Mittwoch • 14. November
Gedankenstrich
15. Oktober 2018

Freundschaftsbücher

Der heutige Steilpass für diese Kolumne: Meine 7-Jährige kommt mit einem Freundschaftsbuch nach Hause. "Warum könnt ihr damit nicht warten, bis ihr selber lesen und schreiben könnt?", denke ich leicht genervt und setze mich mit aller Geduld, die ich aufbringen kann, mit ihr zum Ausfüllen hin. "S-O-Z-I-A-L-E-N-E-T-Z-W-E-R-K-E:", liest meine Tochter mühsam im Erstklässler-Tempo. "Hä? Mama, was ist das?" Ich bin so perplex, dass ich in Erklärungsnot gerate. Weiter gehts mit: "Die hippste Kleidungsmarke:" Wir sind schnell fertig mit Ausfüllen, da wir hinter die Hälfte der Fragen einfach ein X setzen.

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Vor ein paar Monaten kam die Frage an unserem Familientisch auf, was denn eine "Influencerin" sei. Ein Mädchen aus dem Kindergarten hat das als Berufswunsch geäussert. Nicht wirklich erstaunlich, dass das Freundschaftsbuch, an dem wir uns heute abarbeiten, von ihr stammt. Ich könnte sie auf den Mond schiessen! Diese Freundschaftsbücher natürlich. Und Eltern, die Kinder haben, die mit sechs Jahren wissen, was ein Influencer ist. Klar ist mir bewusst, dass meine Mädels zur Generation Smartphone gehören und Medienkompetenz grossgeschrieben wird. Im Moment heisst das anscheinend in den Schulen: Einmal Tablets für alle, bitte! Dem Problem, dass die Schüler sich "Fortnite" herunterladen und damit nicht mit der pädagogisch wertvollen App beschäftigt sind, hinkt man dann hinterher. Für einen Lösungsansatz reichen meine vorgegebenen 1600 Zeichen hier nicht aus. Tut mir leid.

Ich bin dann mal weg. Mit meinen Mädels puzzeln oder Velo fahren. Im Real Life und in Secondhand-Kleidern.

Tamara Boppart arbeitet bei Campus für Christus Schweiz und wohnt mit ihrer 6-köpfigen Familie in Wil/ZH.

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