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Gemeinschaftsverband AB
06. Oktober 2019

Gemeinden mitverantwortlich für Schwund an Christen

Der Pastor der Freien Evangelischen Gemeinde Rapperswil (bei Zürrich), Reto Pelli. Foto: Evangelischer Gemeinschaftsverband AB
Der Pastor der Freien Evangelischen Gemeinde Rapperswil (bei Zürrich), Reto Pelli. Foto: Evangelischer Gemeinschaftsverband AB

Karlsbad (idea) – Christen sollen anderen Menschen die frohe Botschaft von Jesus Christus nicht vorenthalten. Das sagte der Pastor der Freien Evangelischen Gemeinde Rapperswil (bei Zürrich), Reto Pelli, auf dem Jahresfest des Evangelischen Gemeinschaftsverbandes AB (AB steht für das lutherische Augsburger Bekenntnis) am 3. Oktober in Karlsbad bei Karlsruhe. Der Verband feierte dort mit etwa 700 Gästen sein 170-jähriges Bestehen.

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Pelli beklagte, dass die Zahl der Christen im deutschsprachigen Europa immer weiter abnehme. Das liege jedoch nicht nur daran, dass es den Menschen so gut gehe und sie deshalb meinten, keinen Gott zu brauchen. Vielmehr seien die christlichen Gemeinden mitverantwortlich für diese Entwicklung. Viele Christen gäben sich damit zufrieden, zu Jesus zu gehören, und kümmerten sich nicht darum, ob andere Menschen auch von ihm erführen. Das widerspreche jedoch dem Willen Gottes, der laut Bibel die Errettung aller Menschen wünsche.

Deshalb empfahl der Pastor, zuerst in der eigenen Nachbarschaft nach denen zu suchen, die Hilfe benötigten. Er verwies in diesem Zusammenhang auf den Propheten Nehemia, der am Hof des persischen Königs ein Leben im Überfluss geführt habe und dennoch vom Leid der Juden in Jerusalem angerührt worden sei. Er habe ihnen schließlich dabei geholfen, die Stadtmauer Jerusalems wiederaufzubauen. So sollten sich auch die Christen heute vom Leid ihrer Mitmenschen berühren lassen.

Nicht die Verpackung vor den Inhalt stellen

Ein weiterer Grund für die distanzierte Haltung, die viele Menschen gegenüber dem christlichen Glauben einnähmen, liegt laut Pelli in der falschen „Verpackung“ der christlichen Botschaft. Diese Ansicht vertrat er bei einem Podiumsgespräch mit Gemeinschaftspastor Immanuel Grauer (Karlsruhe). Die „Verpackung“ dürfe aber nicht wichtiger als der Inhalt sein. Es sei irrelevant, auf welche Weise vom christlichen Glauben gesprochen werde. Wichtig sei einzig, ob Nichtchristen dadurch angesprochen würden.

Die Gegenwart stelle andere Herausforderungen an christliche Missionare als die Vergangenheit, weshalb es falsch wäre, mit den Methoden früherer Epochen das Evangelium weitergeben zu wollen. Er versuche deshalb, im Gottesdienst möglichst eine Sprache zu verwenden, die heutige Menschen verstehen, so Pelli.

Der Gemeinschaftsverband ist im Umbruch

Der Vorsitzende und Inspektor des Gemeinschaftsverbandes, Achim Kellenberger (Birkenfeld bei Pforzheim), berichtete, dass der Verband als freies Werk in der Evangelischen Landeskirche in Baden um sein Verhältnis zu ihr ringe. Die Entscheidung der Landessynode vom 23. April 2016, gleichgeschlechtlichen Partnerschaften die kirchliche Trauung zu gewähren, trage sein Verband nicht mit, so Kellenberger. Umso wichtiger sei nun, dass er weiterhin eine geistliche Heimat für jene Christen bleibe, die diese Haltung teilten. Wer deshalb aus der Landeskirche austrete, könne trotzdem Mitglied im Gemeinschaftsverband bleiben. Dieser befinde sich außerdem in einer Umbruchphase.

Der Evangelischen Nachrichtenagentur idea gegenüber erläuterte Kellenberger, dass die einzelnen Gemeinden und Gemeinschaften mehr Selbständigkeit erhalten sollen. Bisher müssten viele Entscheidungen auf Verbandsebene getroffen werden. Das sei für die Verbandsleitung langfristig eine zu große Belastung und hemme eigene Initiativen der Gemeinden vor Ort.

Der durch die badische Erweckungsbewegung um Pfarrer Aloys Henhöfer (1789–1862) 1849 entstandene Evangelische Gemeinschaftsverband AB ist mit rund 150 Gemeinschaften, 15 Gemeinden und 120 Hauskreisen der älteste pietistische Gemeinschaftsverband im Bereich der badischen Landeskirche. Er erreicht rund 4.000 Menschen.

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