Dienstag • 27. Juni
ChristusBewegung Baden
15. Juni 2017

Rund 9.000 Besucher bei „Christustagen“

Die Christustage waren gut besucht, wie hier in Schwäbisch Gmünd. Foto: Volker Trautmann
Die Christustage waren gut besucht, wie hier in Schwäbisch Gmünd. Foto: Volker Trautmann

Stuttgart (idea) – Rund 9.000 evangelische Christen haben in Baden-Württemberg am katholischen Fronleichnamstag (15. Juni) an eigenen Glaubenstreffen teilgenommen. Unter dem Motto „Jesus sehen“ feierten sie an 15 Orten regionale Christustage, die von Bibelarbeiten und der Sorge um den Kurs der Landeskirchen geprägt waren. Veranstalter waren die württembergische „ChristusBewegung Lebendige Gemeinde“, die solche Treffen seit über 60 Jahren anbietet, und die ChristusBewegung Baden.

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ChristusBewegung Baden: Gewissenschutz für Pfarrer muss bleiben

Die ChristusBewegung Baden stellte in Karlsbad (bei Karlsruhe), Mannheim und Pforzheim-Eutingen ein „Wort zur Orientierung“ vor. Darin ruft sie die Leitung der Evangelischen Landeskirche in Baden auf, nicht an der Gewissensbindung der Pfarrer zu rütteln, die keine gleichgeschlechtlichen Partnerschaften trauen wollen. Die Landessynode hatte diese Möglichkeit im April 2016 beschlossen. Nach Ansicht der ChristusBewegung hat sie sich damit „gegen die Heilige Schrift gestellt“. Laut dem Vorsitzenden der ChristusBewegung Baden, Pfarrer Lothar Mößner (Kleinsteinbach bei Karlsruhe), soll es eine „Freiheit“ zur Ablehnung einer Trauung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften aus Gewissensgründen wohl auf Dauer nicht geben – „das ist zumindest der erklärte Wunsch der vordersten Kämpfer für die Homotrauung“ in der Synode. „Dass man mit einem solchen Schritt die Gemeindearbeit von bibeltreuen Christen in der Landeskirche weiter erschweren würde, wird wohl als ein verkraftbarer ‚Kollateralschaden’ verbucht“, erklärte Mößner in Mannheim. Da nach dem Synodalbeschluss selbst von Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh (Karlsruhe) „keinerlei Signale oder Gesten an uns ergingen, legt sich uns der Schluss nahe, dass wir als bibeltreue Christen nicht einmal mehr als Gesprächspartner von Interesse sind“. Der Theologe rief alle missionarischen Christen dazu auf, gemeinde- und institutionsübergreifend zusammenzuarbeiten – „egal ob in der Landeskirche, in Gemeinschaftskreisen, in freien oder katholischen Gemeinden“.

Kritik an Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold

In den württembergischen Konferenzorten wurde eine Erklärung der württembergischen ChristusBewegung „Lebendige Gemeinde“ verbreitet. Darin bezeichnet sie die Übernahme der Schirmherrschaft für den „Christopher Street Day“ in Stuttgart durch die dortige Prälatin Gabriele Arnold als „mit ihrem Amt nicht vereinbar“. Das Festival engagiert sich für „die Belange von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgender, intersexuellen und queeren Menschen“. Laut „Lebendiger Gemeinde“ ist die Veranstaltung „eine teilweise extrem sexualisierte Parade, die einem kirchlichen Sexualethos kaum entspricht“. Sie kritisiert ferner, dass Arnold sich gegenüber der Presse für die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften einsetzte. Die „Lebendige Gemeinde“ sieht keinen kirchlichen Auftrag für öffentliche Segnungsgottesdienste anderer Lebensformen als der Ehe von Mann und Frau. Deren Vorsitzender, Dekan Ralf Albrecht (Nagold), sagte in seiner Predigt in Bad Liebenzell, dass das Leben jedes Menschen grundlegend verändert werde, sobald es „zum persönlichen, lebendigen Kontakt zu Jesus Christus kommt“.

Kern: Kirche muss weitersagen, dass Jesus lebt

Nach Ansicht des Vorsitzenden des Evangelischen Gemeinschaftsverbandes Württemberg, „Die Apis“ (Altpietisten), Pfarrer Steffen Kern (Walddorfhäslach bei Reutlingen), ist die Auferstehung von Jesus Christus „ein geschichtlich bezeugtes Faktum“ und keine Falschnachricht. „Das allein ist unsere Hoffnung im Leben und im Sterben. Das müssen wir als Kirche zuerst und vor allem anderen sagen“, erklärte er in Blaufelden (bei Schwäbisch Hall). Nach Beobachtung des Rektors der Internationalen Hochschule Liebenzell, Prof. Volker Gäckle (Bad Liebenzell), haben viele Christen ganz bestimmte Vorstellungen und Erwartungen, wie Gottes Sohn handeln müsse. Dabei fragten sie sich häufig, warum er es nicht tue, sagte er in Herrenberg und Leinfelden: „Und während wir fragen, ist er mit uns auf dem Weg.“

Buchsteiner: Alles unternehmen, um Jesus zu begegnen

Nach Worten des Leiters des Fackelträger-Zentrums in Schladming (Österreich), Martin Buchsteiner, rechnen viele Menschen nicht mehr damit, dass Jesus Christus „unberechenbar und lebensverändernd“ handeln kann: „Es ist eine Sehnsucht, die uns in unserer Bequemlichkeit und in unserem Wohlstand oft fehlt.“ Die Leiterin der Württembergischen Bibelgesellschaft und des Stuttgarter Bibelmuseums „Bibliorama“, Pfarrerin Franziska Stocker-Schwarz, empfahl Begegnungen mit Christen anderer Sprache und Herkunft. Dadurch könne man lernen, „einerseits nahe am Kern des Glaubens zu bleiben und andererseits durch das Entdecken fremder christlicher Bräuche das Evangelium begeistert weiterzugeben“. Denn eine missionarische Volkskirche müsse mit den unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen kommunizieren können, so Stocker-Schwarz.

Hägele: Christen begegnen Menschen offen

Auch der Rektor des Tübinger Albrecht-Bengel-Hauses, Clemens Hägele (Mössingen bei Tübingen), rief in Reutlingen dazu auf, sich Mitmenschen offen und vorurteilsfrei zuzuwenden: „Seid nicht schweigsam zu den Fremden in unseren Gottesdiensten, egal ob sie Mitchristen sind oder nicht.“ Christen sollten keine Angst vor Muslimen haben, sondern ihren Glauben mutig bekennen. Gerade viele Flüchtlinge seien Suchende. Nach Ansicht des Tübinger Neutestamentlers Prof. Hans-Joachim Eckstein ist Jesus Christus der lebendige – aber oft unerkannte – Begleiter seiner Gemeinde. Der Theologe sprach in Karlsbad (bei Karlsruhe) und Reutlingen. Jesus Christus könne man erkennen, indem man die Gemeinschaft mit anderen Christen pflege, Predigten höre, in der Bibel lese und am Abendmahl teilnehme.

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