Montag • 20. November
Festgottesdienst in Weinfelden
01. November 2017

Wie irdische Schätze zu himmlischen werden

Sie gestalteten den Gottesdienst: Sara Glättli, Gottfried Locher, Wilfried Bührer. Foto: zvg
Sie gestalteten den Gottesdienst: Sara Glättli, Gottfried Locher, Wilfried Bührer. Foto: zvg

Weinfelden (idea) - Am Reformationsanlass in Weinfelden herrschte grosses Interesse. Die Kirche in Weinfelden war mit 600 Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern voll besetzt. Grossratspräsidentin Heidi Grau und mehrere Kantonsräte kamen zum Festgottesdienst. Auch Parlamentarierinnen und Parlamentariern, die den Thurgau im National- und Ständerat vertreten, erwiesen der Landeskirche ihre Ehre. Und zur starken Präsenz des Thurgauer Regierungsrats mit drei Vertretern meinte der Thurgauer Kirchenratspräsident Wilfried Bührer augenzwinkernd: "Der Rat wäre sogar beschlussfähig, aber heute steht der Gottesdienst im Zentrum". Den Grossaufmarsch betrachtet Bührer als Wertschätzung für die Arbeit und für das gesellschaftliche Wirken der reformierten Kirche. Bührer stellte fest, dass die "Hammerschläge" an die Schlosskirchentüre von Wittenberg vom 31. Oktober 1517 auch im Thurgau damals eine intensive theologische Debatte ausgelöst hätten. SEK-Präsident Locher meinte denn auch, er habe noch nie vor einer beschlussfähigen Kantonsregierung gepredigt.

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Reformationskantate "Wach auf, wach auf"

Der Abendmahlsgottesdienst wurde festlich umrahmt mit einer Uraufführung. Der Musikpädagoge und Chorleiter Ruedi Keller aus Neukirch an der Thur hatte eigens für das Jubiläum das Reformationslied "Wach auf, wach auf, `s ist hohe Zeit" von Ambrosius Blarer neu arrangiert. Die Aufführung der neuen Kantate wurde geleitet von Dirigent Albert Hartkamp. Gesungen wurde sie vom Kirchenchor Neukirch an der Thur. Anschliessend an den Gottesdienst waren die Besucherinnen und Besucher zu einer Kürbissuppe und zu einem Glas Most auf dem Platz beim evangelischen Kirchgemeindehaus eingeladen.

Von irdischen und himmlischen Schätzen

Gottfried Locher predigte zu Matthäus 6, 19 bis 21, einem Bibeltext der vom Sammeln von irdischen und himmlischen Schätzen handelt und zu bedenken gibt, dass dort, wo der Schatz des Menschen ist, auch sein Herz ist. Mit seiner Radikalität meine der Evangelist Matthäus, dass es gelte, sein Herz nicht an irdische Schätze zu hängen. Es sei aber durchaus denkbar, die irdischen Schätze für gute Zwecke zu nutzen und so himmlische Schätze zu sammeln. Wer himmlische Schätze sammle, sei in gewissem Sinne "hochherzig". Locher gab auch gleich eine Anleitung dazu. Himmlische Schätze sammle, wer von seinem Besitz verschenke, wer sich selbst, anderen Menschen und Gott Zeit schenke und wer Liebe in Form von Aufmerksamkeit, Nächstenliebe und Sorgsamkeit verschenke. Die schwerste Form der Liebe sei dabei die Feindesliebe. Locher ermutigte die Festgemeinde, zu "Tätern" des Evangeliums zu werden: "Alltag und himmlisches Reich gehören zusammen. Der Umgang mit Ihrem Portemonnaie hat etwas mit dem Sammeln von himmlischen Schätzen zu tun."

Blick auf die bedrängte Kirche

Zum Abschluss seiner Predigt öffnete Locher den Blick für die weltweite Kirche. Er berichtete von seinem Besuch im Nahen Osten, wo in Syrien, in Irak und Aegypten christliche Kirchen und menschliche Gemeinschaften bedroht seien, die seit Jahrhunderten bestanden hätten. Bezogen auf die Zukunft der christlichen Kirchen in der Schweiz mahnte Locher, es nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, wenn die Gottesdienstgemeinde in den Kirchen zurückgehe. Die Situation in der Welt mache deutlich, dass es nicht selbstverständlich sei, wenn Christen ihren Glauben ohne Angst leben könnten.

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