Freitag • 17. August
Mitgliederentwicklung
20. Juli 2018

Die evangelische Kirche schrumpft schneller als die katholische

Immer weniger Menschen in Deutschland gehören den beiden Großkirchen an. Foto: pixabay.com
Immer weniger Menschen in Deutschland gehören den beiden Großkirchen an. Foto: pixabay.com

Hannover (idea) – Die evangelische Kirche schrumpft schneller als die römisch-katholische Kirche. Das geht aus den am 20. Juli veröffentlichten Statistiken der EKD (Hannover) und der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz (Bonn) hervor. Bei den Protestanten ging die Mitgliederzahl 2017 im Vergleich zu 2016 um 390.000 auf gut 21,5 Millionen zurück. Das entspricht einem Minus von 1,8 Prozent. Ende 2007 hatte die evangelische Kirche noch 3,3 Millionen mehr Mitglieder als im Vorjahr, nämlich 24,8 Millionen. Die Katholiken verloren 2017 rund 268.000: Ein Minus von 1,1 Prozent im Vergleich zu 2016. Sie bleiben mit 23,3 Millionen Angehörigen die größte Konfession. Insgesamt sind 54,4 Prozent der 82,5 Millionen Einwohner in Deutschland Mitglied in einer der beiden großen Kirchen. 2005 waren es noch 62 Prozent.

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Zehn-Jahres-Vergleich: Kirchen in Anhalt, Mitteldeutschland und Bremen verloren am meisten

Mit Blick auf die 20 Landeskirchen wird deutlich, dass die Evangelische Landeskirche Anhalts, die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland und die Bremische Evangelische Kirche in den vergangenen zehn Jahren den prozentual größten Mitgliederverlust verkraften mussten. Der Kirche in Anhalt gehören nun rund 32.611 Menschen an. Das entspricht einem minus von 33,1 Prozent im Vergleich zu 2007. Den zweitgrößten Rückgang hat die Kirche in Mitteldeutschland zu verzeichnen. Sie entstand 2009 aus der Fusion der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen. Hatten die beiden Kirchen 2007 zusammen noch 910.527 Mitglieder, waren es 2017 in der mitteldeutschen Kirche noch 712.000 (minus 21,8 Prozent). Die Bremische Kirche verlor in dem Zeitraum 18,2 Prozent (2017: 193.100). Am wenigsten verlor im vergangenen Jahrzehnt die Evangelisch-reformierte Kirche (minus 6,5 Prozent). Zu ihr gehörten im vergangenen Jahr 173.000 Menschen. Dahinter folgen die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (2017: 2,37 Millionen/minus 9,9 Prozent), die Evangelische Landeskirche in Baden (1,16 Millionen/minus 10,5 Prozent) und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg (411.600/minus 10,6 Prozent).

200.000 Menschen traten aus der evangelischen Kirche aus

Taufen (180.000) und Eintritte (25.000) blieben in der evangelischen Kirche 2017 im Vergleich zum Vorjahr weitgehend stabil. 2006 wurden in Deutschland jedoch noch 213.000 Menschen evangelisch getauft. Die Zahl der Kirchenaustritte nahm bei beiden Konfessionen leicht zu. Rund 200.000 Menschen traten 2017 nach Berechnungen auf Basis der gemeldeten vorläufigen Zahlen aus der evangelischen Kirche aus (2016: 190.000). Bei den Katholiken waren es 167.000 Austritte (2016: 162.000). Wie die EKD in einer Pressemitteilung mitteilte, ist für den Rückgang „nicht zuletzt“ die hohe Zahl der Verstorbenen maßgeblich: 2017 verstarben rund 350.000 Mitglieder der evangelischen Kirche. Die Zahl liegt deutlich über der der Taufen.

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