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Marc Früh
09. Juli 2018

„Ja, es wird einmal Frieden geben!“

Marc Früh: „Viel Geld versickert in Waffenkäufen und Propaganda.“ Fotos: Sandra Lo Curto/Wikimedia/Bienchido
Marc Früh: „Viel Geld versickert in Waffenkäufen und Propaganda.“ Fotos: Sandra Lo Curto/Wikimedia/Bienchido
Bundesrat Ignazio Cassis bezeichnete das Uno-Flüchtlingshilfswerk für Palästina (UNRWA) als „Teil des Problems“ im Nahostkonflikt und erntete dafür einen diplomatischen Entrüstungssturm. Buchautor Marc Früh unterstützt Cassis Ansicht.

Israel feiert seinen 70. Geburtstag. Das war in Gaza Anlass für Ausschreitungen, bei denen sich die Palästinenser wiederum als Opfer der Israelis hinstellen konnten. Marc Früh, Sie verfolgen die Situation im Nahen Osten seit vielen Jahren. Wie ist Ihre Sicht der Ereignisse?

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Die mediale Darstellung dieser Ausschreitungen ist sehr einseitig gefärbt. Warum spricht man allgemein davon, dass die arabische Bevölkerung aus ihren Gebieten verjagt wurde? Palästina war nicht nur in biblischer Zeit von Juden besiedelt; seit Mitte des 18. Jahrhunderts haben sich Juden dort angesiedelt – und zwar in unbewohnten Regionen. Wenn uns heute weisgemacht werden soll, dass diese Gebiete besiedelt waren und rund 700.000 Palästinenser verjagt wurden, ist das eine Lüge, die leider auch unter Christen kursiert. Wissenschaftliche Berichte vor dem Weltkrieg und die Volkszählung von 1917 zeichnen ein ganz anderes Bild.

Wie kommt es, dass noch vor 20 Jahren in Europa eine eher pro-israelische Stimmung herrschte, während sie heute stark pro-paläs­tinensisch ist?

Die Stimmung ist eigentlich in den letzten 40 Jahren sukzessive von einem Lager zum anderen gekippt – auch in der Schweiz. Man sagt, dass 1970 der damalige Bundesrat Pierre Graber mit Nationalrat Jean Ziegler einen Geheimpakt einging: keine Anschläge in der Schweiz, dafür verhalf man den Palästinensern zu internationaler Präsenz. Wer heute von den „armen Palästinensern“ spricht, blendet einen wichtigen Teil der Geschichte aus, nämlich, dass nach Ende des Zweiten Weltkriegs 600–650.000 Juden Libyen, Ägypten, Marokko, Syrien, den Irak oder den Iran fluchtartig verlassen mussten mit nur dem, was sie am Körper trugen; sie flüchteten nach Eretz-Israel. Verlangen Palästinenser Gebiete zurück, dann hätten auch Juden Anrecht auf Gebiete in den arabischen Staaten. Auch stimmt es nicht, dass Gaza ein „besetztes Gebiet“ ist: Israel hat sich 2005 von Gaza vollständig zurückgezogen, Gaza ist heute selbstverwaltet.

Sie sind auf Facebook sehr aktiv. Kürzlich zeigten Sie sich über die umstrittene Stellungnahme von Bundesrat Ignazio Cassis erfreut, als dieser die UNRWA kritisiert hat.

Zuerst einmal war ich geschockt, dass die Schweiz – im Unterschied zu den meisten Regierungen des Westens – gerade kürzlich die Hamas nicht als Terrororganisation einstufte. Was für eine gravierende Desinformation! Das umstrittene UNO-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) betreffend trägt auch der Schweizer Direktor Pierre Krähenbühl eine grosse Verantwortung, denn er muss gewährleisten, dass die Gelder tatsächlich dem Palästinenservolk zugutekommen. Vieles versickert hingegen in Waffenkäufen oder Propaganda-Desinformation. Solange das UNRWA-Geld nicht besser verwaltet wird, sollten – nach dem amerikanischen Beispiel – auch wir Schweizer kritisch bleiben.

Apropos USA: Ein weiteres Reizthema ist die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem. Könnten Sie sich vorstellen, dass auch die Schweizer Botschaft verlegt würde?

Ich würde mich freuen, wenn auch die Schweizer Botschaft nach Jerusalem käme. Nachdem 40 Jahre lang trotz Friedenskonferenzen keine Fortschritte erzielt wurden, ist die Verlegung der US-Botschaft und die implizite Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels ein starkes Zeichen; jetzt sind die Palästinenser dran, ob sie Ramallah, Jericho oder Gaza zu ihrer Hauptstadt ernennen wollen …

Wird es denn je Frieden geben in dieser Region?

Faktisch gesehen sieht es so aus: Die palästinensischen Araber sagen, sie würden einer Zweistaatenlösung zustimmen, aber sie anerkennen Israel nicht und rufen oftmals – auch in der Charta der Hamas im Artikel 13, – dazu auf, den Judenstaat zu zerstören. Und die internationale Gemeinschaft will Israel verpflichten, mit einem Volk Frieden zu schliessen, das bekennt, nur auf die Möglichkeit zu warten, Israel zu zerstören! – Ja, es wird ganz sicher mal Frieden geben, spätestens dann, wenn der Friedefürst, der Messias Jesuah, wiederkommt. Aber solange Hetzerei, Tötungen, Zerstörung, Gewalt und Hass regieren, ist der Frieden noch weit. Zuerst muss man aufhören, Hass zu predigen.

Seitdem Sie erstmals sehr jung in einem Kibbuz waren, reisten Sie immer wieder nach Israel. Wie hat sich das Land entwickelt?

Israel hat sich extrem entwickelt. Der Grundunterschied zwischen den zwei Völkern wird immer deutlicher: Die Palästinenser legen ihr Vertrauen in die Waffen, die Israelis hingegen in Anbau, Kultur, Technik und Innovation. Deshalb kann heute auch zum Boykott israelischer Produkte aufgerufen werden, denn viele Länder wären dabei betroffen – ob im Bereich Informatik, Medizin oder Technologie. Viele Medikamente, zum Beispiel gegen Drogensucht, wurden in Israel entwickelt. Israel ist das Land, das weltweit am meisten Patente pro Kopf der Bevölkerung anmeldet. Israel ist auch daran, das grösste Problem der Menschheit – nicht genügend Süsswasser – zu lösen, denn es entwickelt Entsalzungsanlagen, damit Städte das Meerwasser in Süsswasser umwandeln können.

Sie haben in Israel auch Gruppenreisen geleitet. Gab dies den Impuls für das Buch, das Sie geschrieben haben, und welches seit einigen Wochen auch auf Deutsch vorliegt?

„Hinsehen erlaubt“ ist als Hilfe zur Verständigung in diesen Gebieten entstanden, denn Frieden kann man nur auf Wahrheiten bauen. Unser Gott ist ein Gott der Gerechtigkeit, und Gerechtigkeit ist das A und O. In diesen 45 Jahren, seit ich die Ereignisse rund um den Nahen Osten verfolge, ist vieles verdreht und vertuscht worden: zum Beispiel der Flugzeugabsturz von 1970 einer Swissair-Maschine in Würenlingen, bei dem alle 47 Insassen ums Leben kamen. Obwohl sonnenklar ist, dass es sich um einen palästinensischen Bombenanschlag handelte, verschwand das Dossier einfach beim Bundesgericht. Auch deshalb habe ich das Buch geschrieben.

In Ihrem Buch stellen Sie den Anspruch, sachlich zu bleiben. Wenn ein Palästinenser Ihr Buch lesen könnte, würde er sagen, dass die darin verarbeiteten Fakten richtig dargestellt werden?

In diesem Nachschlagewerk werden alle Ereignisse chronologisch aufgelistet. Und ja, ich bin davon überzeugt, dass auch ein Palästinenser verstehen würde, warum die Konflikte in seiner Region entstanden sind. Damit es klar ist: Ich bin nicht gegen die Palästinenser, denn das Volk leidet am meisten unter der Herrschaft und der Politik der Hamas. Aber solange man der Hamas Geld gibt, hilft man dem Palästinenservolk in keiner Weise, ganz im Gegenteil! 

(Interview: Sandra Lo Curto)

Marc Früh: Hinsehen erlaubt!

Im Eigenverlag Elroï Editions erschienen, zeichnet die Neuerscheinung von Marc Früh auf 244 Seiten Vergangenheit, Gegenwart und Perspektiven in Israel und dem Nahen Osten auf. Welche Rolle spielen die Juden in diesem Land göttlicher Enthüllungen? Ist Israel wirklich der Grund der Instabilität in dieser Region – oder bringt es vielmehr einen universellen Segen? Der Autor entwirft eine geschichtliche, politische und geistliche Übersicht der Ereignisse in dieser Region. Autor Früh ist überzeugt, dass sich die 2800 Jahre alten biblischen Offenbarungen mit grosser Genauigkeit erfüllen. Früh ist pädagogischer Berater, Politiker und Autor.

Marc Früh: Hinsehen erlaubt! Israel und Naher Osten: Vergangenheit, Gegenwart – welche Perspektiven?
Editions Elroï/Eigenverlag, 244 S., ISBN 978-2-8399-2350-7

www.editions-elroi.ch

 

 

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