Samstag • 16. Januar
"Better Story" der Bibel soll gehört werden
13. Januar 2021

Heisse Eisen, der Leib Jesu und das Gespräch mit der Welt

Marc Jost, Regula Lehmann und Dorothea Gebauer waren sich einig: Der Austausch über kontroverse Themen muss vermehrt gepflegt werden. Fotos: Jonas Greuter/www.greenlight.ch
Marc Jost, Regula Lehmann und Dorothea Gebauer waren sich einig: Der Austausch über kontroverse Themen muss vermehrt gepflegt werden. Fotos: Jonas Greuter/www.greenlight.ch
"Wir müssen reden!", sagte ein Team um den Frauenfelder Pastor Paul Bruderer. Also luden sie 40 Leitungspersonen dazu ein, miteinander Hirn und Herz zu teilen.

Frauenfeld (idea/dge) - Biblische Wahrheiten sind nicht leicht zu schlucken. Vor allem dann nicht, wenn der Zeitgeist ganz anderer Meinung ist. Wie kommuniziert man Themen der Sexualethik als Ausdruck des jüdisch-christlichen Weltbildes so, dass sie als "Better Story" (bessere Erzählung) gehört werden, ohne falsche Kompromisse zu machen? Das treibt Paul Bruderer, Leiter der Chrischonagemeinde Frauenfeld und Blogger auf DanielOption.ch schon länger um. Zunächst ging er informell mit anderen ins Gespräch. Wegen regem Interesse wurde daraus ein Anlass mit über 40 Leitungspersonen. Es ging in Frauenfeld um die Frage, wie man als Leib Jesu die Kommunikation von morgen gestalten kann.

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Gemeinsamkeiten suchen, aktiv kommunizieren

Regula Lehmann, Projektleiterin, Autorin und Familienfrau, erzählte, wie Gott sie fragte, ob sie bereit sei, den Mund für Themen aufzutun, die sie immer wieder mal zur "Ruhestörerin" machen. Statt sich "links" oder "rechts" zu verorten, sucht sie ein plausibles "Sowohl-als-auch". "Ich engagiere mich für den Lebensschutz und gegen die Todesstrafe, für eine saubere Innenwelt und auch für den Umweltschutz." Jenseits von allen Schubladen gelte es, wach zu sein für Gottes Anliegen. "Zum Beispiel mit der Frage, welchen Jesus wir gemeinsam verkündigen. Von dieser Frage her klären sich viele andere Themen", ist Regula Lehmann überzeugt.

Marc Jost, Generalsekretär der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA), gibt Einblick in eine positive Erfahrung mit den Massenmedien. Am Beispiel einer Anfrage der NZZ zur Homosexualität seines Vaters zeigte er, wie sich eine gute Vorbereitung auf ein Mediengespräch auszahlt. Für die Zuhörer interessant ist der Einblick in die Kommunikationsstrategie der SEA. So wird auf oberster Ebene festgelegt, welche Themen 2021 aktiv kommuniziert werden sollen - wie zum Beispiel "ganzheitliche Mission" - und bei welchen man sich bloss auf Anfragen vorbereitet. Diese Art der bewussten Priorisierung gehört zu einer guten Kommunikationsstrategie, so Jost.

Bedürfnisse der Gesellschaft erkennen

Dorothea Gebauer, Kommunikationsberaterin, bedauerte, wie sehr wir aktuelle Rationalität und das gute Argument verlieren. Um nicht oder plötzlich dem links- oder rechtspopulistischen Lager zugeordnet zu werden, helfe es, eine sogenannte Ambiguitätstoleranz, also Ungewissheitstoleranz zu erwerben und unterschiedliche Haltungen zu "erdulden." Sie ermutigt die Pastoren, ihre Kanzel ins Digitale zu verlegen, und nennt Beispiele und Namen, wo das gelingt. Wo Menschen eben nicht nur predigen, sondern eine grosse Community um sich herum sammeln. Für Johannes Sieber, Leiter des "International Seminary of Theology and Leadership" (ISTL) ging die Diskussion nicht weit genug. Am Ende müsse man beantworten, wofür man bereit sei, "sein Leben zu lassen".

Ein Pastor beklagte, wie denn das Anliegen der Einheit durchzusetzen sei, wenn man schon in der Ortsgemeinde sich über viel Kleinkram streite. Wie findet man zu einer gemeinsamen Agenda? "Würdevoll sterben?" "Hoffnung inmitten der Pandemie?" Es lohne, auf die Bedürfnisse der Gesellschaft zu hören, um ihr zu dienen.

Die ambitionierte und gut moderierte Gesprächsrunde machte deutlich: Wir müssen reden, damit die "Better Story" der Bibel gehört wird. Das Fazit: Der Anlass war ein gelungener Auftakt dazu. Es braucht mehr solcher Treffen.