Samstag • 18. August
Schicksal
13. Mai 2018

Mutterseelenallein – und doch gehalten

Gertud Gasser:
„Ich war eine Gluggere.“ Foto: Helena Gysin
Gertud Gasser: „Ich war eine Gluggere.“ Foto: Helena Gysin
Gertrud Gasser wuchs mutterlos auf. Als ihre Mutter starb, war sie vier Jahre alt. Doch auch später hatte sie kein leichtes Leben: harte Arbeit, Ungerechtigkeit und plötzlich heimatlos. Wie viel Schweres erträgt ein Mensch, ohne verbittert zu werden?

Meine frühesten Kindheitserinnerungen gehen zurück in ein einfaches Bauernhaus. Mein Vater stand am Bett meiner kranken Mutter. Er schob mich einfach zur Seite, was ich gar nicht verstehen konnte. Ich wollte doch nur zu meiner Mutti. Ich konnte mit meinen vier Jahren nicht verstehen, dass sie einen Hirnschlag erlitten hatte. Mama war erst 39 Jahre alt und starb von zehn Kindern weg. Alle hatte sie innerhalb von 13 Jahren geboren. Und dann ist da in meiner Erinnerung auch noch das schlimme Erlebnis bei der Beerdigung, das ich erst recht nicht verstehen konnte. Jemand gab mir Blumen, um sie ins Grab zu legen, doch ich sagte bloss: „Nein, die Blumen bringe ich meiner Mutti nach Hause.“...

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