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Andrang für „Letzte-Hilfe-Kurse“ der reformierten Kirche
09. April 2019

Sterben als Gesellschaftsthema

Abraham Janssen (ca. 1573-1632),
Abraham Janssen (ca. 1573-1632), "Der ungläubige Thomas"

In der Passionszeit rückt das Leiden und Sterben von Jesus Christus wieder in den Vordergrund. Es ist eine gute Gelegenheit, das Tabuthema Sterben in die Öffentlichkeit zu bringen. Interessant ist, dass das Angebot von Letzte-Hilfe-Kursen der reformierten Kirche boomt.

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„Wer nicht stirbt, bevor er stirbt, der verdirbt, wenn er stirbt“, sagte schon Friedrich von Logau (1604-1655), der deutsche Dichter des Barocks.Waren die letzten Dinge bisher bei uns ein Tabuthema, so scheint die Auseinandersetzung mit dem Sterben vor dem Sterben ein neuer Trend zu sein. „Das Einmaleins des guten Sterbens“, titelte die „Sonntagszeitung“ einen Kommentar über die sogenannten Letzte-Hilfe-Kurse der reformierten Kirche. Dort lernen Angehörige, was sie für ihre Liebsten am Ende des Lebens tun können. Die „Sonntagszeitung“ fährt fort: „Wir sollten uns wieder mit dem Sterben vertraut machen (…) Bei Geburten ist es längst üblich, dass man sich in Vorbereitungskursen kundig macht, was auf einen zukommt, um sich sicherer zu fühlen, wenn es so weit ist. Weshalb sollte man beim Sterben darauf verzichten? Darum sind die Letzte-Hilfe-Kurse sinnvoll.“

Lange Wartelisten für Kurse

Die „Letzte Hilfe“ ist im Gegensatz zur Ersten Hilfe ein relativ neues Phänomen. Die Kurse werden in der ganzen Schweiz von der reformierten Landeskirche Zürich koordiniert. Es wird Grundwissen über das Sterben und die Begleitung von todkranken Angehörigen vermittelt. Das Angebot ist gratis; die Nachfrage nach den Kursen ist riesig: „Einen unglaublichen Andrang haben die Letzte-Hilfe-Kurse erlebt. Die Umsorge von und für Menschen am Lebensende ist offenbar ein brennendes Thema.“ Bisher fanden 32 Letzte-Hilfe-Kurse statt. Sie waren so schnell ausgebucht, dass es bereits Wartelisten für dieses Jahr gibt. Das Angebot wird sowohl von Menschen, die eng mit der Kirche verbundenen sind, als auch von Kirchendistanzierten besucht. Eva Niedermann, Fachmitarbeiterin Alter und Generationen der Reformierten Kirche Kanton Zürich, zieht daraus den Schluss: „Man traut uns als Kirche zu, dass wir zum Umgang mit dem letzten Lebensabschnitt etwas zu sagen haben.“

Leidenweg Christi in Kunstgalerie

Passend läuft im Kanton Baselland eine Ausstellung zum Thema Leiden Christi: „Ich möchte der Bevölkerung und vor allem auch jüngeren Menschen die Bedeutung von Ostern wieder mehr ins Bewusstsein rücken“, begründet der Galerist und Kunstmäzen Hermann Alexander Beyeler sein Engagement für die Ausstellung. Sie wird bis am 22. April in der Beyeler Collection in Pratteln BL am Gallenweg 19 zu sehen und täglich geöffnet sein. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung zeigt eindrücklich und in aller Deutlichkeit den Leidensweg und die Demütigungen, welche Jesus Christus erleiden musste. „Nur wenige Menschen sind sich in der heutigen Zeit bewusst, was das Osterfest mit der Kreuzigung von Jesus zu tun hat. Unsere Gesellschaft droht ihre Seele zu verlieren. Das Leiden Christi ist ein gemeinsames Menschenschicksal, das uns jenseits aller kulturellen, sprachlichen und sozialen Unterschiede verbindet“, sagt Beyeler. Und weiter: „Ich wünsche mir, dass diese Ausstellung viele Menschen zum Nachdenken bewegt“.
(Autor: Markus Baumgartner; Quelle: Dienstagsmail)

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