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Zum Tod von Horst Marquardt
02. November 2020

Medien-Pionier Horst Marquardt ist verstorben

Horst Marquart wurde 91 Jahre alt. Foto: zvg
Horst Marquart wurde 91 Jahre alt. Foto: zvg

Der gebürtige Berliner war ab 1960 massgeblich am Aufbau des Evangeliums-Rundfunk (heute ERF Medien) in Wetzlar beteiligt, den er bis 1993 leitete. 1970 gründete er die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar), weil aus seiner Sicht in säkularen und kirchlichen Medien zu wenig über geistliche Themen berichtet wurde. Den idea-Vorsitz hatte er bis 2017 inne. 1975 rief er die Konferenz Evangelikaler Publizisten (KEP - heute Christliche Medieninitiative pro) ins Leben. Ausserdem leitete er von 1999 bis 2017 den Kongress Christlicher Führungskräfte (KCF).

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Mit 89 wurde er Blogger

Er nutzte auch die digitalen Medien: Noch mit 89 Jahren ging er unter die Blogger. Ab Dezember 2018 veröffentlichte er geistliche Impulse auf seinem Blog "Marquardts Bilanz". Er gehörte auch zu den prägenden Persönlichkeiten der evangelikalen Bewegung in Deutschland und sah sich stets als Brückenbauer zwischen den verschiedenen Strömungen. Der evangelisch-methodistische Pastor war Mitbegründer und 14 Jahre lang Vorsitzender des deutschen Zweiges des Lausanner Komitees für Weltevangelisation (heute Koalition für Evangelisation in Deutschland). Zum Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz gehörte er von 1969 bis zum Erreichen der Altersgrenze 1997. Die Vereinigung Europäischer Medienorganisationen zeichnete ihn 1998 mit dem "Brückenbauer-Preis" aus. Der Theologe wurde auch als Sprecher der ARD-Sendung "Wort zum Sonntag" bekannt (1973-1986).

Erst Nazi, dann Kommunist und schliesslich Christ

Marquardt wuchs in einem christlichen Elternhaus auf, wurde aber erst als junger Mann Christ. In einem idea-Interview 2019 sagte er im Rückblick auf seine Jugend: "Ich bin durch Hitler verdorben worden. Ich war ein begeisterter Nazi." Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wandte er sich dem Kommunismus zu und war Leiter des Jugendfunks beim Landessender Potsdam. Dort erlebte er, wie ein sorgfältig recherchierter Beitrag nicht gesendet wurde, weil er nicht in die Parteilinie passte. Nach diesem Erlebnis brach er mit dem Kommunismus.

Beim Lesen des Neuen Testaments fand er zu Christus

In "einer Stunde grosser Ratlosigkeit" habe er vor seinen Büchern gestanden und ein Neues Testament herausgezogen. Dabei stiess er auf den Bibelvers "Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast" (Timotheus 3,14). Dieser Satz habe eine Wende in seinem Leben bewirkt. Er bekannte: "Ich habe durch das Lesen des Neuen Testamentes Jesus Christus gefunden. Ich bekam unendliche Freude." Nach seiner Bekehrung siedelte er nach West-Berlin über und studierte Theologie in Frankfurt am Main. Danach wirkte er als evangelisch-methodistischer Pastor in Berlin (1955/56), Wien (1956-1960) und Wetzlar - dort bis 1968 nebenamtlich zu seiner Tätigkeit beim ERF.

Was Christen in den Medien brauchen: Kompetenz und Berufung

Als entscheidendes Kriterium für Christen, die in der Medienbranche arbeiten, nannte er die Berufung: "Wer in die christlichen Medien geht, muss nicht nur recherchieren, schreiben oder moderieren können, sondern muss wissen, dass Gott ihn an dieser Stelle braucht." Zu seiner persönlichen Lebensbilanz sagte er: "Ich bin von Grund auf dankbar." Marquardt war 62 Jahre verheiratet. Seine Ehefrau Irene starb 2017 im Alter von 88 Jahren. Sie haben vier Kinder, zehn Enkel und drei Urenkel.