING, Hartmut Steeb (Stuttgart), ist überzeugt, dass das GemeindeFerienFestival ein echtes Alternativprogramm zur Zerklüftung und Zerstrittenheit in der christlichen Gemeinde ist. Bei der Eröffnungsfeier sagte Steeb – er ist im Hauptamt Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz: „Das Miteinander der Christen aus den verschiedenen ,Lagern’, Kirchenabteilungen, Konfessionen und Denominationen ist bei SPRING Programm.“ An dem Festival nehmen vom 17. bis 22. April über 3.400 Christen teil. Das Treffen steht unter dem Motto „SOLA.LA“. Dazu schrieb der Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Michael Diener (Kassel), in einem Grußwort: „Es geht um Reformation. Aber darum, dass wir nicht nur mal ,sola la’ wissen, was das mit uns und unserem Leben zu tun hat, sondern richtig fundiert und praxisnah.“ Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), wünschte den Teilnehmern in seinem schriftlichen Grußwort, dass sie sich neu anstecken lassen von der Kraft des Osterglaubens. Veranstalter von SPRING ist die Deutsche Evangelische Allianz. Das Festival ist eine Mischung aus Familienfreizeit, Evangelisation, Glaubensfest und Schulungskongress und findet zum 19. Mal statt. Über 500 Veranstaltungen stehen auf dem Programm.

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