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Pädagogin
14. Mai 2017

Wo bleibt die Wertschätzung für die Vollzeitmutter?

Viele Mütter erhalten keine Wertschätzung für Erziehungsleistung. Foto: pixabay.com
Viele Mütter erhalten keine Wertschätzung für Erziehungsleistung. Foto: pixabay.com

Frankfurt am Main (idea) – In Deutschland fehlt es an Wertschätzung für die Arbeit von Müttern. Das beklagt die Pädagogin und Autorin Bettina Hellebrand in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zum Muttertag (14. Mai). „Als Vollzeitmutter erhält man weder Geld noch Anerkennung für die Erziehungsleistung, die schließlich auch dazu beitragen kann, dass Kinder sich gut entwickeln.“ Für Kinder sei es gut, individuell erzogen zu werden und ein Zuhause zu haben, das ihnen Geborgenheit biete. Laut Hellebrand sind Mütter Führungkräfte mit viel Einfühlungsvermögen. Sie müssten „sehr flexibel sein und jede Menge Durchhaltevermögen haben, um in der Familie einen guten Job zu machen“. Doch anerkannt würden diese Leistungen nicht. Eine Mutter, die ins Berufsleben zurückkehren wolle, wenn die Kinder größer sind, könne nicht damit rechnen, dass ihr die Familienarbeit positiv angerechnet werde: „In Kursen für den beruflichen Wiedereinstieg wird sogar geraten, statt auf seine Erziehungsarbeit solle man lieber auf Ehrenämter in der Kirche oder im Sportverein hinweisen.“

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Mütter fühlen sich oft verraten und verkauft

Hellebrand – Mutter von drei Kindern – ist Mitherausgeberin des Buches „Die verkaufte Mutter“ (Verlag quell edition). Nach ihren Worten ist der Begriff „verkauft“ hier doppeldeutig gemeint. Zum einen fühlten sich Mütter, die eine Zeitlang aus dem Erwerbsleben aussteigen, am Ende oft verraten und verkauft: „Denn man verzichtet auf Einkünfte und Karrieremöglichkeiten und riskiert, im Falle einer Scheidung zum Sozialfall zu werden. Zum anderen stünden voll erwerbstätige Mütter in der Gefahr, „ihre Chance zu verkaufen, einmal in Ruhe Mutter sein zu dürfen, also eine wichtige Erfahrung nie machen zu können“. Nach Ansicht von Hellebrand haben Mütter in Deutschland keine Lobby. Die Lehrerin unterstützt deshalb den Vorschlag, dass Familien bei Wahlen für jedes Kind eine zusätzliche Stimme bekommen: „Das würde vielleicht etwas ändern. In diese Richtung sollte man weiterdenken.“

Mütter sind „Kulturschaffende“

Laut Hellebrand sollten Mütter, die sich in den ersten Jahren voll um ihr Kind kümmern, ein Betreuungsgeld erhalten, das mindestens so hoch sein sollte wie die Kosten für einen Krippen- oder Kindergartenplatz. Es gehe um die Wahlmöglichkeit: „Die hat man nur, wenn man sich keine Sorgen um seine Zukunft machen muss. Vielleicht würden sich manche Mütter dann auch zu mehr als einem oder zwei Kindern entscheiden.“ Zur Frage, ob Mütter also vom Staat wie Erzieherinnen bezahlt werden sollten, sagte Hellebrand: „Besser noch als ‚Kulturschaffende‘.“ Das Geld für die Finanzierung von Krippen und Kindergärten sei ja schließlich auch da: „Warum nicht für eine freischaffende Mutter?“

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