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Freitag • 14. August
Editorial
28. März 2020

Freikirchen sind enorm herausgefordert

Die Corona-Krise beschäftigt die Freikirchen enorm. Foto: Emanuel Muhl
Die Corona-Krise beschäftigt die Freikirchen enorm. Foto: Emanuel Muhl
 Die Freikirchenleitenden der Schweiz trafen sich nicht von Angesicht zu Angesicht, sondern via Computerbildschirm; alle sassen in ihrem Büro zu Hause. 

Peter Schneeberger, Präsident des Verbandes der Schweizer Freikirchen, nennt es "historisch". Am 20. März trafen sich 27 Vertreterinnen und Vertreter aller freikirchlichen Bewegungen nicht von Angesicht zu Angesicht, sondern via Computerbildschirm; die Teilnehmer sassen im Büro bei sich zu Hause. Die Corona-Krise beschäftigt die Freikirchen enorm. Ausgerechnet das, was sie stark macht, ist jetzt verboten: Konferenzen, Gottesdienste, Hauskreise, Gebetstreffen. Alles fällt dem Kampf gegen das Virus zum Opfer.

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Und es ist nicht so, dass die Viren an gut gemeinten Glaubensproklamationen abprallen. Die ersten Beerdigungen von Freikirchlern, die am Coronavirus starben, haben stattgefunden. Die aktuelle Lage ist für die bunte Truppe der staatsunabhängigen Gemeinden einschneidend und vielschichtig. An der Videokonferenz ging es um rechtliche Fragen bei Videoübertragungen, um Hauskreise - sind das private oder kirchliche Anlässe? -, um Krankensalbung - darf man der Bitte danach Folge leisten? -, bis hin zum möglichen Einbruch der Spenden sowie der Einführung von Kurzarbeit. Leiter und Pastoren sind jetzt gefordert, Wege zu suchen, die das Gemeindeleben aufrechterhalten. Nicht nur für zwei Wochen, für Monate.

Während zweieinhalb Stunden waren die virtuell zugeschalteten Sitzungsteilnehmenden hochkonzentriert präsent. Da war für einmal nichts zu spüren von unterschiedlicher theologischer und geschichtlicher Prägung. Man sass im gleichen Boot. VFG-Präsident Schneeberger kommentierte: "Wir erleben eine Einheit, die ich nie für möglich gehalten hätte, und einen technischen Innovationsschub, der uns guttut." Das zweite grosse Sitzungsthema neben dem Coronavirus war bezeichnenderweise die Kommunikation der Freikirchen in der Öffentlichkeit.

Dass es gerade jetzt die Hoffnung und den Glauben der christlichen Bewegung im Land braucht, zeigt zum Beispiel die Gebetswand auf der Webseite der Heilsarmee. Dort hat ein Jugendlicher unter dem Titel "Angst vor dem Tod" folgenden Eintrag hinterlassen: "Ich bin Jojo (14). Ich habe eine kleine Schwester und einen grossen Bruder. Meine Mutter hat eine sehr heftige Lungenkrankheit, die nicht mehr heilbar ist. Wenn meine Mutter sich mit dem Virus ansteckt, verlieren meine Geschwister, mein Vater (der fast nie zu Hause ist) und ich sie. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie beten könnten, dass nichts passiert."

Rolf Höneisen, idea-Chefredaktor