Dienstag • 10. Dezember
Hessen-Nassau
29. November 2019

Mit einer guten Predigt auf Tournee gehen

Nur noch wenige Menschen besuchen die kirchlichen Gottesdienste. Symbolfoto: pixabay.com
Nur noch wenige Menschen besuchen die kirchlichen Gottesdienste. Symbolfoto: pixabay.com

Frankfurt am Main (idea) – Der Mainzer Theologieprofessor Kristian Fechtner hat der Ansicht widersprochen, dass sich der Gottesdienst in einer Krise befindet. Er referierte auf der Synodentagung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau am 29. November in Frankfurt am Main.

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Fechtner zufolge war der Sonntagsgottesdienst immer Wandlungen unterworfen. Allerdings empfänden viele Christen die gegenwärtig 100.000 Gottesdienste jährlich allein in Hessen-Nassau als „geistliche Überforderung“. In den vergangenen Jahrzehnten seien die Angebote immer mehr ausgeweitet worden.

Fechtner sprach sich für eine „Logik der Konzentration“ aus. So könnten traditionelle Feiern mit ausgereiften Predigten beispielsweise an bestimmten Orten konzentriert werden. Daneben regte er „elementare“ Gottesdienste an. Dazu könnten Gemeinden ihre Kirchen öffnen, Glocken läuten, Kerzen anzünden und die Gelegenheit zum stillen Gebet geben.

Ferner regte er an, das Kirchenjahr zu nutzen, um an Advent, Weihnachten, der Passionszeit, Ostern, Pfingsten, Erntedank und Totensonntag gottesdienstliche Höhepunkte anzubieten.

Andachten im Tattoo-Studio

Der frühere Leiter des Gottesdienstinstituts der Nordkirche in Hamburg, Thomas Hirsch-Hüffell, sprach sich für eine stärkere Kooperation und Rotation von Geistlichen aus: „Eine Predigt kann auch auf Tournee gehen“. Ferner sollten Andachten ernster genommen werden. Man könne sie auch an ungewöhnlichen Orten anbieten, etwa in einem Tattoo-Studio.

Außerdem müsse dringend über die Sitzordnung in den Gottesdiensten nachgedacht werden. Die traditionelle Ausrichtung nach vorne stamme aus der monarchischen Zeit und entspreche nicht mehr heutigem demokratischen Empfinden. In rein digitalen Gottesdiensten im Internet sieht er nicht die Zukunft.