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Margot Käßmann
02. Juni 2019

Jesus wäre wohl bei Klimaschutz-Demos von Kindern

Die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann. Foto: picture-alliance/dpa
Die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann. Foto: picture-alliance/dpa

Berlin (idea) – Die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann (Berlin) kann sich „gut vorstellen“, dass Jesus Christus bei Demonstrationen von Kindern für den Klimaschutz mitgegangen wäre. Das schreibt sie in ihrer Kolumne für die „Bild am Sonntag“. Aus Jesu Worten – etwa in seinen Gleichnissen – spreche „eine große Achtsamkeit für die Schöpfung“. Christen glaubten, „dass uns die Erde als Gottes Schöpfung anvertraut ist. Umweltschutz ist also Christenpflicht.“ Käßmann zufolge muss man endlich ernst nehmen, „dass die Zerstörung unserer Erde voranschreitet“. Zwar kennten auch die „Fridays for Future-Kids“ Widersprüche, wenn sie in den Urlaub fliegen, trotzdem sei es gut, dass sie darauf pochten: „Klimaschutz jetzt!“ Niemand schaffe es, „absolut umweltgerecht“ zu leben. Aber man könne sich bemühen, beim Einkaufen und Reisen nachhaltiger zu sein. Von der Politik könne man erwarten, dass gehandelt werde. Käßmann befürwortet eine Kerosinsteuer. Zwar werde dadurch das Fliegen teurer, „aber das muss so sein“. Außerdem sei eine Tempolimit von 130 auf Autobahnen sinnvoll. Deshalb, so rät Käßmann den Parteien: „Traut euch, die Wählerinnen und Wähler wissen längst, dass Umweltschutz etwas kostet und Bequemlichkeiten infrage stellt.“

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Stefan Aust kritisiert Wirbel um Klimawandel

Der Herausgeber der Tageszeitung „Die Welt“, Stefan Aust (Hamburg), hält den Wirbel um den Klimawandel für völlig übertrieben. In der „Welt am Sonntag“ schreibt er: „Vor uns die Sintflut! Dürre in Deutschland! Der Tipping Point naht, dann geht die Welt unter! Die von Greta Thunberg geforderte Panik ist voll ausgebrochen, vor allem unter Deutschlands Politikern.“ Alle Parteien der linken Mitte hätten den Klimaschutz ins Zentrum der Probleme gestellt, aber nur die Grünen hätten bei der Europawahl davon profitiert: „Grün ist bekanntlich die Hoffnung, und die Hoffnung ist gepaart mit der Angst, am liebsten der vor der Apokalypse.“

Erderwärmung gab es schon zu Zeiten der Römer und der Wikinger

Angeblich seien zwischen 97 und 99,5 Prozent aller Wissenschaftler einig, dass die Klimakatastrophe menschengemacht sei. Aust: „Wer diese unumstößlichen Tatsachen der Computermodelle anzweifelt, ist ein Klimaleugner, entweder nur dumm oder in fragwürdiger politischer Gesellschaft. Wie die vergangenen Wärmeperioden zur Zeit des Römischen Reiches (um das Jahr null herum) und der Zeit der Besiedelung Grönlands durch die Wikinger (um das Jahr 1.000 herum) zustande gekommen sind, ohne dass es Kohlekraftwerke und Dieselautos gegeben hat, bleibt dabei eher unklar.“ Aust hält die Energiewende mit dem Ausstieg aus Kernenergie und Kohle und hin zu hochsubventionierter Windkraft und Solarenergie für „verlogen bis zum Geht-nicht-mehr“. Wenn in Deutschland der Strom knapp werde, kaufe man bei den weniger sauberen Nachbarn ein.

Greta Thunberg hat bei Deutschen den Status einer Heiligen

Die schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg hat laut Aust in Deutschland den Status einer Heiligen. Die Deutschen seien „ja ohnehin anfällig für humanitäre Schaunummern“: „Vom ‚Refugees welcome‘ des Septembers 2015 bis zum ‚Greta-Hype‘ des Frühjahrs 2019 zieht sich ein moralischer Bogen: die Deutschen als selbst ernanntes Vorbild für die Welt.“ Wenn der „Klima-Hype“ abgeklungen sei, werde sich ein anderes Thema finden, „mit dem man die Welt retten kann – oder wenigstens so tun als ob“.

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