Freitag • 18. September
Gottesdienste sind verboten
18. März 2020

Kirche zieht um ins Wohnzimmer

Die Kirche im Prisma, Rapperswil, macht ihre Dienste digital zugänglich. Foto: Screenshot Prisma
Die Kirche im Prisma, Rapperswil, macht ihre Dienste digital zugänglich. Foto: Screenshot Prisma

(idea/rh) - Am 25. Februar wurde der erste Coronavirus-Fall in der Schweiz bekannt. Mittlerweile sind es rund 3028 Corona-Infizierte, 35 Menschen starben (Stand 18.3.). Der Bundesrat stuft die Situation als "ausserordentliche Lage" gemäss Epidemiegesetz ein. Für 950 000 Schülerinnen und Schüler fällt die Schule aus.

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Katholiken ohne "Sonntagspflicht"

"Die besondere Lage trifft die religiösen Gemeinschaften in ihren inneren Vollzügen." Das schreibt das Bistum Basel in einem dreiseitigen Brief an die römischkatholischen Pfarrämter. Darin wird detailliert geregelt, was ab sofort nicht mehr geht und worauf bei der Durchführung von Gottesdiensten geachtet werden muss. Begräbnisfeiern etwa dürfen nur noch im Familienkreis stattfinden. Die Katholiken werden "von der Sonntagspflicht" offiziell entbunden.

Die evangelisch-reformierten Kirchen sind angehalten, nach Wegen zu suchen, "um ihren Verkündigungs- und Seelsorgeauftrag verantwortungsvoll wahrzunehmen". Empfohlen werden alternative Gottesdienstformen (Internet) sowie die Einrichtung einer Seelsorge-Hotline. Um den kirchlichen Auftrag zu gewährleisten, wird auf Schutzmassnahmen für die Seelsorgenden hingewiesen. Die EMK Schweiz bezeichnet das Gottesdienst-Verbot als einschneidend, "weil der Gottesdienst am Sonntagmorgen für viele unserer Gemeindeglieder ein zentraler Ort der Begegnung mit Gott und miteinander ist". Das schreibt die Kirchenleitung in einem Brief an ihre Gemeinden.

Kirche zieht um ins Wohnzimmer

Das Versammlungsverbot trifft die Kirchen in ihrem Kern. Fieberhaft wird nach Formen gesucht, um Gemeinschaft aufrechtzuerhalten. Doch angesichts der aktuellen Situation sei dieser Schritt notwendig "zum Schutz der Gesundheit der Menschen, insbesondere von Personen der Risikogruppen". Seit letzten Sonntag hat als eine der letzten grossen Freikirchen der ICF Zürich die "Celebrations" in der Samsung Hall in Dübendorf gestoppt, respektive per Livestream übertragen. Die Kirche im Prisma in Rapperswil stellte ihr Angebot in kurzer Zeit auf digital um. Unter der neuen Webseite "kirchedaheim.prisma.ch" ist alles zusammengefasst. Viele andere Freikirchen haben die Predigten im Internet aufgeschaltet. Der Bund FEG hat am 16. März eine Internetkonferenz mit 40 Gemeindeleitern abgehalten, um über Aktuelles zu reden und zu koordinieren. Gemäss dem FEG-Vorsitzenden Schneeberger war der Austausch sehr hilfreich und wird wiederholt. Er empfiehlt anderen Verbänden, Ähnliches zu machen. Die Freikirchen, zu deren Wesen enge Gemeinschaft zählt, trifft das Versammlungsverbot hart.

Gemeindebau neu denken

Die Gemeinschaft mit Christus und dem Nächsten ist das Wesen des Christentums. Pfarrer Dieter Gerster von der reformierten Kirche Oftringen: "Wir sind aufgerufen, füreinander zu schauen, achtsam miteinander umzugehen, füreinander zu beten, zu sagen, dass wir aneinander denken, und uns auch durch das Coronavirus nicht isolieren lassen." Der Gemeindebau wird in den kommenden Wochen komplett neu gedacht werden müssen.

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