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Leadership
28. Dezember 2017

Triff keine schwerwiegenden Entscheidungen in der Krise

Enge Kurven und andere Schwierigkeiten unterbrechen den Laufrhythmus des Lebensmarathons. Im besten Fall führen sie zu Wachstum und einer neuen Perspektive.

Mit grossen Schritten gehe ich auf meinen 40. Geburtstag zu. Unweigerlich frage ich mich, was ich in diesem Alter noch alles kann, ob zum Beispiel ein Marathon noch drinliegt. Laut meinen Recherchen hat jeder Marathon seine Tücken und Wendepunkte. Da gibt es die engen 180-Grad-Kurven. Der Läufer muss herunterbremsen, um danach wieder zu beschleunigen. Der Lauf-Rhythmus wird dabei unterbrochen. Kein Läufer mag diese Wendepunkte. Wer mag es schon, wenn sein Rhythmus gestört wird?

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In meinem „Lebensmarathon“ als Worshipleiter im ICF Zürich kam solch ein Wendepunkt unvorbereitet. Nach 14 Jahren gab ich mein geliebtes Ministry ab. Dieser Schritt machte strukturell Sinn und ich tat ihn im Vertrauen, dass sich eine neue Türe öffnen würde. Doch das zog sich hin. Je länger ein neuer Platz für mich ausblieb, desto mehr kam ich in eine mentale Abwärtsspirale. Der Wechsel warf mich aus dem Rhythmus. Ich wurde arbeitsunfähig. „Jetzt hat es mich erwischt“, dachte ich. Burnout? Nein, aber dieser Wendepunkt bescherte mir eine tiefe Orientierungs- und Sinnkrise. Was habe ich getan, um wieder im Alltag Tritt zu finden?

Ich holte mir Hilfe bei einem Freund und ging in die Seelsorge. Meine erste Aufgabe war es, jetzt nicht alles hinzuschmeissen, wofür ich bisher gelebt habe: meine Werte, meine Überzeugungen, meine Ehe und Familie. „Triff keine schwerwiegenden Entscheidungen in der Krise!“, riet mir mein Freund. Gott hat durch diesen Wendepunkt an meinem Charakter gearbeitet. ER hatte das grössere Bild von meinem Leben. Er führte mich weiter. Ich lernte in dieser Zeit viel. Im Nachhinein bin ich dankbar, aber mitten drin war es brutal. Ich weiss nun, dass es im Leben nebst den wunderschönen, geraden Laufstrecken kleine Kurven, aber auch harte Wendepunkte gibt. Diese bringen den eigenen „Laufrhythmus” durcheinander. Wenn ich solche „engen Kurven” vor mir sehe, weiss ich heute, es ist okay abzubremsen. „Wendepunkte“ sind Chancen, um als Mensch und Leiter zu wachsen. Sie fordern heraus, sich Gott ganz auszuliefern. Ihm vertraue ich. Er ist meine Perspektive, mein Halt. Ich wünsche Ihnen auf Ihrem persönlichen Lauf viel Weisheit, Freude und Ausdauer.

Simon Lämmle ist Executive Pastor und Personalleiter ICF Zürich.

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