Samstag • 18. November
Kinder im Fokus
08. November 2017

Begleiten, ohne alles zu wissen

Das KiFO-Team mit Personen aus Gemeindeverbänden und Organisationen. Foto: zvg
Das KiFO-Team mit Personen aus Gemeindeverbänden und Organisationen. Foto: zvg
Kinder begleiten ist anspruchsvoll. Kirchenmitarbeitende liessen sich inspirieren und wurden bestätigt: Es gibt nicht auf alles eine Antwort.

„Kinder begleiten“ hiess das grosse Thema der Konferenz „Kinder im Fokus“ (KiFO). Sie fand am 4. November im Kongresszentrum St. Chrischona mit rund 420 Personen statt, die in ihrer Kirche mit Kindern arbeiten.

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Hauptreferent war Felix Studer, langjähriger Dozent und erfahrener Pädagoge am Theologisch-Diakonischen Seminar TDS in Aarau. Er betonte, dass die Bindungsfähigkeit von Kindern vom Erziehungsstil der Eltern abhängig ist. Gemäss einer aktuellen Studie der Universität Zürich erfahren 45 Prozent aller Kinder in der Schweiz nicht genügend elterliche Zuwendung. Eltern stellten oft ihre eigenen Bedürfnisse vor den Erziehungsauftrag und vernachlässigten ihre Kinder emotional.

Drohungen sind kontraproduktiv

Studer machte deutlich, dass in der Begleitung von Kindern Schläge und Drohungen kontraproduktiv seien und negative Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern hätten. Werde dieses Verhalten mit dem Glauben gerechtfertigt, dann werde dem Kind gleichzeitig ein entsprechendes Gottesbild vermittelt. Hingegen biete ein autoritativer Erziehungsstil die besten Voraussetzungen für die Bindungs- und Beziehungsfähigkeit von Kindern. Dabei stehe die Ermutigung im Zentrum, erklärte Felix Studer. „Ermutigte Kinder lernen die Gefühle ihrer Eltern einzuschätzen. So lernen sie ihre eigenen Gefühle zu entwickeln.“

Mit den Kindern mitgehen

In zwölf Seminaren und Praxis-Beispielen wurde die Begleitung von Kindern für Gemeinden und Familien sichtbar gemacht. Unter anderem wurde das Programm von „Preteens“ vorgestellt, das Gemeinden und Eltern unterstützt, Kinder ins Erwachsenwerden zu begleiten. In einem weiteren Seminar wurde die Frage von Alternativen zu Strafen besprochen.

Dabei stellten die Teilnehmenden fest, dass die Begleitung von Kindern eine grosse und oft auch anstrengende Arbeit ist. Sie führt Erwachsene an ihre Grenzen. Und nicht immer gibt es Antworten auf Situationen und Fragen. Dies dürfen Kinder auch mitbekommen. Ein Ehepaar, das privat und beruflich mit Kindern unterwegs ist, dabei schwere Zeiten und grosse Herausforderungen erlebt hat, versuchte diese Begleitung in Worte zu fassen: „Ich kann dir jetzt nicht vorausgehen. Ich kann dir nicht zeigen, wie es geht, aber ich gehe mit dir diesen Schritt. Wir gehen miteinander weiter.“

KiFO ist ein Netzwerk verschiedener Kirchen und Werke für die Aus- und Weiterbildung von Kindermitarbeitenden und Leitenden. (bb) 

www.kifo.ch

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