Mittwoch • 14. November
Editorial
19. Oktober 2018

Kernbotschaft unbekannt?

"Es ist meine persönliche Vision, dass Jesus positive Schlagzeilen in den Medien macht und die Kernbotschaften von Jesus diskutiert werden." Das sagt Markus Baumgartner. Einst als Wirtschaftsjournalist unterwegs, berät er heute Führungsleute und Unternehmen im Kommunikationsbereich. Damit hat er reichlich zu tun und seine Freizeit könnte er gut und gerne mit Golfen füllen. Wäre da nicht diese Vision ... Täglich grast er die Schweizer Medien nach Berichten über Kirchen und ihr Wirken in der Öffentlichkeit ab. Vor zehn Jahren startete Baumgartner das "Dienstagsmail". Woche für Woche beleuchtet es eine christlich inspirierte Aktion, die positive Schlagzeilen machte. Dieser Gratisservice soll christlichen Gemeinden Ideen liefern, die gesellschaftlich relevant sind und mediales Interesse wecken.

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Doch Markus Baumgartner leidet. Im Gespräch wird klar, warum: Freikirchen werden von der Gesellschaft kaum wahrgenommen. Über 40 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer können sich unter einer Freikirche schlicht nichts vorstellen. Sie sind öffentlich nicht relevant. Das ist schwer verdaulich für den PR-Profi, der selbst eine Freikirche besucht. Bis heute werden Menschen, die sich im Namen von Jesus Christus versammeln, rasch einmal in die Sektenecke gestellt.

Ganz unbekannt sind Freikirchen aber nicht. In einer repräsentativen Umfrage des Instituts GfS wurde aufgrund einer umfangreichen Liste mit Begriffen und Verhaltensweisen gefragt, was mit einer Freikirche verknüpft wird. Am meisten genannt wurden drei Anti-Positionen: gegen Abtreibung, gegen Sex vor der Ehe, gegen Homosexualität. Allen, die nun denken, dass dies durchaus richtig sei, entgegnet Markus Baumgartner: "Damit werden die Prioritäten verschoben." Das seien nicht die Kernbotschaften des christlichen Glaubens. Weil Freikirchler meistens gegen etwas in Erscheinung treten, bewerte sie der Mainstream als anklagend und moralisierend. Anderseits sei nicht bekannt, wofür sie stehen. Die zentralen Inhalte der Botschaft von Jesus Christus - Glaube, Liebe, Hoffnung, Versöhnung, Sinn, Vorbild - würden von der Öffentlichkeit gar nicht wahrgenommen. Dieses Kommunikations-Desaster ist der Grund für Markus Baumgartners Leiden.

Hat er recht? Das Thema ist eine Diskussion wert. Klar ist allerdings auch, dass Massenmedien das Ausserordentliche, das Schräge suchen. Das Liebevolle und Hilfreiche zieht wenig.

Rolf Höneisen 
Chefredaktor idea Schweiz

 

 

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