Samstag • 23. Juni
Editorial
10. Juni 2018

Freunde

Die Sonne strahlte über der Abschiedsfeier für Pfarrer Sieber auf dem Platzspitz. In Scharen sind sie gekommen, um dem Pfarrer mit dem grossen Herzen für Menschen am Rande der Gesellschaft die letzte Ehre zu erweisen. Darunter viele Ex-Junkies wie Andi Gerber und Sina Signorell aus Neuhausen. Heute sind sie ein Ehepaar. Der Pfarrer hat sie aus der Heroinhölle am Platzspitz geholt. Ohne ihn würden sie nicht mehr leben. Über Sieber sagen sie: „Er kam uns sehr oft besuchen. Nicht, um uns zu belehren, sondern um uns in den Arm zu nehmen.“ Die meisten von ihnen hätten zwar nicht an Gott geglaubt. „Aber wenn der Pfarrer uns in der Cafeteria zusammentrommelte und von Jesus sprach, packte er fast jeden von uns“, sagte Gerber dem Blick. Ende der 1980er-, anfangs der 1990er-Jahre war Zürich die Heroin-Hauptstadt Europas. Unermüdlich baute Ernst Sieber Anlaufstellen und Schlafplätze auf, dann den Sune-Egge, ein Spital für Suchtkranke. Diese geschützten Orte waren für Menschen wie Andi Gerber und Sina Signorell enorm wichtig. Sie sagen: „Das rettete uns das Leben.“ Mit dem Tod von Ernst Sieber verlieren sie nicht einfach einen Betreuer, sondern einen Freund.

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Wir alle brauchen Freunde. Menschen, die sich uns zuneigen, ohne etwas zu fordern. Die da sind, wenn man sie braucht. Die uns einen Schubs geben, wenn wir an Ort treten; die uns unter die Arme greifen, wenn uns die Kraft fehlt. Vor einem Jahr haben wir den Verein ideaFreunde gegründet. Um unsere von keiner Körperschaft finanzierte Medienarbeit ausbauen zu können, brauchen wir den Schubs von Freunden. Gerne schicken wir Ihnen den kostenlosen idea-Freundesbrief zu (melden Sie uns Ihr Interesse per E-Mail: rolf.hoeneisen@ideaschweiz.ch). Der Verein ideaFreunde hielt letzte Woche seine erste Mitgliederversammlung ab (Bericht Seite 19). idea will gedruckt und digital vermehrt darüber berichten, wie Gott mit Menschen, Kirchen und Werken in der Schweiz und darüber hinaus wirkt.

Übrigens: Jesus nennt alle, die ihm nahestehen, „Freunde“ (vgl. Johannes 15,15). Jesus-Freunde tragen ein Licht in sich, das sie prädestiniert, anderen zum Freund, zur Freundin zu werden. Dieses Licht gehört keinesfalls unter den Scheffel, es soll auf dem Leuchter strahlen. Machen wir uns auf, werden wir Licht!

Rolf Höneisen, Chefredaktor ideaSpektrum und ideaschweiz.ch.

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