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„Sarajevo Message“
16. Mai 2017

Bosnischer Grossmufti bekennt sich zu Schweizer Werten

Kirchenbundspräsident Gottfried Locher und der bosnische Grossmufti Husein Kavazović. Foto: zvg
Kirchenbundspräsident Gottfried Locher und der bosnische Grossmufti Husein Kavazović. Foto: zvg

(idea) - Kirchenbundspräsident Gottfried Locher reiste vergangene Woche auf Einladung des Oberhauptes der bosnischen Muslime nach Sarajevo. Unter den Augen des bosniakischen Staatspräsidenten Bakir Izetbegović unterzeichneten er und Grossmufti Husein Kavazović dabei die gemeinsame Erklärung „Sarajevo Message“. Darin bekennen sich die bosnischen Muslime zu Demokratie, Rechtsstaat und Gleichberechtigung nach Schweizer Vorbild. Gottfried Locher sichert auf dieser Grundlage seine Unterstützung für die Zusammenarbeit mit den bosnischen Muslimen in der Schweiz zu.

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Bekenntnis zur Religionsfreiheit

Im Vorfeld der Unterzeichnung am vergangenen Freitag war es nach Angaben der NZZ zu mehrstündigen, teils zähen Verhandlungen gekommen. Mit dem Ergebnis zeigte sich Gottfried Locher aber sehr zufrieden. Die bosnischen Muslime bekennen sich darin zu Religionsfreiheit und gleichen Rechten für Mann und Frau. Ausdrücklich verurteilt wird der religiös motivierte Terrorismus, der in der je eigenen Religion auftritt. Gottfried Locher dazu in einem Interview mit der Zeitung „Reformiert“: „Es ist das erste Mal, dass ich von muslimischer Seite ein Bekenntnis zur Religionsfreiheit lese: Der Glaube ist frei wählbar. Zudem werden Extremismus und Gewalt verurteilt, insbesondere wenn sie aus den eigenen Reihen kommen.“ Nach Ansicht Lochers erkennen die Muslime damit auch implizit an, dass Probleme dieser Art in der eigenen Religion vorkommen. Der Abfall vom Glauben gilt in vielen muslimischen Ländern als todeswürdiges Verbrechen.

Keine Alternative zum Dialog

Bakir Kavazović, geistiges Oberhaupt der bosnischen Muslime im In- und Ausland, betonte seinerseits, dass sich die bosnischen Muslime Europa zugehörig fühlen und den wachsenden Einfluss der Golfstaaten im Land mit Sorge betrachten. Es gelte, die Beziehungen mit der EU und der Schweiz zu stärken. Beide Seiten erhoffen sich auch eine Signalwirkung in Bezug auf das Zusammenleben von Christen und Muslimen in der Schweiz. „Der religiöse Friede in der Schweiz ist fragil“, sagte Locher gegenüber der NZZ. „Wird das Wachstum des Islams in der Schweiz nicht durch ein explizites Bekenntnis der Muslime zu Schweizer Werten begleitet, wird es problematisch.“ Zum interreligiösen Dialog erklärt er: „Religionsfrieden ist in Bosnien eine Überlebensfrage. Entsprechend ernsthaft sprechen Muslime und Christen hier miteinander. Es gibt keine Alternative zu diesem Gespräch, nicht in Bosnien und nicht in der Schweiz.“

Wirkung in der Schweiz

Die NZZ zitiert den Schweizer Islamexperten Samuel Behloul, der glaubt, dass die „Sarajevo Message“ in der bosnischen Diaspora in der Schweiz eine starke Wirkung entfalten wird. Das Wort des Grossmuftis habe für die hier lebenden Gläubigen ein hohes Gewicht. Der Imam der bosnischen Moschee in Schlieren, Sakib Halilovic gegenüber der NZZ: „Was Kavazovic sagt, gilt als Anleitung für all unsere Gemeinden, niemand kann seine Worte übergehen.“  In der Schweiz leben rund 35.000 bosnische Muslime. Sie bilden damit eine der grössten muslimischen Gruppen.

Unterschied zwischen interreligiösem Dialog und Ökumene

Gottfried Locher differenziert in der „Reformiert“ zwischen dem interreligiösen und dem ökumenischen Dialog: „Anders als in der Ökumene kann es im Gespräch zwischen Christentum und Islam nicht um die Versöhnung sich widersprechender Aussagen gehen. Vielmehr geht darum, unterschiedliche Überzeugungen miteinander ins Gespräch zu bringen, damit der religiöse Friede gewahrt bleibt.“  Ihn habe beeindruckt, mit welchem Respekt die Muslime von Jesus und Maria gesprochen hätten. „Das bedeutet für mich auch, dass wir im Reformationsjahr, in dem wir das Solus Christus ins Zentrum rücken, ruhig noch mutiger von Christus sprechen dürfen“, so Locher. Für das nächste Jahr hat der Kirchenbundspräsident ein Symposium von reformierten Pfarrerinnen und Pfarrern und bosnischen Imamen in der Schweiz angeregt.

 

 

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