Sonntag • 19. Mai
Philosophieprofessor Seubert
02. Mai 2019

Christlicher Glaube und Philosophie ein Gegensatz?

Der Philosophieprofessor und evangelische Theologe Harald Seubert. Foto: Privat
Der Philosophieprofessor und evangelische Theologe Harald Seubert. Foto: Privat

Basel/Stuttgart (idea) – Auf Kritik sind Äußerungen des Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Robert Habeck, zum christlichen Glauben gestoßen. Der Politiker hatte gegenüber „Bild am Sonntag“ auf die Frage „Glauben Sie an Gott?“ geantwortet: „Um zu glauben, im eigentlichen Sinn, habe ich wohl zu viele Philosophen gelesen. Ich bin auch nicht in einer Kirche. Aber die Mitleidsethik des Christentums ist wichtig für mich. Ich bin sozusagen ein weltlicher Christ.“ Der Philosophieprofessor und evangelische Theologe Harald Seubert (Nürnberg/Basel) nennt die von Habeck formulierte Entgegensetzung von Glaube und Philosophie „eine grobe Verkürzung“. Sie werde auch dadurch nicht richtiger, dass sie „allgemeiner Mainstream-Meinung nahekommt“, sagte Seubert der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Das philosophische Denken habe von Anfang an auch um die Gottesfrage gekreist. Dies reiche bis zu dem „Gottsucher und Antichristen“ Friedrich Nietzsche (1844–1900), Martin Heidegger (1889–1976) und Jürgen Habermas. Natürlich hätten sich Philosophen auch „(religions-)kritisch mit der Gottesfrage auseinandergesetzt und mit dem Glauben gerungen“. Doch Gott sei ihnen, so habe es der Philosoph Robert Spaemann (1927–2018) formuliert, „das unsterbliche Gerücht“ geblieben, an das der Glauben anschließen könne. Laut Seubert meinen nur „materialistische Ideologen“, Gott widerlegt zu haben. Das sei jedoch laut dem Philosophen Immanuel Kant (1724–1804) angesichts der „endlichen Vernunft“ nicht möglich. Seubert leitet den Fachbereich für Philosophie und Religionswissenschaft an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel.

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CDU-Vize Strobl: „Unglaubliche Arroganz“ von Habeck

Der stellvertretende CDU-Vorsitzende und baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (Stuttgart) widersprach Habeck ebenfalls. Zu dessen Aussage „Um zu glauben, im eigentlichen Sinn, habe ich wohl zu viele Philosophen gelesen“, sagte Strobl der Deutschen Presse-Agentur: „Menschen, die an Gott glauben, sind halt ein bisschen unbelesen. Ja, was ist denn das für eine unglaubliche, peinliche Arroganz?“ Mit so viel Arroganz und so wenig Substanz könne man sich in Deutschland nicht dauerhaft Respekt und Anerkennung erarbeiten. Er glaube nicht, so Strobl, dass der Personenkult um Habeck anhalte.

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