Montag • 16. September
Tierschutz
08. September 2019

Würde Jesus heute statt einen Esel einen E-Roller nutzen?

Traditionell reitet der Jesus-Darsteller bei den Passionsspielen auf einem Esel ein. Foto: picture-alliance/dpa
Traditionell reitet der Jesus-Darsteller bei den Passionsspielen auf einem Esel ein. Foto: picture-alliance/dpa

Oberammergau (idea) – Hunderttausende aus aller Welt besuchen alle zehn Jahre die Oberammergauer Passionsspiele. Die nächste Inszenierung der Leidensgeschichte Jesu Christi kommt vom 16. Mai bis 4. Oktober 2020 auf die Bühne. Schon jetzt gibt es eine skurrile Diskussion. Die Tierschutzorganisation Peta fordert, dass Jesus statt auf einem Esel mit einem E-Roller einziehen soll. Der Ritt eines erwachsenen Mannes auf einem Esel sei „nach heutigen Erkenntnissen tierschutzwidrig“. Die maximale Traglast werde überschritten. Nach Meinung von Peta würde Jesus heute nicht mehr auf einem Esel reiten: „Er würde sich vermutlich auf einem E-Roller oder mit einem anderen tier- und umweltfreundlichen Elektromobil fortbewegen.“ Der Jesus-Darsteller bei den Oberammergauer Passionsspielen, Frederik Mayet, hält den Umstieg auf einen E-Roller für schwer vorstellbar: „Man bewegt sich in Kostümen und einem Bühnenbild, wo sich die Zuschauer vorstellen können, dass es vielleicht so vor 2.000 Jahren ausgesehen hat. Da passt so ein Tretroller nicht wirklich gut rein.“

ANZEIGE

Jesus-Darsteller: Auf das Tierwohl wird geachtet

Mayet räumt zugleich ein, dass das Tierwohl ein wichtiges Gut sei:. „Es ist auch im Sinne Jesu, dass wir schauen, dass es den Menschen, der Umwelt und auch den Tieren gut geht. Und da schauen wir natürlich auch drauf bei den Passionsspielen.“ Die Esel stünden bei den Aufführungen auf der grünen Wiese neben dem Passionstheater. Mayet: „Wir wollen, dass es ihnen gut geht und sie auf der Bühne mit dabei sind.“ Die Strecke für die Esel zur Bühne sei nur 30 Meter lang. Die Organisation Peta verweist darauf, dass „gemäß den allgemein anerkannten Leitlinien der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V.“ die Belastung eines Esels keinesfalls mehr als 20 Prozent seines Eigengewichtes betragen darf. welt.de kommentierte die Forderung mit einem ironischen Unterton so: „Ob beim historischen Jesus ein Fall von Tierquälerei vorlag, könnte man freilich seriös nur beantworten, wenn man das genaue Gewicht des Messias wüsste. Nach seiner biblisch belegten Fastenkur in der Wüste wird er aber wohl eher ein dürres Hemd gewesen sein.“

Die Geschichte der Passionsspiele

Die Tradition der Oberammergauer Passionsspiele stammt aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648), als Tausende an der Pest starben. Als die Seuche auch unter den Einwohnern von Oberammergau grassierte, gelobten einige Bürger anno 1633, alle zehn Jahre Passionsspiele aufzuführen, wenn das Leiden ein rasches Ende nimmt. Der Überlieferung nach forderte die Pest ab diesem Zeitpunkt keine neuen Opfer. Die Mitwirkenden – über 2.300 – müssen entweder in Oberammergau geboren sein oder seit 20 Jahren im Ort leben. 2010 kamen zu den Passionsspielen über 500.000 Besucher aus aller Welt.

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser 48 Stunden kommentiert werden.

24 Kommentare
Kommentare sind ausgeblendet.
Zum Einblenden der Kommentare hier klicken.