Montag • 24. Juni
Pro und Kontra
04. Juni 2019

Herrscht in der Debatte um den Klimawandel Hysterie?

Die Auswirkungen unserer Lebensweise werden unterschiedlich interpretiert. Foto: pixabay.com
Die Auswirkungen unserer Lebensweise werden unterschiedlich interpretiert. Foto: pixabay.com

Wetzlar (idea) – Medien sprechen von einer drohenden Klimakatastrophe. Schüler gehen zu Hunderttausenden auf die Straße und demonstrieren für Maßnahmen gegen den Klimawandel. Immer mehr Menschen sorgen sich laut Umfragen wegen dieser Entwicklung. Ist die Debatte über den Klimawandel hysterisch? Darauf antworten zwei Wissenschaftler in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

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Pro: Das CO2-Dogma hat den Status einer Zivilreligion erlangt

Der Ingenieur und Unternehmer Prof. Wolfgang Leisenberg (Bad Nauheim) sieht eine Hysterie. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), unterstützt vom Weltklimarat, unterstelle in seinen Klimamodellen einen katastrophalen, menschengemachten Anstieg der Erdtemperatur aufgrund der CO2-Emmissionen. Aber die mittlere globale Erdtemperatur pendele seit Jahrtausenden um 15 Grad Celsius und verharre dort seit 1998 auch heute unverändert. Der Klimaforscher Hans von Storch habe 2013 erklärt: „Sollte die globale Erwärmung weitere fünf Jahre pausieren, steckt in den Modellen ein fundamentaler Fehler.“ Diese Pause sei eingetreten, so Leisenberg. Das ficht nach seinen Worten aber weder das PIK noch die Politik an: „Denn das CO2-Dogma hat mittlerweile den Status einer Zivilreligion erlangt, der im öffentlichen Raum niemand mehr zu widersprechen wagt.“ Dabei gehe es letztlich gar nicht um Klimarettung, wie einer der Direktoren des PIK, Prof. Ottmar Edenhofer, bekannt habe: „Wir verteilen durch die Klimapolitik das Weltvermögen um.“ Leisenberg – er lehrte an der Technischen Hochschule Mittelhessen Meß- und Regelungstechnik: „Das heißt für uns: Milliardentransfers, De-Industrialisierung und ökologisch korrekte Verarmung.“

Kontra: Die Ungeduld wächst, aber mit Hysterie hat das nichts zu tun

Die Gegenmeinung vertritt der Beauftragte des Rates der EKD für Umweltfragen, der Volkswirtschaftler Prof. Hans Diefenbacher (Heidelberg). Nach seinen Worten ist „einigen Menschen, auch Parteien, einfach zu viel vom Klimawandel die Rede. So versuchten sie in strategischer Absicht, jene als Hysteriker zu diffamieren, die die Gefahr des Klimawandels ernst nähmen und zu schnellem und entschiedenem Handeln aufriefen. Diefenbacher hält die Geschwindigkeit der etablierten Politik für zu träge. Mit dem derzeitigen Tempo würden die Klimaziele für 2020 voraussichtlich verfehlt. „Die Ungeduld wächst und damit die Schärfe der Diskussion.“ Mit Hysterie habe das aber nichts zu tun. Das Prinzip der Vorsorge gebiete es zu versuchen, ernsthaft und schnell gegen den Klimawandel zu arbeiten. „Denn die 99 Prozent der Wissenschaftler, die bei zu langsamen Handeln die Gefahr einer drastischen Erderwärmung mit unabsehbaren Folgen für gegeben halten, könnten ja recht haben“, so Diefenbacher.

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