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Liebenzeller Mission
09. September 2019

Wie „Fromme“ geistlich lebendig bleiben

Der Direktor der Liebenzeller Mission, Johannes Luithle. Foto: Privat
Der Direktor der Liebenzeller Mission, Johannes Luithle. Foto: Privat

Bad Liebenzell (idea) – Auch „Fromme“ haben es nötig, sich regelmäßig neu auf ihren Schöpfer auszurichten und ihr Verhältnis zu ihm zu klären. Das sagte der Direktor der Liebenzeller Mission, Johannes Luithle, auf dem Herbstmissionsfest seines Werkes vor etwa 3.700 Gästen am 8. September in Bad Liebenzell. Das 120-jährige Jubiläum der Liebenzeller Mission, das die Organisation am 13. November feiert, solle auch dazu genutzt werden, auf die Knie zu gehen, um zu beten. Geistlich lebendig könnten Christen nur bleiben, wenn der Geist Gottes sie antreibe. Über diesen Geist könne allerdings niemand verfügen, er müsse erbeten werden. Die Liebenzeller Mission werde nur dann eine Segensstätte bleiben, wenn ihre Glieder weiterhin „Gebetsarbeit“ verrichteten, wie ihr Gründer, Heinrich Coerper (1863–1936), es gefordert habe.

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Stellvertretender Rektor: Es gibt keine „Mission erster und zweiter Klasse“

Der Stellvertretende Rektor der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL), Prof. Jürgen Schuster, warnte davor, zwischen einer „Mission erster und zweiter Klasse“ unterscheiden zu wollen. Nicht nur das mündliche Bekenntnis zu Jesus Christus sei Teil der missionarischen Arbeit, sondern genauso die tätige Nächstenliebe. Mission müsse immer „ganzheitlich“ verstanden werden. Das bedeute, den Menschen von Jesus zu erzählen, aber immer auch, ihnen ganz praktisch zu helfen. Dabei stehe es einem Christen nicht zu, das abschließende Urteil über andere zu fällen.

Es gibt die „ewige Verlorenheit“

Der Dekan für Studium und Lehre an der IHL, Prof. Wilfried Sturm, äußerte sich zum Jenseits. Die Frohe Botschaft besage nicht, dass es keine „ewige Verlorenheit“ gebe, sondern dass „Gott in Jesus Christus alles getan hat, um uns vor dieser Möglichkeit“ zu bewahren. So sehr er die Wünsche vieler Christen, es möge eine Allversöhnung geben, verstehen könne, deute das biblische Zeugnis in eine andere Richtung. Jesus spreche ganz deutlich von einem doppelten Ausgang des Endgerichts. Die einen würden das ewige Leben erhalten, während die anderen verloren gingen. Dieser biblische Befund dürfe jedoch nicht dazu missbraucht werden, Menschen durch Drohungen dazu zu bringen, sich zu Jesus zu bekennen.

Giesekus: Sanftmut bedeutet nicht, schwach zu sein

Der Dozent für Psychologie und Seelsorge an der Internationalen Hochschule Liebenzell, Prof. Ulrich Giesekus, vertrat die Ansicht, dass Sanftmut in der Bibel nicht mit Schwäche gleichgesetzt werde. Im Gegenteil sei eine sanftmütige Person sowohl sozial kompetent als auch konfliktfähig. Als biblisches Beispiel könne hier Jesus Christus persönlich dienen. Er sei den Menschen stets mit Liebe begegnet und habe sie dennoch häufig mit deutlichen Worten kritisiert. Diese Kombination sei sehr wichtig für die Beziehungen in Ehe, Familie, Gemeinde oder am Arbeitsplatz. Nur dort, wo ernsthaft gestritten werde, könnten Menschen persönlich reifen. Wer sich nur mit Personen umgebe, die das eigene Verhalten bestätigten, werde sich dagegen nicht weiterentwickeln. Deshalb empfehle er die Pflege einer gesunden „Dissens-Konsens-Kultur“. Das Gegenteil davon sei hingegen eine „Jammer-Kultur“, die leider auch in vielen Gemeinden herrsche. Dort würden Konflikte nicht ausgetragen, sondern unterdrückt. Dann „jammerten“ die Mitglieder nur über die Zustände, anstatt konstruktiv miteinander zu streiten. So könne es kein geistliches Wachstum geben.

Missionarsehepaar: Eine evangelikale Gemeinde aufbauen

Die Eheleute Samuel und Anke Meier, die seit 2005 im Auftrag der Liebenzeller Mission in Sambia tätig sind, berichteten von ihren Plänen, eine neue Gemeinde in der Hauptstadt Lusaka zu gründen: Viele junge Leute studierten dort, hätten jedoch Probleme, eine Gemeinde zu finden. Das liege auch daran, dass vielfach in den Stammessprachen gepredigt werde, die die Jüngeren kaum mehr verstünden. Sie sprächen vorwiegend Englisch. Zwar bestünden in der Stadt mit drei Millionen Einwohnern bereits viele verschiedene Kirchen und Gemeinden, allerdings seien „die meisten davon Sekten oder Kirchen, bei denen es nur noch sehr wenig um Gottes Wort“ gehe. Die neue Gemeinde solle ein Ort werden, „der Menschen mit dem Evangelium erreicht“. Die Liebenzeller Mission arbeitet seit 1985 in Sambia, derzeit mit rund 30 Missionaren. Zu den Aufgaben in Sambia gehören die Schulung einheimischer Pastoren, Gemeindegründung, sozialmissionarische Arbeit für benachteiligte Kinder und Jugendliche sowie Bildungsprojekte.

Zwei leitende Mitarbeiter verabschiedet

Auf dem Missionsfest wurden der bisherige Verwaltungsdirektor Hansgerd Gengenbach und der Rektor der Interkulturellen Akademie der Liebenzeller Mission, Gustavo Victoria, verabschiedet. Gengenbach (65) tritt nach 37-jähriger Amtszeit am 1. März 2020 in den Ruhestand. Victoria (52) übernimmt als Inspektor die Leitung des Süddeutschen Gemeinschaftsverbandes. Außerdem wurden drei Missionarsehepaare ausgesandt. Die Liebenzeller Mission ist mit rund 230 Mitarbeitern in 23 Ländern eine der größten evangelischen Missionsorganisationen in Deutschland. Sie gehört zur Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM).

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